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Wirtschaft
© Suzy Hazelwood – Pexels

Diese Auswirkungen hat der Brexit auf die Wirtschaft

Der am 31. Januar 2020 offiziell vollzogene Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union wird sich in der Wirtschaft bemerkbar machen: 56 Prozent der Unternehmen in Europa und den USA sehen einen deutlichen Einfluss auf ihre Geschäftsentwicklung. Das ist das Ergebnis einer Befragung von AirPlus International.

Besonders kritisch sieht demnach die Wirtschaft in Italien den nahenden Brexit: Mehr als zwei Drittel der dort befragten Topmanager rechnen mit negativen Auswirkungen (69 Prozent), am wenigsten sind es in Deutschland, wo aber auch noch fast jeder Zweite Einbußen durch den Brexit erwartet (44 Prozent).

Wirtschaft rechnet mit weniger Geschäftsreisen

Den Unternehmen zufolge werde der Austritt aus der EU dadurch auch die Zahl der Geschäftsreisen schmälern: 57 Prozent der befragten Unternehmenslenker rechnen damit. Auch hier sind die italienischen Unternehmen am vorsichtigsten – fast drei Viertel erwarten Auswirkungen. 58 Prozent sind es in Frankreich, knapp die Hälfte in den USA und 42 Prozent in Deutschland.

Dabei dürfte neben der wirtschaftlichen Lage insgesamt auch die hohe Bedeutung des Vereinigten Königreichs für Geschäftsreisen selbst eine Rolle spielen. Nach Zahlen des AirPlus Business Travel Index ist UK beispielsweise für deutsche Geschäftsreisende das wichtigste Zielland bei den internationalen Geschäftsreisen. Von Januar bis November 2019 ging fast jede zehnte Reise aus Deutschland dorthin. Jeweils Rang vier sind es in Frankreich und Italien – und selbst für US-amerikanische Geschäftsreisende ist das Vereinigte Königreich mit einem Anteil von 7,2 Prozent das vierthäufigste Auslandsreiseziel.

Infografik: Kfz-Branche am stärksten von Brexit betroffen | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Von allen Wirtschaftszweigen in Deutschland wird die die Kfz-Branche am stärksten unter den Folgen des Brexits leiden. Das zeigt die Statista-Grafik auf Basis eines aktuellen Berichts des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. So sind im Bereich der Herstellung von Kraftfahrzeugen 4,2 Prozent der Arbeitsplätze in dieser Branche direkt von Exporten nach Großbritannien abhängig. Weitere 1,3 Prozent sind indirekt von Exporten nach UK abhängig. Weitere betroffene Branchen sind Metallerzeugung, die Herstellung von chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen und der Maschinenbau.

Die direkt abhängigen Arbeitsplätze sind unmittelbar mit Exporten ins Vereinigte Königreich verbunden. Bei den indirekt abhängigen Arbeitsplätzen besteht diese Verbindung zum Beispiel durch einen Auftraggeber, der seinerseits Produkte nach UK exportiert. Laut IAB waren im Jahr 2017 die meisten Arbeitsplätze, die mit Exporten in das Vereinigte Königreich verbunden sind, in den bevölkerungsreichsten Bundesländern zu verzeichnen: gut 90.000 in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Bayern mit rund 80.000 und Baden-Württemberg mit 70.000 Arbeitsplätzen.

Infografik: Der Preis der Unabhängigkeit | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Brexit-Kosten werden zum finanziellen Alptraum

Der Brexit ist einer Erhebung von Bloomberg Economics zufolge schon jetzt für das Vereinigte Königreich ein finanzieller Albtraum. Auf 203 Milliarden Pfund (bis Ende 2020) beziffern die Analysten den wirtschaftlichen Schaden in Folge des Austritts aus der Europäischen Union. Das entspricht fast den Beiträgen des Landes zum EU-Budget – wohlgemerkt den Beiträgen seit dem Jahr 1973.

Die Höhe dieser Zahlungen war ein wichtiges Argument für die Befürworter des Brexits. Und in diesem Vergleich sind nur die Einbußen des realen Bruttoinlandsprodukts berücksichtigt. Hinzu kommen beispielsweise noch die finanziellen Verpflichtungen gegenüber der EU in Höhe von rund 309 Milliarden Pfund. Der Preis der Unabhängigkeit, er ist wahrlich hoch.