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Neuer Europass: Kompetenzen und Qualifikationen besser präsentieren

Damit berufliche Qualifikationen und Kompetenzen künftig europaweit noch transparenter und verständlicher dargestellt werden können, hat die EU-Kommission einen Vorschlag zur Überarbeitung des Europasses angenommen.

Der neue Europass-Rahmen enthält ein verbessertes Instrument zur Erstellung von Lebensläufen und Kompetenzprofilen, maßgeschneiderte Informationen über Lernangebote in ganz Europa, Informationen und Unterstützung für die Anerkennung von Qualifikationen und Informationen darüber, welche Kompetenzen wo am meisten auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind. Um den Informationsaustausch weiter zu erleichtern und den Endnutzern einen besser integrierten Service zu bieten, wird der neue Europass-Rahmen auch mit anderen EU-Instrumenten und Diensten in den Bereichen Beschäftigung und (Berufs-)Bildung verknüpft, zum Beispiel mit dem EURES-Jobportal zur beruflichen Mobilität.

Was ist der Europass?

Der Europass besteht aus einer Reihe von Dokumenten, mit dem Bewerber ihre Qualifikationen in ganz Europa leichter ausweisen und präsentieren können. Er umschreibt das persönliche Profil seines Inhabers/seiner Inhaberin. So wird er zu einem „gemeinsamen europäischen Markenzeichen“ für ein Bewerbungsportfolio, das wichtige Informationen bündelt und darstellt. Alle Europass-Dokumente und weitere Nachweise können in einem elektronischen Ordner, dem „Skills-Pass“, gesammelt und dargestellt werden.

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So wird eine transparente Darstellung aller erworbenen Kompetenzen und Qualifikationen ermöglicht, die für das Ausüben eines Berufs wichtig sind. Das gilt auch für die sozialen Kompetenzen. Das Ziel des Rahmenkonzeptes ist es, die grenzüberschreitende Mobilität zu Lern- und Arbeitszwecken zu vereinfachen. Damit bietet er einen Mehrwert für Bewerber, für Bildungseinrichtungen wie Schulen und Hochschulen sowie deren Lehrpersonal und für Personalverantwortliche in Unternehmen.

Er ist ein kostenloses und freiwilliges Angebot ohne Rechtsverbindlichkeit, das heißt die Europass-Dokumente ersetzen keine Originalzeugnisse und Zertifikate, sondern es wird dafür gesorgt, dass das Profil einer Person klar und nachvollziehbar wird. So eröffnet er durch europaweit vergleichbare Dokumente in allen Sprachen der EU bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt im In- und Ausland. Der Pass ist in allen EU-Mitgliedsländern, den EWR-Staaten Norwegen, Island und Liechtenstein sowie in der Schweiz, in Mazedonien und in der Türkei eingeführt. Alle Dokumente sind kostenlos.

Kernstück des Europass ist eine Reihe von Dokumentvorlagen:

• Der Lebenslauf ermöglicht es allen Bürgerinnen und Bürgern, ihre Qualifikationen, Berufserfahrungen, Fähigkeiten und Kompetenzen darzustellen.

• Das Sprachenportfolio (ESP) dient zur Veranschaulichung von Sprachkenntnissen.

• Die Zeugniserläuterung (ECS) wird von den für die berufliche Aus- und Weiterbildung zuständigen Behörden ausgestellt. Als Anlage zum Berufsabschlusszeugnis erleichtert sie dessen Verständnis mittels ergänzender Informationen; dies nützt insbesondere Arbeitgebern und Einrichtungen außerhalb des Landes, in dem das Zeugnis ausgestellt wurde.

• Der Diplomzusatz (EDS) wird von den Hochschuleinrichtungen ausgestellt und dem Abschlusszeugnis beigefügt, um dessen Verständnis zu erleichtern; dies ist vor allem für Akteure außerhalb des Landes, in dem der Hochschulabschluss erworben wurde, von Interesse.

• Im Mobilitätsnachweis (EMD) können in anderen europäischen Ländern absolvierte organisierte Lernphasen oder Ausbildungszeiten dokumentiert werden. Das Dokument wird von der entsendenden und der aufnehmenden Organisation ausgefüllt. Im April 2016 wurde der Europass Mobilität in Deutschland zum 200.000sten Mal beantragt. Damit schrieb das im Oktober 2005 eingeführte Dokument seine Erfolgsgeschichte fort, zugleich ist Deutschland europaweit Spitzenreiter in Sachen Europass Mobilität.

Für die Umsetzung sind auf Ebene der Mitgliedsstaaten Nationale Europass Center (NEC) errichtet worden. Diese sind die Ansprechpartner für alle Fragen zum Europass. In Deutschland ist das NEC in der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) angesiedelt.

Nutzung des Europasses

Der Pass ist eine der bekanntesten und am meisten genutzten europäischen Ressourcen im Bereich Kompetenzen. Seit seiner Einführung im Jahr 2005 wurden damit über 60 Millionen Lebensläufe erstellt, und jedes Jahr haben Hunderttausende von Lernenden in der gesamten EU den Diplomzusatz und die Zeugniserläuterung erhalten, wodurch ihre Qualifikationen im Ausland leichter verständlich und besser vergleichbar werden. Abgerundet wird dies durch Unterstützung vor Ort, die von Kontaktstellen in den Mitgliedstaaten geleistet wird.

Im Jahr 2013 wurde eine Bewertung des Europass-Rahmens durchgeführt, die den Erfolg der Initiative veranschaulichte. Die Europass-Dokumente werden von allen Interessengruppen genutzt und haben zahlreichen Menschen beim Arbeitsplatz- oder Wohnortwechsel geholfen (über 60 Prozent der Befragten gaben an, dass der Lebenslauf, der Sprachenpass und die Zeugniserläuterung hierbei eine wichtige Rolle spielten). Gleiches gilt für die Wahrnehmung von Lernangeboten, beispielsweise die Zulassung zu Bildungseinrichtungen (hier waren die Zeugniserläuterung für 46 Prozent der Nutzer, das Sprachenportfolio für 50 Prozent der Nutzer und in geringerem Maße auch die anderen Vorlagen hilfreich).

Zudem spielte der Europass auch bei der Mobilität innerhalb der nationalen Grenzen eine wichtige Rolle (40 Prozent der befragten Nutzer waren innerhalb ihres Landes mobil). In einigen Ländern sind die Dokumente inzwischen weit verbreitet, etwa in Italien und Spanien, wo eine überdurchschnittliche Nutzung des Lebenslaufs zu verzeichnen ist. In Frankreich wurde der EMD angepasst, damit Einzelpersonen ihn zur Erstellung eines Kompetenzprofils verwenden können.