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Arbeitsmobilität in der EU: Deutschland und UK beliebteste Zielländer

Bereits 2019, vor der Coronapandemie, hat die Arbeitsmobilität in der EU an Fahrt verloren. Die Dynamik beim Leben und Arbeiten im EU-Ausland hat weniger zugenommen als in den Vorjahren, trotzdem handelte es sich 2019 um einen Positivtrend. Das zeigt der aktuelle Bericht zur Arbeitsmobilität in der EU. Herausgeber ist die Europäische Kommission. Der kürzlich erschienene Bericht zeigt Trends bei der Freizügigkeit von Arbeitnehmern und ihren Familienangehörigen auf, basierend auf den neuesten verfügbaren Daten aus den Jahren 2019 und 2018. Im Jahr 2019 lebten 17,9 Millionen Europäerinnen und Europäer in einem anderen EU-Land, verglichen mit 17,6 Millionen im Vorjahr. Die Hauptzielländer für etwa die Hälfte der EU-Migranten im erwerbsfähigen Alter waren Deutschland (26 Prozent) und das Vereinigte Königreich (20 Prozent). Rumänien, Polen, Italien, Portugal und Bulgarien blieben die fünf wichtigsten Herkunftsländer. 

Arbeitsmobilität

Aus dem Arbeitsmobilitätsbericht der EU-Kommission

Die Länder, aus denen die meisten Staatsangehörigen abwanderten, waren Rumänien (163.000), Deutschland (161.000), das Vereinigte Königreich (110.000), Polen (106.000) und Italien (89.000). Rumänien und Polen verzeichneten bereits 2017 rückläufige Abflüsse im Vergleich zu 2016, und der weitere Rückgang im Jahr 2018 ist ein weiterer Indikator für das insgesamt verlangsamte Wachstum der Mobilität.

Deutschland beliebtes Zielland

In Deutschland lebten danach 3,3 Millionen Menschen aus anderen EU-Ländern. Auf Platz zwei liegt das Vereinigte Königreich (zur Zeit der Datenerhebung noch EU-Mitglied). In Spanien waren es 1,4 Millionen, in Italien 1,2 Millionen und in Frankreich 970.000. Luxemburg ist das Land mit dem höchsten Anteil von EU-Arbeitsmigranten im Verhältnis zur Bevölkerung (43,6 Prozent), gefolgt von Zypern (17,1 Prozent) und Irland, Österreich, Belgien und Malta (alle um oder knapp über 10 Prozent).

Deutschland war nach wie vor eines der Hauptzielländer und verzeichnete einen Zustrom von 299.800 EU-Migranten im Jahr 2018. Dennoch war dies gegenüber von 2017 ein Rückgang von 6 Prozent. Die Zuwanderung aus der EU-27 in das Vereinigte Königreich war weiterhin stark rückläufig (-14 Prozent). Ein Rückgang ist auch in Italien zu beobachten (-7 Prozent), während für Frankreich (3 Prozent) und Spanien (4 Prozent) Zuwächse verzeichnet werden. Die Nettomobilität blieb relativ konstant und sank um etwa 1 Prozent von 382.000 im Jahr 2017 auf 379.000 im Jahr 2018.

Die Beliebtheit Deutschlands, die die Kommission im Bereich Arbeitsmigration bescheinigt, deckt sich mit anderen Studien, über die Expat-News bereits berichtete. Doch diese Attraktivität scheint nicht daran zu liegen, dass Arbeitsmigranten der Start in Deutschland erleichtert würde. Das suggeriert eine Studie von eine Studie von InterNations aus dem Jahr 2019. Internationale Fachkräfte würden demnach in Deutschland oft vernachlässigt. Von ihren Arbeitgebern bekämen sie nicht genügend Unterstützung beim Umzug und der Eingewöhnung. In anderen Ländern dagegen, so der Bericht, profitierten internationale Mitarbeiter von praktischem und persönlichem Beistand. 

Arbeitsmobilität der Hochqualifizierten

Die wichtigsten Wirtschaftszweige in der EU-Arbeitsmigration waren 2019 das verarbeitende Gewerbe und der Groß- und Einzelhandel. Der Anteil der Hochqualifizierten, die in ein anderes EU-Land umziehen, hat im Laufe der Zeit zugenommen. 2019 war einer von drei (34 Prozent) der EU-Arbeitsmigranten hochqualifiziert, verglichen mit einem von vier im Jahr 2008. Die Hauptzielländer der Hochqualifizierten sind Deutschland, Spanien, Frankreich, Belgien und Österreich.

Eine stärkere Mobilität von Hochqualifizierten kann zur Entwicklung der wissensbasierten Wirtschaft beitragen und durch die Abstimmung von Qualifikationsangebot und -nachfrage sowohl für den Umziehenden als auch für das Aufnahmeland und das Herkunftsland von Vorteil sein.

Andererseits kann das Versäumnis, hochqualifizierte Migranten mit Arbeitsplätzen zusammenzubringen, die ihren Fähigkeiten entsprechen, bedeuten, dass Talente verschwendet werden, und ein zu großer Verlust an hochqualifizierten Arbeitskräften aus bestimmten Ländern kann die Entwicklung der wissensbasierten Wirtschaft dieser Länder behindern.

Arbeitsmobilität: Hochqualifizierte bilden immer größeren Anteil ab

Aus dem Arbeitsmobilitätsbericht der EU-Kommission

Betrachtet man die Altersgruppen der EU-Migranten, so zeigt der Bericht, dass sie am ehesten zu Beginn ihres Berufslebens umziehen. Von denjenigen, die unbedingt umziehen wollen, sind 75 Prozent unter 35 Jahre alt. Auch die Rückkehrmobilität ist von großer Bedeutung. Von drei Personen, die wegziehen, kehren zwei in ihr Herkunftsland zurück.

Ausblick: Arbeitsmobilität durch Corona stark eingeschränkt

Ein gänzlich anderes Bild dürfte der Bericht im kommenden Jahr zeigen. Denn der aktuelle Kommissionsbericht beruht auf Daten des vorletzten Jahres. Die Autoren konnten die Auswirkungen der Coronapandemie auf die EU-weite Mobilität also nicht berücksichtigen.  

Wenngleich nicht bei längeren Aufenthalten, wird doch zumindest bei kurzfristigen Reisen schon jetzt eines deutlich. Corona hat nicht nur die Anzahl an Reisen reduziert, sondern das Reisen an sich strukturell verändert. So hat die Lufthansa-Tochter AirPlus eine Auswertung veröffentlicht, nach welcher sich Dienstreisen 2020 wieder stärker zur Männerdomäne entwickelt hätten. Eine andere Entwicklung ist das verstärkte Auftreten von sogenannten sogenannten „Bleisure-Trips“. Hierbei werden „business“ und „pleasure“ kombiniert. Immer mehr Arbeitnehmer nutzen eine notwendige Geschäftsreise, auch um den „größeren“ Privaturlaub“ zu ersetzen.