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© Kateryna, AdobeStock

Virtuelle Meetings kein Ersatz für Geschäftsreisen

Geschäftsreisende halten die virtuelle Meetings als primäre Form des Austauschs auf lange Sicht für bedenklich. Außerdem haben sie mehr denn je den Wunsch, selbst zu entscheiden, wann sie reisen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von des Travel-Management-Unternehmens BCD Travel. 

738 Geschäftsreisende weltweit standen zum Thema Rede und Antwort. Auch wenn virtuelle Meetings und Telearbeit aus dem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken sind, bleiben Geschäftsreisen und persönliche Treffen extrem wichtig. 76 Prozent aller Umfrageteilnehmer gaben an, dass Geschäftsreisen ihnen helfen, ihre Arbeit effizient zu erledigen.

Auch Geschäftsbeziehungen sind letztenendes zwischenmenschliche Beziehungen. Eine Vielzahl von Aspekten schränkt jedoch bei Online-Meetings, Zoom-Calls und Online-Seminaren dieses zwischenmenschliche Verhältnis ein. Dass sich gerade hierin zeigt, wo der Vorteil eines persönlichen Treffens liegt, hat Mike Judith in einem Gastbeitrag dargelegt.  

Und auch die Studie von BCD Travel zeigt, dass für die meisten das virtuelle Meeting mangels körperlicher Anwesenheit nur eine unvollständige Kommunikation ermöglicht. Die größten Schwachstellen virtueller Meetings sind ihrer Meinung nach

  • der fehlende menschliche Kontakt (66 Prozent),
  • die begrenzten Interaktionsmöglichkeiten (58 Prozent),
  • leichte Ablenkung (54 Prozent),
  • Untauglichkeit für bestimmte Meetingformen (51 Prozent),
  • „Zoom-Fatigue“ und technische Probleme (49 Prozent).

Dennoch sind die Befragten sich einig, dass virtuelle Meetings nun Teil des Geschäftsalltags sind. „Während in einigen Teilen der Welt die Pandemie langsam zurückgeht, sind andere Regionen weiterhin auf virtuelle Meetings angewiesen“, so Scott Graf, Global President bei BCD Meetings & Events. „Veranstaltungsplaner und -manager müssen sich neue Fähigkeiten aneignen, um Schwächen virtueller Meetings, wie etwa die fehlende Interaktion, ausgleichen zu können. In diesem herausfordernden Umfeld können Schulungen oder ausgelagerter Support helfen, Methodiken zu entwickeln, die geeignet sind, sowohl die Konzentration als auch Motivation von Mitarbeitern hochzuhalten.“

Liegengelassene Chance durch nur schleichende Digitalisierung?

Das Zurückschrauben der regionalen und globalen Vernetzung, welches das Coronavirus notwendig gemacht hat, hat Unternehmen dazu gezwungen, digitale Kommunikationskanäle auszubauen. Viele Betriebe dürften erst durch diesen praktischen Zwang Hemmungen gegenüber einer Digitalisierung abgebaut haben. Gestützt würde diese These durch folgende Statista-Grafik.

© Statista

Laut Datenbasis, einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 500 Unternehmen in Deutschland, zweifeln nur noch zwölf Prozent am wirtschaftlichen Nutzen der Digitalisierung. Seit dem vergangenen Jahr hat sich die Zahl somit halbiert. Vor fünf Jahren stellten sogar noch 36 Prozent der befragten Unternehmen den Vorteil der Digitalisierung in Frage, wie die Statista-Grafik zeigt.

Indes wird in Deutschland die Euphorie gegenüber neuen Vernetzungsmöglichkeiten getrübt durch die Trägheit, die sich beim Digitalausbau zeigt. Das macht vor allem ein internationaler Vergleich deutlich, den das European Center for Digital Competitiveness jüngst herausgegeben hat. Deutschland hat gerade im letzten Jahr stark an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, wenn es um Digitalisierung geht. Inzwischen landet das Land im G7-Vergleich auf Platz 17 von 20. In der Ländergruppierung „Europa und Nord-Amerika“ landet Deutschland gar auf dem vorletzten Platz. Es folgt nur noch Albanien. 

Quelle: Digital Riser Report 2021. © European Center for Digital Competitiveness

Virtuelle Meetings und Dienstreisen müssen einander nicht ausschließen

Wenn die Pandemie abgeklungen ist, wünschen sich 60 Prozent der Befragten, in gleichem Maße unterwegs zu sein wie vor der Pandemie. 26 Prozent ziehen es vor, weniger und 9 Prozent sogar mehr zu reisen. Dementsprechend ist Geschäftsreisenden nach Abklingen der Pandemie vor allem wichtig, dass sie selbst darüber entscheiden können, ob sie auf Reisen gehen oder nicht. In der Umfrage von BCD Travel sprachen sich 64 Prozent dafür aus. Darüber hinaus wünschen sie sich einfachere Genehmigungsprozesse (58 Prozent) und mehr Direktflüge (53 Prozent).

Bei der Gegenüberstellung von virtuellen Meetings und persönlichen Treffen nennen 74 Prozent persönliche Kundentermine als wichtigsten Grund für Geschäftsreisen. Es folgen Teambuilding, Sales Meetings und Treffen mit Lieferanten sowie anderen Geschäftspartnern.

Die größten Hindernisse bei Geschäftsreisen sind laut aktueller Umfrage vor allem Quarantänebestimmungen bei Ankunft, plötzliche Lockdowns und sich ständig verändernde Reisebestimmungen. Dazu zählen auch ganz praktische Fragen wie die Kosten für einen Coronatest, die je nach Land anders ausfallen. Trotz eindeutiger Sehnsucht nach physischen Reisen dürfte es auf absehbare Zeit also eine immer neue Abwägung bleiben, ob man für den Geschäftstermin zum Ticket oder Autoschlüssel greift – oder doch wieder zum Headset.