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Die Wirtschaft in China erholt sich langsam vom Corona-Schock
© torwaiphoto – AdobeStock

Wie die Wirtschaft in China sich aus der Corona-Krise erhebt

Die Wirtschaft in China kann aktuell ihre Aktivitäten wieder hochfahren. Gleichzeitig sind die ersten Erkenntnisse aus der Corona-Epidemie im Reich der Mitte zu ziehen. Das zeigt eine Umfrage unter knapp 680 produzierenden Unternehmen in China. Diese Umfrage hat die Vogel Communications Group gemeinsam mit chinesischen Partnern vom 28.2. bis zum 4.3. durchgeführt. Die Ad-hoc-Studie zeigt: Gerade weil die globalen Lieferketten so stark von China beeinflusst sind, ist hier das Erreichen des vorherigen Produktivitätsniveaus besonders wichtig. Die Unternehmen führen bereits unterschiedliche Strategien durch – aber um eine dominante Tendenz zu erkennen, scheint es noch zu früh. Der vollständige Report ist hier als PDF-Download verfügbar.

Bereits zum Zeitpunkt der Studie gaben 80 Prozent der befragten Betriebe an, wieder unter Volllast zu arbeiten. Allerdings weisen die Studienautoren darauf hin, dass eine solche Aussage differenziert betrachtet werden müsse. So wurde bis zum Umfragezeitraum lediglich bei 22 Prozent der Unternehmen eine Produktionskapazität von mehr als 80 Prozent erreicht. Etwa 28 Prozent der Betriebe erreichten lediglich eine Auslastung zwischen 60 und 80 Prozent, die Hälfte erholte sich auf ein Niveau von weniger als 60 Prozent.

Auch Germany Trade & Invest meint zu sehen, dass sich die Wirtschaft in China wieder auf dem Weg zur Besserung befinde. Dabei beruft sich die dem Bundeswirtschaftsministerium zugehörige GmbH auf den neuen Production Activity Tracker der staatlichen Investmentbank China International Capital Corporation. Am 31. März 2020 lag dieser Index bereits bei 85,5 von 100 Punkten. Nichtsdestotrotz: Das Coronavirus hat China, wie auch der Welt insgesamt, wirtschaftlich einen harten Rückstoß versetzt. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten befindet sich das Wirtschaftswachstum des Landes im Rückgang, berichtet etwa aktuell die Tagesschau.

Diese Lehren zieht die Wirtschaft in China

Die veränderte Lage der Wirtschaft in China spiegelt sich, je nach Branche, in unterschiedlicher Weise wider. So sind Dienstleister in großem Maße von der Unsicherheit auf dem Markt betroffen, die wichtige Entscheidungsprozesse lähmt. Im Gegensatz dazu sehen sich Produzenten und Zulieferer von Maschinenanlagen verstärkt durch Personalmangel eingeschränkt. Ebenso sind sie stärker als andere Branchen von logistischen Einschränkungen betroffen. Deutlich wird, dass viele Unternehmen nicht nur von einem Faktor betroffen sind. Sie sind stets mit mehreren Einschränkungen konfrontiert, die womöglich ineinander greifen.

Wenngleich die chinesischen Unternehmen unterschiedliche Lehren aus der Corona-Pandemie ziehen, sind doch Trends erkennbar. So will ein erheblicher Anteil der befragten Unternehmen neue Lieferanten-Netzwerke aufbauen. Auch bekommt die Idee einer Dezentralisierung der Produktion neuen Vorschub. Gleiches gilt für neue Formen der Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung. Als Denkmodell wird etwa ein firmenübergreifendes Pooling von Mitarbeitern im Bereich Forschung und Entwicklung propagiert.

Die Unternehmen unterstreichen das Credo, dass Wissenschaft und Technologieforschung oberste Priorität hahen. So entschied sich fast die Hälfte für die Stärkung der Technologieforschung und -entwicklung. 45 Prozent der Befragten versuchten vor allem, neue Lieferanten zu finden,während 41 Prozent der Unternehemn Entlassungen vornehmen, um den Kostendruck zu verringern. 39 Prozent arbeiten daran, den Automatisierungsgrad im Produktionsprozess zu erhöhen. Hauptsächlich spricht die Studie hier von größeren und mittelständischen Unternehmen. Andererseits sehen 21 Prozent in der Dezentralisierung als die richtige Antwort auf die Krise.

Verflechtung mit der Weltwirtschaft

Gerade chinesische Unternehmen stehen vor der Herausforderung, die Produktivität schnellstmöglich wieder auf das Niveau vor dem Ausbruch des Corona-Ausbruchs zu heben. Schließlich sind chinesische Firmen deutlich stärker verschuldet als etwa US-amerikanische oder deutsche. Das zeigt eine Statista-Grafik auf Basis von Daten der Bank for International Resettlements. Im Zuge des Kampfes gegen das Coronavirus will Chinas Regierung Banken dazu verpflichten, Unternehmen noch mehr günstige Kredite zu vergeben. Doch gerade das könnte zum einen deren Verschuldung weiter antreiben und zum anderen den Bestand an Problemkrediten in den Büchern der Banken erhöhen. Beobachter sehen daher die Stabilität des chinesischen Bankensystems in Gefahr.

Die Abhängigkeiten innerhalb der derzeitig vorherrschenden Produktionsstrukturen sind in der Krise deutlich hervorgetreten. Die Befragten gaben an, auf gleich mehrere Kernlieferanten angewiesen zu sein. Die Wiederaufnahme der Arbeit hinge demnach nicht nur von eigenen Maßnahmen ab, sondern im durchschnitt von der Wiedererstarkung von mindestens acht Kernlieferanten. Als Konsequenz wollen viele ihr Supplier-Leadership-Management überarbeiten. Oder haben gar die Absicht, die eigene Fertigungstiefe zu erhöhen, um nur noch bei wenigen Schritten von anderen Firmen abhängig zu sein.

Infografik: Chinas Firmen hoch verschuldet | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Der chinesische Wiederaufbau der Wirtschaft kann auch Vorbildcharakter für andere Staaten haben. Gerd Kielburger von der Vogel Communications Group sieht in den Denkanstößen der Studie mehr als nur Chancen für internationale Firmen, sich besser auf die Bedürfnisse der chinesischen Produzenten einzustellen: „Möglicherweise werden wir uns nach der Coronavirus-Pandemie in Deutschland und Europa ähnlichen Herausforderungen gegenübersehen.“ Die Corona-Krise zeigt auf, wie fragil hochkomplexe, weil vielgliedrige Produktions- und Lieferketten sein können. Und das gilt auf internationaler Ebene genauso wie darunter auf nationaler oder gar regionaler Ebene.