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Tourismus im Inland – gerade 2020 im Aufschwung
© Josh Willink – Pexels

Tourismus im Inland: Durch Covid droht auch zu Hause der Massentourismus

Tourismus im Inland wird aus wirtschaftlicher Sicht eigentlich gerne gesehen. Doch nun nimmt auch „zu Hause“ der Massentourismus überhand. Der sprunghafte Anstieg des Inlandstourismus nimmt durch Covid-19 weiter zu.

Denn auch diejenigen, die eigentlich eine Fernreise planen, gehen in Massen zu sogenannten „Staycations“ über: Einem Urlaub, für den man nicht allzu weit reisen muss. Als Konsummotor gilt Inlandstourismus gerade in wirtschaftlich schwächeren Regionen. Je mehr der Tourismus allerdings zum Massentourismus wird, desto eher wird er zur Plage für die Regionen. Zu diesem Schluss kommt das Daten- und Analyseunternehmen GlobalData in einer aktuellen Studie.

Inlandstouristen federn Rückgang leicht ab

Ralph Hollister, Reise- und Tourismus-Analyst bei GlobalData, kommentiert: „Die Nachfrage nach internationalen Reisen ist in diesem Sommer aufgrund der Angst vor Stornierung, Krankheitsübertragung und Quarantänemaßnahmen nach der Rückkehr stark zurückgegangen.“ GlobalData erwartet, dass die internationalen Abreisen aus den europäischen G7-Ländern im Jahr 2020 um 40 Prozent zurückgehen, was ein viel stärkerer Rückgang ist als Inlandsreisen mit 25 Prozent. Dieser Unterschied deutet darauf hin, dass sich viele ursprüngliche Auslandsreisende nun dafür entscheiden, lieber im Inland zu reisen.

Dadurch wurde zum Beispiel die coronabedingte Talfahrt der Tourismusbranche in Österreich leicht gebremst. Laut vorläufigen Daten von Statistik Austria war im Juli die Anzahl der Übernachtungen dort um rund 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken. Aus den deutschsprachigen Nachbarländern Deutschland und der Schweiz waren seit Anfang des Jahres etwa 30 Prozent weniger Touristen als im Vorjahr gekommen. Die österreichische Tourismusbranche verzeichnete etwa 15,5 Millionen Übernachtungen, von denen rund ein Drittel inländische Gäste waren. Der Juli 2020 erlebte deshalb den höchsten jemals erhobenen Wert an Inlandsgästen.

Infografik: Inlandsgäste federn Tourismus-Rückgang leicht ab | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Tourismus im Inland: Hilfe oder Belastung?

Doch die Entwicklung des Tourismus hat sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Gemeinden. „Das Hauptproblem bei diesem Trend ist, dass Inlandsreisen eine geringere Auswahl bieten. So reisen alle Touristen nur zu den gleichen Zielen. Diese Situation tritt derzeit im Vereinigten Königreich an Orten wie Cornwall und Snowdonia auf“, merkt Hollister von GlobalData an. Regionen, die zwar auf einige, aber nicht Massen an Urlaubern vorbereitet sind, haben plötzlich mit neuen Problemen zu kämpfen. Darunter fallen erhöhte Verschmutzung der Straßen, der Strände oder auch unsoziales Verhalten.

Durch die Corona-Pandemie kommt ein neues gesundheitliches Problem hinzu, das sich auf den Alltag der Bewohner auswirkt. Reiseziele am Meer bestehen tendenziell aus alternden Bevölkerungen, die Quarantänemaßnahmen ernster nehmen müssen. Die Furcht vor einer Ansteckung steigt, je mehr Leute sich auf der Straße befinden. Teile der lokalen Bevölkerung, schlussfolgert GlobalData, könnte sich also genötigt fühlen, zu Hause zu bleiben.

Tourismus-Management muss sich anpassen

Für Hollister gibt es keinen Umweg um den Tourismus: „Inländische Hotspots haben auch stark verschmutzte Strände und unsoziales Verhalten erlebt. Doch leider ist der Tourismus für desillusionierte Einwohner ein notwendiges Übel, und der Rückgang der Touristenzahlen hat nachteilige Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft – wie während des Covid-19-Höhepunkts zu beobachten war. Es müssen proaktive Managementstrategien umgesetzt werden, durch die die wirtschaftlichen Vorteile des Tourismus genutzt werden, ohne die negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen zuzulassen, die ein dauerhafter Anstieg des Tourismus mit sich bringen kann“.