Anzeige
© Life to go
© Life to go

„Der Zusammenhalt unter den Menschen ist gewachsen“

Jessica und Daniel Krawczyk sind mehrfach von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen: Als Vielreisende, die unerwartet auf Bali festsitzen, und auch als digitale Nomaden, deren berufliches Themenfeld – Leben und Reisen im Ausland – stark zurückgefahren wurde. Im Interview berichten die Köpfe hinter „Life to go“ vom Zusammenhalt in Indonesien und wieso sie während ihrer Weltreise auch in Zeiten einer weltweiten Gesundheitskrise noch optimistisch bleiben.

Expat-News: Ihr seid gerade auf Bali in Indonesien „gestrandet“, aber Eure weiteren Reisepläne liegen fürs Erste auf Eis. Wie kommt ihr gerade damit klar, im Paradies zu sitzen, ohne viel vom Land sehen zu können?

Daniel: Eine treffende Beschreibung: Im Paradies festzustecken. Es gibt schlimmere Orte, an denen man „feststecken“ kann! Wir bekommen nicht so viel vom Land zu sehen, aber das ist nicht allzu schlimm. Denn wir haben ja schon viel von Indonesien gesehen. In der Vergangenheit waren wir auf Sumatra, haben Java bereist, Flores und den Komodo Nationalpark und auch Bali haben wir schon mehrmals bereist. Dieser Trip war sowieso als Zwischenstopp geplant, damit wir in Ruhe eigene Projekte aufarbeiten können, zum Beispiel unsere Philippinen-Erfahrungen, in Form von Videos und Blogbeiträgen. Auch ist so die Zeit da, neue digitale Produkte anzugehen. Also ist es für uns persönlich nicht allzu schlimm, momentan nicht reisen zu können.

Jessica: Wir kennen es auch sehr gut, länger an Orten zu bleiben. Klar, so langsam „juckt es uns wieder in den Fingern“ und wir bekommen Fernweh, aber im Moment fühlen wir uns wohl hier und akzeptieren die momentane Lage. Viel mehr bleibt einem auch nicht übrig.

„Die Solidarität unter den Menschen ist gewachsen“

Expat-News: Und wie gehen die Indonesier mit der Pandemie um? Was fällt euch im Alltag auf?

Daniel: Hier auf Bali ist der Tourismus komplett eingebrochen, beziehungsweise zum Erliegen gekommen. Das merkt man auch stark, denn schließlich lebt die balinesische Wirtschaft zu 80 Prozent vom Tourismus. Es gibt vielleicht 2.000 Touristen auf der Insel, aber die unternehmen derzeit ja keine Touren. Trotzdem: Die Leute gehen recht entspannt und realistisch mit der Situation um. Zum Beispiel gab es keinerlei Hamsterkäufe. Die Leute trauen sich noch auf die Straße und sind – typisch für das Land – immer sehr freundlich.

Etwas kurios ist schon, wie die Maskenpflicht hier umgesetzt wird. Da gibt es lustige Beispiele, dass Indonesier, die gegen die Maskenpflicht verstoßen, zur Strafe Liegestütze machen müssen. Etwas anders als in Deutschland, wo es dann ein teures Knöllchen gibt.

Jessica und Daniel (Life to go) berichten vom großen Zusammenhalt in Indonesien während der Corona-Krise

© Life to go

Expat-News: Social-Distancing hindert viele daran, sich persönlich zu Gesicht zu bekommen. Aber die Leute scheinen sich nun auch mehr umeinander zu sorgen. Was konntet ihr beobachten: Sorgt das Coronavirus für mehr Zusammenhalt oder sind die Leute nun mehr mit sich selbst beschäftigt?

Jessica: Der Zusammenhalt unter den Menschen ist gewachsen – weltweit, aber auch hier. Unter den Balinesen gibt es jedoch grundsätzlich eine große Solidarität. Der Zusammenhalt der Menschen auf Bali ist extrem groß!

Daniel: Es gab auch schon vor der Pandemie große Probleme, die gemeistert werden mussten. Zum Beispiel Vulkanausbrüche, die den Tourismus stark eingeschränkt haben. Vor einigen Jahren auch ein Bombenanschlag. Aber egal, was hier passiert, der Zusammenhalt bleibt. Wie weltweit gilt auch hier auf Bali: Wir sitzen alle in einem Boot, auch jetzt während der momentanen Situation und das stärkt den Zusammenhalt. Man merkt das auch an aktuellen Spendenaufrufen und Hilfsprojekten.

