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Halal-Logistik: Studie erforscht Potenzial
© Odua Images, AdobeStock

Halal-Logistik: Studie ermittelt Voraussetzungen und Potenzial

Ein aktuelles Forschungsprojekt der Frankfurt University of Applied Science zeigt die Voraussetzungen für Halal-Logistik auf. Dr. Yvonne Ziegler von der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) hat in ihrer Studie „Halal-Logistik in der Luftfracht“ untersucht, wie hoch der Bedarf an Halal-Produkten unter den rund fünf Millionen Muslima und Muslimen in Deutschland ist.

Die Globalisierung fordert neue Verfahrensweisen in der Logistik. So auch, wenn es um den Warenverkehr zwischen muslimischen und nicht-muslimischen Ländern geht. Der Grund liegt auch in der steigenden Nachfrage an Produkten, die als „halal“ gekennzeichnet sind. Halal bezeichnet Produkte, die den Prinzipien der islamischen Normen entsprechen. Die Professorin für Luftverkehrsmanagement untersuchte auch, wie die Hauptanforderungen an eine Halal-Luftfracht-Lieferkette aussehen. Um dem Standard zu genügen, müssen auch Herstellung und Lieferkette der Produkte halal sein. Die Anforderung gilt nicht nur für Lebensmittel, sondern etwa auch für Kosmetika und Pharmazeutika. Die Studie ist gemeinsam mit den Projektpartnern HALAL CONTROL GmbH sowie der Lufthansa Cargo AG entstanden. Das komplette Working Paper ist hier online verfügbar.

Die Halal-Logistik deckt viele verschiedene Produktbereiche ab

Vertrauen als Grundprinzip 

„Vertrauen ist eine Grundvoraussetzung für die Akzeptanz von Halal-Produkten beim Konsumenten. Der Verbraucherschutz und die Integrität in der Lieferkette sind daher ein Muss“, fasst Ziegler zusammen. Die Studie untersuchte zudem, inwieweit die Kunden bereit sind, für den Halal-Transportweg höhere Kosten zu bezahlen. Dazu führte sie eine Umfrage unter 772 Muslima und Muslimen in Deutschland durch. Fast alle der Befragten halten es für „sehr wichtig“ (88 Prozent) oder „einigermaßen wichtig“ (9 Prozent), Produkte zu konsumieren, die den Halal-Richtlinien entsprechen. Diese Entscheidung wird von dem Großteil der Befragten aus religiösen Motiven getroffen.

Ohne Berücksichtigung des Preises würden sich 94 Prozent der Befragten für Produkte mit dieser Zertifizierung entscheiden. Mehr als die Hälfte der Befragten (59 Prozent) wäre auch bereit, für diesen Standard einen finanziellen Aufschlag zu bezahlen. Knapp ein Drittel der Befragten würde einen Aufpreis ausschließlich für frische Halal-Produkte in Betracht ziehen. Die Bereitschaft, einen höheren Preis zu zahlen, ist dabei unabhängig von dem Einkommen der Befragten. Ungefähr 80 Prozent der teilnehmenden Muslima und Muslime wären bereit, für Halal-Produkte zwischen fünf Prozent und 20 Prozent mehr als für nicht Halal-Produkte auszugeben. Für die übrigen 20 Prozent der Befragten wäre sogar ein Plus von mindestens 50 Prozent akzeptabel.

Halal-Logistik: Für vertrauenswürdige Halal-Produkte wären viele bereit, einen Aufpreis zu zahlen

N = 628. Quelle: Ziegler, Yvonne et al.: „Halal-Logistik in der Luftfracht“.

Halal-Logistik birgt relativ unerforschtes Marktpotenzial

Das Forschungsprojekt ist zudem eine Analyse des Marktpotenzials für den weltweit noch unerforschten Bereich der Halal-Logistik in der Luftfracht, insbesondere am Flughafen Frankfurt. Die Studie ermittelte, welches Potenzial der Flughafen Frankfurt zum Hub für Halal-Produkte in Europa hat und welche Voraussetzungen hierfür gelten. Deutschland gehört weltweit zu den fünf größten Fleischexporteuren in islamische Länder. Im Jahr 2015 gingen von dort knapp 40.000 Tonnen Fleisch und Innereien via Luftfracht mit einem Wert von mehr als 3 Milliarden Euro in die zehn größten muslimischen Länder. Um die Bedürfnisse der importierenden und exportierenden Unternehmen in Deutschland zu untersuchen, wurden 20 von ihnen für das Forschungsprojekt befragt. Eine der Erkenntnisse aus der Studie ist, dass für eine Lieferkette nach Halal-Standard sämtliches Equipment und sämtliche Geräte auf dem Transportweg exklusiv für Halal-Produkte verwendet werden sollten.

Um die Halal-Produktintegrität nach den geltenden Halal-Normen über die gesamte Transportkette hinweg zu sichern, startete bereits 2010 ein internationaler Logistikstandard. Doch dieser kommt nur vereinzelt tatsächlich zum Einsatz. Zur Anwendung kommt er etwa in Malaysia oder bei dem weltweit ersten Halal-Luftfracht-Spediteur in Japan. Auch einzelne Häfen in Europa sind bereits zertifiziert, doch in der Luftfracht sieht Mahmoud Tatari, Geschäftsführer des Projektpartners HALAL CONTROL GmbH, großes Potenzial. „Verderbliche und wertvolle Lebensmittel müssen weiterhin per Luftfracht transportiert werden und dadurch könnten interessante Geschäftschancen für Flughäfen und Airlines entstehen, die Interesse haben, ihre Fertigkeiten auf Halal-Logistik auszuweiten“. Wenn die Vorschriften in der gesamten Lieferkette gelten sollen, bedeutet das, dass auch die Luftfracht-Logistik in Deutschland entsprechend neue Prozesse definieren und einführen müsste. Nur dann kann sie den internationalen Halal-Standards genügen.