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Sommerurlaub
© Helio Dilolwa auf unsplash.com

Reisebranche und Bürger sorgen sich um Sommerurlaub

Der Sommerurlaub wird dieses Jahr für die allermeisten Menschen anders verlaufen als geplant – so viel ist klar. So glauben nur neun Prozent von mehr als 2.000 Befragten, dass ihr Sommerurlaub genauso verlaufen wird wie ursprünglich geplant. 43 Prozent sind der Ansicht, dass ihre Ferien etwas oder sehr anders verlaufen werden. Genau so viele fahren lieber gar nicht erst weg.

Die Tatsache, dass die Reisewarnung für Staaten außerhalb Europas bis zum 31. August verlängert werden soll, dürfte zu dieser Einschätzung der Deutschen beitragen. Der Deutsche Reiseverbandes (DRV) kritisiert diese Entscheidung als nicht verhältnismäßig, weil es die Corona-Gefahr von rund 160 Staaten „über einen Kamm schert“. Er fordert einen differenzierteren Ansatz , um die wirtschaftliche Erholung und die Wiederaufnahme von Handel und Tourismus nicht zu gefährden.
Infografik: Sommerurlaub 2020 wird anders | Statista

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Sommerurlaub in Touristenzielen außerhalb EU problemlos machbar

Der DRV betont, dass sich das Infektionsgeschehen in den rund 160 Ländern, auf die sich die Reisewarnung bezieht, sehr unterschiedlich darstellt. Viele Staaten haben sehr große Erfolge beim Kampf gegen das Coronavirus und zahlreiche touristisch interessante Zielgebiete haben nachweislich weniger Infizierte als Deutschland ((siehe auch Grafik). Sie setzen belastbare Hygiene- und Sicherheitsprotokolle um, um die Gesundheit der Urlauber nicht zu gefährden. Das gilt auch für Kreuzfahrten, die Sicherheitskonzepte auf höchstem Niveau implementieren.
Vielmehr müsse das Auswärtige Amt objektive Maßstäbe anlegen wie etwa die Anzahl der aktiv Infizierten und der tatsächliche Zustand des Gesundheitssystems. Das Auswärtige Amt wiederum argumentiert, man wolle keine zweite Rückholaktion, wie sie kurz nach dem Ausbruch der Pandemie erfolgte.

Manche Touristenziele haben weniger Corona-Fälle als Deutschland
Laut dem DRV sei es nicht richtig, eine pauschale Reisewarnung für alle 160 vom Auswärtigen Amt genannten Länder auszusprechen. So haben die beliebten Feriendestinationen Tunesien und Seychellen überhaupt keine Corona-Neuinfektionen mehr gemeldet. Und auch Kuba und Thailand sind bei einem Wert nahe Null angekommen. Anders hingegen sieht es in Deutschland aus, wo Urlaub wieder möglich ist.

Die Sorge der Regierung sein insofern unbegründet als das im Fall der Fälle die deutschen Reiseveranstalter wie bisher auch dafür sorgten, dass die Gäste – sofern notwendig – vorzeitig und sicher nach Hause kommen, so der DRV. Pauschalreisen hätten also eine Rückholgarantie inklusive.

Die Tourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) hat mehrfach darauf hingewiesen, welch großes Potential der Tourismus hat, weltweit die Wirtschaft wieder anzukurbeln und zur wirtschaftlichen Erholung beizutragen. Dieses Potenzial wird nicht einmal ansatzweise genutzt, wenn die weltweite Reisewarnung bestehen und dadurch auch der Flugverkehr größtenteils am Boden bleibt.

Deutsche tun sich schwer mit Corona-Regeln im Urlaub

Eine weitere aktuelle Umfrage zeigt jedoch auch, dass sich die Deutschen im Urlaub nur schwer mit coronaspezifischen Regeln arrangieren könnten. Würden am Urlaubsort die strengsten Hygieneregeln (ausschließlich mit Mundschutzmasken oder mit durch Plexiglas abgetrennten Bereichen) gelten, so würde eine große Mehrheit der Deutschen (81 Prozent) auf einen Strandurlaub verzichten. 12 Prozent der Deutschen würden trotz strengster Hygieneregeln einen Strandurlaub machen.

Infografik: Kein Strandurlaub ohne Freiheit | Statista

Auf die Frage, was ihre größte Sorge bei einem bevorstehenden Sommerurlaub wäre, sagen die meisten der Befragten (35 Prozent), dass sie die Urlaubsreise aufgrund der Beschränkungen nicht richtig genießen könnten. 18 Prozent haben Angst, sich am Urlaubsort mit dem Coronavirus zu infizieren, und 13 Prozent sorgen sich darum, sich während oder nach dem Urlaub in Quarantäne begeben zu müssen. Weitere Sorgen sind, dass die Hygieneregeln am Strand entweder nicht streng genug (8 Prozent) oder zu streng sind (4 Prozent). 15 Prozent der Deutschen hätten keine Sorgen in einem bevorstehenden Urlaub.

Tourismusbranche leidet weiter

Indes ist die Stimmung in der Tourismusbranche ausgesprochen schlecht. Einer Erhebung des Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes zufolge ging es in den Kalenderwochen 20 und 21 zwar ein wenig bergauf. Dieser Trend hat sich jedoch als nicht stabil erwiesen. Auch der Beschluss des Bundeskabinetts, die weltweite Reisewarnung ab dem 15. Juni für die meisten europäischen Staaten aufzuheben, bildet sich bislang nicht in besseren Umfragewerten ab. Der Beschluss wurde am 3.6. verkündet, also in der 23. Kalenderwoche.

Infografik: Tourismus-Branche von guter Stimmung weit entfernt | Statista

Die Coronakrise trifft die Reisebranche weltweit hart. Die Zahl der Abflüge sinkt weltweit und an vielen großen internationalen Flughäfen liegt der Rückgang bei den Abflügen im hohen zweistelligen Prozentbereich. Zudem sind die Kursverluste vieler Reiseveranstalter, Kreuzfahrtunternehmen oder Fluggesellschaften an den Börsen hoch.

Den Befragten stehen bei der wöchentlichen Umfrage des Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes die Antworten gut, befriedigend und schlecht zur Verfügung. Aus allen Antworten einer Woche wird jeweils der Mittelwert gebildet.