Gleichzeitig haben manche Menschen nun auch die Zeit, ihr eigenes Leben zu reflektieren und wieder mehr auf das „innere Ich“ zu hören. Zum Beispiel, weil etliche Menschen, durch den Wechsel ins Homeoffice, nicht pendeln müssen. So haben sie mehr Zeit! Generell denke ich, dass der Zusammenhalt unter den Menschen auch größer geworden ist – diesen Eindruck haben wir übrigens auch aus der eigenen Familie, von Freunden und unserer Life to go Community gehört.

Expat-News: Könnt ihr von einem Spendenprojekt berichten?

Jessica: Auf Bali gibt es einige Projekte. Hier haben wir auch schon einiges gegeben. Ganz konkret haben wir gemeinsam mit unserer Reise-Community ein Tierheim auf Koh Samui in Thailand unterstützt. Dabei haben wir innerhalb von einer Woche die stolze Summe in Höhe von 5.540 Euro gesammelt! Für das Tierheim zu spenden, war eine einfache Entscheidung. Schließlich waren wir schon selbst vor Ort und haben das Team kennen gelernt. Uns ist wichtig, dass das Geld auch da ankommt, wo es gebraucht wird. Mit dem Geld kann das Tierheim Futter für einen Monat kaufen.

Daniel: Brigitte Gomm, die ursprünglich aus Deutschland kam und vor 20 Jahren das Tierheim gegründet hat, kümmert sich mit ihrem Team um über 500 Hunde auf Koh Samui, außerdem noch um 100 Katzen. Sie füttern nicht nur die Tiere, sondern pflegen auch Straßenhunde, die angefahren wurden oder einfach krank sind. Die Tiere werden auch geimpft, kastriert und einfach komplett versorgt. All das verursacht extrem hohe Kosten und wir haben uns sehr gefreut, mit unserer Community zusammen, dem Tierheim unter die Arme greifen zu können.

Expat-News: Habt Ihr seit Beginn der Pandemie ein Hobby entdeckt oder mehr Zeit für bestehende Hobbies und Interesse übrig?

Jessica: Definitiv machen wir mehr Sport. Auf Reisen ist das nicht immer ganz einfach. Außerdem haben wir viele neue Projekte und neue Ideen im Kopf. Wir sind im Moment sehr kreativ.

Expat-News: Hat sich euer Arbeitsalltag als Content-Creator von Videos, Blogs und anderen Medien geändert?

Jessica: Der Arbeitsablauf an sich hat sich nicht geändert, denn wir hatten schon längere Aufenthalte in einem Land und mit der Zeit einen passenden Workflow und Routinen entwickelt. Aber wir haben mehr Zeit, neue Ideen und Konzepte zu entwickeln und dort erste Schritte zu machen.

Expat-News: Betrifft die Corona-Krise weitere Aspekte eurer Arbeit?

Daniel: Die negativen Auswirkungen sehen wir zum Beispiel auf unserem Life to go YouTube Kanal. Zu einem großen Teil brechen uns dort die Einnahmen weg, weil Werbung im Bereich Reisen schlecht geschaltet wird oder einfach schlecht monetarisiert wird. Deswegen sind wir froh, auf mehreren Standbeinen zu stehen. Affiliate-Marketing im Bereich Reise läuft aktuell auch nicht gut, aber zum Beispiel Videoschnitt-Projekte für unsere Kunden, laufen wie gewohnt. Zusammengefasst betrifft uns die Corona-Krise definitiv – aber wir sind zum Glück von extremen Einschnitten verschont und versuchen wie immer im Leben, positiv nach vorne zu schauen.

Jessica und Daniel (Life to go) berichten vom großen Zusammenhalt in Indonesien während der Corona-Krise

© Life to go

Expat-News: Corona betrifft uns alle und zwar wirklich weltweit. Das merkt ihr derzeit sicher auch an der Kommunikation mit eurer Community. Was bewegt eure Mitreisenden?

Jessica: Viele mussten ihre aktuelle Reise abbrechen, weil die Krankenversicherung nicht gezahlt hat. Es gab viele Unternehmen, die sich per Mail an Kunden wandten und sagten: In zehn oder 14 Tagen läuft die Versicherung aus, weil wir Pandemien nicht abdecken. Bei solchen Nachrichten sind wir ziemlich froh, beim BDAE versichert zu sein, da ist es genau anders herum. Der BDAE hat uns nämlich aktiv darüber informiert, dass der Versicherungsschutz auch im Corona-Fall gilt und wir weiterhin komplett versichert sein werden. Da fiel uns auch ein Stein vom Herzen, da wir unsere Reise sonst hätten ebenfalls abbrechen müssen.

