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Arbeiten von zu Hause – ein dauerhafter Trend?
© Halfpoint – AdobeStock

Zu Hause auf Geschäftsreise

Ob freiwillig oder unfreiwillig – zurzeit dürften immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz zu Hause eingerichtet haben. Und das weltweit. Auch viele lange Geschäftsreisen entfallen – das Meeting findet in den eigenen vier Wänden statt.

Homeoffice aktuell im Trend

Das Homeoffice ist für viele durch das Coronavirus eher unfreiwillig und plötzlich zum Alltag geworden. Das Büro zu Hause ersetzt nicht nur alltägliche Aufgaben. Aufgrund von Travel-Bans, Flugstreichungen und Einreiseverboten ersetzen Videokonferenzen in großem Maße Geschäftstermine und Dienstreisen. Die Unternehmen haben sich mittlerweile auf die Situation eingestellt und verstärkt Möglichkeiten fürs Arbeiten von zu Hause aus eingerichtet, wie eine YouGov-Umfrage zeigt.

Infografik: Mehr Händewaschen, mehr Home-Office | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Eine Statista-Grafik zeigt dagegen, welch geringe Rolle das Homeoffice in Deutschland vor der Corona-Krise gespielt hat: Laut Eurostat lag der Anteil der Beschäftigten, die normalerweise von zu Hause aus arbeiten in Deutschland 2018 bei fünf Prozent. In Italien lag der Homeoffice-Anteil sogar nur bei 3,6 Prozent. Dagegen ist die Arbeit in den eigenen vier Wänden in den Niederlanden und in Finnland deutlich verbreiteter.

Infografik: So verbreitet ist Home Office in Europa | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Auch Forscher der Universität Mannheim zeigen, dass die Präsenz im Büro im Büro noch immer Alltag für eine klare Mehrheit der Deutschen ist, und zwar auch trotz Corona. Gerade einmal 21 Prozent der Befragten arbeiten demnach aktuell im Homeoffice.

Arbeiten von zu Hause: auch nach Corona-Krise im Trend?

Immerhin eine Vervierfachung des älteren Wertes von Eurostat. Ob der Trend zum Arbeiten von zu Hause aus auch nach Ende der Corona-Krise anhalten wird, bleibt abzuwarten. Möglicherweise lässt der erzwungene „Praxistest“ viele Arbeitgeber, aber auch viele Arbeitnehmer, erkennen, wie praktikabel das Arbeiten von zu Hause aus sein kann. Daran glaubt beispielsweise John Sculley. Im Interview mit Business-Insider sagt der ehemalige Apple-Chef sagt für Unternehmen in den Bereichen der Telemedizin und Videokonferenzen einen signifikanten Zuwachs voraus.

Homeoffice ergänzt, aber ersetzt nicht das Meeting

Das Büro zu Hause wird aktuell immer populärer. Allerdings: Seit Jahren nehmen auch Geschäftsreisen stetig zu. Die aktuelle Corona-Krise scheint im Moment nur kurzfristiger Einbruch eines langfristigen Aufwärtstrends zu sein.

Schon bei täglichen Aufgaben stehen zusätzliche rechtliche Bedenken im Raum, wenn man zu Hause statt im Büro arbeitet. Business-Meetings, in denen vertrauliche Dokumente eingesehen und zentrale Entscheidungen getroffen werden, verschärfen dieses Problem. Trotz DSGVO bringt zusätzliche Software nämlich auch zusätzliche Datenschutz-Bedenken mit sich. So stand kürzlich das Konferenz-Tool Zoom in der Kritik, unsauber mit Nutzerdaten umzugehen. Dabei war dessen Nutzung durch Unternehmen gerade wegen der Corona-Krise gestiegen.

Wichtige und vor allem vertrauliche Entscheidungen sind eventuell nicht immer durch die Telepräsenz möglich: Was, wenn Unternehmensregelungen eine Präsenz der Mitglieder für bestimmte Prozesse vorschreiben? Der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Beispiel hält Betriebsratssitzungen per Umlaufverfahren (schriftliche Zustimmung anstatt Zusammenkunft der Mitglieder) grundsätzlich für unzulässig.

Homeoffice im Ausland?

Der Wunsch nach Homeoffice macht auch vor Grenzen keinen Halt. Und tatsächlich wollen viele Unternehmen es ihren Arbeitnehmern ermöglichen, auch außerhalb von Deutschland zu Hause zu arbeiten. Das kann allerdings zu ungeahnten Schwierigkeiten führen. Ein praxisnahes Beispiel zeigt, worauf Personaler achten müssen, wenn der Mitarbeiter aus dem Ausland heraus im Homeoffice arbeitet:

  • Liegt eine Beschäftigung in mehreren EU-Staaten vor?
  • Wie ist der Umfang der Sozialleistungen im Ausland?
  • Besteht am Arbeitsort im Ausland eine Payroll- und Registrierungspflicht? Sind die notwendigen Anpassungen im Arbeitsvertrag vorgenommen worden?
  • Ist eine Betriebsstätten-Gründung trotz der Tätigkeit des Mitarbeiters im Ausland ausgeschlossen?
  • Ist der Mitarbeiter ausreichend über seine Rechte und Pflichten aufgeklärt?

Personaler sollten sich nicht in Sicherheit wähnen, wenn sie dem Mitarbeiter vor Ort überlassen, den Steuer- und Sozialversicherungspflichten eigenständig nachzukommen. Denn das Arbeitsszenario verlangt sorgfältige bürokratische Prüfung. Nicht immer handelt es sich außerdem um eine klassische Entsendung.

Zu Hause fehlt die soziale Komponente

Trotz aller technischen Fortschritte ist Telepräsenz (zumindest noch) nicht in der Lage, zentrale Faktoren abzubilden, die das gemeinsame Arbeiten vor Ort so produktiv machen. Eine grundlegende Erkenntnis in der Kommunikationsforschung besagt, dass nonverbale Kommunikation einen Hauptteil von Kommunikation überhaupt ausmacht. Mimik, Gestik, Körperhaltung – vermeintliche Nebensächlichkeiten sind in Wirklichkeit zentrale Faktoren für das richtige Verstehen einer Botschaft.

Und es sind Faktoren, die in der (Video-)Telefonie noch fehlen oder stark eingeschränkt sind. Gleiches gilt für soziale Gepflogenheiten und Rituale. Diese Einschnitte in der Kommunikation übertragen sich zwangsläufig auch auf Techniken und Methoden für die Gruppenarbeit wie auch die Beschlussfindung.

Virtual- und Augmented-Reality versprechen, reale Kommunikation, inklusive Körpersprache und „Mittendrin-Gefühl“, immer authentischer nachzuahmen. Und tatsächlich verzeichnet die Branche ihr größtes Wachstum nicht im Consumer-, sondern im B2B-Bereich. Passend zum Thema hat das Technologie-Unternehmen HTC die Konferenz seiner Virtual-Reality-Sparte aufgrund des Coronavirus nicht abgesagt – sondern in die virtuelle Realität „verlegt“. Aber ob solcher technischer Fortschritt auch langfristig das Wachstum von Geschäftsreisen abschwächen kann – und dauerhafter als die Corona-Krise – bleibt abzuwarten.