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© Christian Lue – Unsplash

Brexit: EU-Jobber meiden Großbritannien

Die Zahl der EU-Bürger, die in Großbritannien nach Arbeit suchen, ist seit dem Brexit um mehr als ein Drittel gesunken. Das geht aus einer Studie der digitalen Jobvermittlung Indeed hervor. Danach beträgt das Minus 36 Prozent. Bei niedrig bezahlten Tätigkeiten in den Bereichen Gastronomie, Pflege und Einzelhandel sind es sogar 41 Prozent. Seit dem Brexit haben rund 1,3 Millionen ausländische Arbeitskräfte Großbritannien verlassen.

Strengere Regeln schrecken ab

Ursache sind strengere Regeln für die Beschäftigung von Ausländern in Großbritannien, weniger die Auswirkungen der Corona-Krise. Darauf deutet hin, dass sich der Rückgang der Arbeitsuchenden in anderen Ländern nicht so stark ausgewirkt hat. Die Klicks auf Stellenanzeigen aus Irland, dessen Bürger nach dem Brexit das Recht behalten, im Vereinigten Königreich zu leben und zu arbeiten, gingen um nur ein Prozent zurück.

Jobs nach Brexit

Die Zahl der EU-Jobber, die in Großbritannien arbeiten wollen, ist seit dem Brexit um mehr 36 Prozent gesunken.

Ausgerechnet in einer Zeit, in der britische Unternehmen Schwierigkeiten haben, Stellen mit einheimischen Bewerbern zu besetzen, trifft sie die Zurückhaltung von Bewerbern aus EU-Ländern hart. Vor allem in der Gastronomie und im Einzelhandel herrscht ein eklatanter Mangel an Arbeitskräften, nachdem sie nach dem vermutlichen Ende der Pandemie wieder öffnen dürfen.

Höhere Preise als direkte Folge des Brexit

Britische Wirtschaftsführer warnen bereits, dass ein Mangel an ausländischen Arbeitskräften die wirtschaftliche Erholung Großbritanniens nach Corona bremsen und zu höheren Preisen für Waren und Dienstleistungen führen könnte, da Personalmangel sie dazu zwinge, hohe Löhne anzubieten, um neue Mitarbeiter zu gewinnen.

Tim Martin, der den Brexit unterstützende Chef von JD Wetherspoon, einer Kette, die Pubs und Hotels betreibt, hat die Regierung aufgefordert, ein Visumsystem für EU-Beschäftigte einzuführen, um Kneipen und Restaurants bei der Rekrutierung von mehr Personal zu helfen. Das Interesse von Arbeitsuchenden aus Nicht-EU-Ländern, angeführt von Commonwealth-Staaten wie Indien und dem ehemaligen britischen Territorium Hongkong, sei zwar gestiegen, aber nicht ausreichend, um das sinkende EU-Interesse auszugleichen.

Brexit Niedriglohnsektor

Vor allem im Niedriglohnsektor macht sich die steigende Nachfrage nach Arbeitsplätzen bemerkbar.

Jack Kennedy, ein britischer Ökonom bei der Jobvermittlungs-Plattform Indeed, sagt, dass es bei höher bezahlten Jobs in den Bereichen Technik, Wissenschaft und Ingenieurwesen gelungen sei, das sinkende Interesse der EU-Arbeitssuchenden durch Mitarbeiter aus dem Rest der Welt auszugleichen. „Aber schlecht bezahlte Stellen erhalten von ausländischen Arbeitnehmern nicht mehr die gleiche Aufmerksamkeit wie noch vor zwei Jahren.“

Der Brexit hat Konsequenzen

Großbritannien steht nach dem Brexit isoliert da in Bezug auf europäische Wirtschafts-, Handels- und Reiseabkommen. Das Land ist nach seinem Austritt aus der Europäischen Union jetzt weder Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums noch der Europäischen Zollunion. Gleiches gilt für den Schengen-Raum, der größten visumfreien Zone der Welt. Das zeigt die Statista-Grafik auf Basis eigener Recherchen. Die Folgen sind für das Land jetzt schon spürbar. Unter anderem gibt es erhebliche Störungen im Warentransport von EU-Mitgliedsstaaten nach Großbritannien und umgekehrt. Viele britische Firmen müssen sich neu aufstellen oder das Geschäft über den Ärmelkanal ganz aufgeben. Die vielen kleinen Einbußen summieren sich zu einem volkswirtschaftlichen Schaden, der das Land laut der Bank of England langfristig vier Prozentpunkte Wachstum kosten könnte.

Ein von der British Foreign Policy Group – einem unabhängigen Think Tank – veröffentlichter Bericht hat ergeben, dass die Mehrheit der Menschen im Vereinigten Königreich über den Verlauf des Brexit unglücklich ist. Die Untersuchung ergab, dass die Befragten im Hinblick auf die künftige politische und wirtschaftliche Ausrichtung des Landes gespalten sind. 27 Prozent streben eine engere Beziehung zu Europa an, um der Europäischen Union später wieder beizutreten. 22 Prozent wünschen sich eine engere Beziehung, wollen aber außerhalb der EU bleiben und 12 Prozent geben an, dass das Land eine noch größere Unabhängigkeit von Europa anstreben sollte.

Brixit-Auswirkungen

Quelle: Pressetext.com