Daniel: Ja, sonst hätten wir wirklich ein Problem gehabt und hätten ganz schnell nach Deutschland zurück gemusst, obwohl wir es gar nicht gewollt hätten. Auch abgesehen von Versicherungsfragen werden wir häufig um Rat gefragt – etwa, ob wir Tipps haben, wenn es um die Erstattung von Reisekosten geht. Obwohl wir nicht immer die richtigen Ansprechpartner für solche Fragen sind, versuchen wir zu helfen, wo es nur geht. Und da hören wir wirklich von vielen Schicksalsschlägen. Denn eine große Reise oder ein spezieller Urlaub ist für viele ein lange geplanter Lebenstraum, und dieser Traum fällt nun für einige aufgrund der gegenwärtigen Situation ins Wasser. Das ist generell sehr traurig, doch für die Menschen, die zum Teil über Jahre für eine große Reise gespart haben und die nun viel Geld verlieren oder wo der Traum einfach zerplatzt, tut es uns besonders leid.

„Die Lust zu reisen wird nicht verschwinden“

Expat-News: Was möchtet ihr euren Mitreisenden auf den Weg geben?

Daniel: Wir haben es schon oft auf unseren Kanälen gesagt und sagen es gerne auch hier: Egal, wie mies es im Leben läuft, ob im ganz normalen Alltag oder jetzt auf Grund von Corona: Man muss immer versuchen positiv zu denken! Wir alle sitzen im gleichen Boot und können vom Zusammenhalt und positiven Gedanken nur profitieren, anstatt an Sorgen zu zerbrechen!

Expat-News: Was glaubt ihr, wird die Corona-Krise jüngere Generationen wieder sesshafter machen? Wird es weniger digitale Nomaden oder Langzeitreisende geben?

Jessica: Nein. Ich glaube eher an das Gegenteil. Wenn die Krise vorbei ist, werden die Leute sagen: „Jetzt erst recht auf Weltreise!“ Vielleicht kommen sie auch erst durch die aktuelle Situation auf die Idee, zu verreisen und sich einen Traum zu erfüllen, anstatt ihn vor sich her zu schieben.

Daniel: Genau, denn viele Menschen schieben Träume, wie eine große Reise, gerne bis ins das Rentenalter auf und sagen dann, „Irgendwann mal erfülle ich mir meinen Traum“. Jetzt merken sie aber, dass dieser Traum nicht nur von ihrer eigenen Gesundheit abhängig ist, sondern auch von äußeren Umständen, die man vielleicht nicht einmal auf dem Schirm hat. Siehe Corona… denn wer hätte jemals gedacht, dass unser aller Leben und Alltag in diesem Jahr so stark eingeschränkt wird oder zum Teil zum Erliegen kommt? Die Menschen erleben, dass man so eine Chance auch „verpassen“ kann und es irgendwann zu spät ist, diesen oder jenen Traum zu leben und real werden zu lassen. Deswegen nehmen sich viele Menschen nun ganz konkret vor, zu verreisen oder andere Träume zu leben, sobald es wieder möglich ist.

Es wird bestimmt wieder einen Reise-Boom geben. Da bin ich mir sicher. Vielleicht nicht sofort, da viele Menschen während der Krise finanzielle Einbußen hinnehmen mussten, aber wenn die finanziellen Mittel wieder da sind, bestimmt. Wir Deutschen sind eben ein Volk, das vom Ausland, fremden Kulturen, Natur und neuen Erfahrungen, magisch angezogen wird. Vielleicht lernen nun auch viele Menschen Reiseziele in ihrer Nähe neu zu schätzen, wie zum Beispiel in Europa oder direkt in Deutschland selbst. Die Destinationen mögen sich vielleicht ändern, aber die Reiseliebe der Deutschen, die wird durch Corona sicher nicht verschwinden.

 

© Life to go

© Life to go

ÜBER LIFE TO GO
Seit August 2015 bereisen Jessica und Daniel Krawczyk als selbständige Filmemacher, Fotografen und Content Creator die ganze Welt. Als Digitale Nomaden im Bereich Reiseblogger und Reisevlogger, können sie von überall aus auf der Welt arbeiten und leben, wo es ihnen gefällt. So ist für die Zukunft auch die neue Homebase in und Auswanderung nach Thailand, geplant. Mit ihren Reiseberichten bringen sie ihrer Community und Hunderttausenden Menschen auf all ihren Kanälen, die Welt ein wenig näher. Dazu geben sie unzählige fundierte Tipps für das Abenteuer Ausland.

Wer mit ihnen Reisen und die Welt entdecken möchte, findet sie hier:

Website:  Weltreise Blog  |  Weltreise Fragen & Antworten  |  Auslandskrankenversicherung
YouTube: Life to go Weltreise Videos  |  Länder Übersicht  |  Die Weltreise ab Video #1
Instagram: @life.to.go