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Lisa Leschhorn Van Life
Lisa Leschhorn (Foto: Silvio Schatz)

„Unser Van ist ein Lebensprojekt“

Durch die ganze Welt reisen mit dem eigenen Van und den Hund immer dabei haben? Für viele ist das ein Traum und Lisa Leschhorn lebt ihn. Zurzeit lebt sie mit Hündin Freya und frisch gebackenem Ehemann Silvo in Kanada. Im Interview erzählt sie, wie ihr Leben aussieht, was die Faszination Vanlife ausmacht und wie man mit einem Haustier auswandert.

Expat News: Eure aktuelle Basis ist Kanada. Warum habt ihr euch für dieses Land entschieden?

Lisa: Eigentlich wollten wir nach Australien auswandern, aber dort sind die Einreisebestimmungen für Hunde sehr restriktiv. So muss man etwa sechs Monate vorher Ausweise für den Hund buchen, man muss Bluttests machen und dann gibt es auch noch eine Quarantänepflicht für Hunde – trotz der Impfungen, zu denen man auch noch verpflichtet ist. Das wollten wir unserer geliebten Hündin Freya dann doch nicht alles zumuten.

Kanada war schon immer auf unserer Reiseliste und man lebt hier sehr entspannt. Wir planen hier mindestens fünf Jahre – vielleicht sogar zehn – zu bleiben. Dennoch geht uns Australien nicht so richtig aus dem Kopf. Silvio und ich sind 2015 nach erfolgreicher Beendigung unseren Ausbildungen als Hotelfachfrau und Silvio als Koch mit unserem ersparten Geld nach Australien gereist. Wir hatten nach ein paar Monaten des Reisens super Jobs auf einem abgelegenen Campingplatz ergattert. Silvio in der Küche und ich an der Rezeption, im Housekeeping und als Bedienung. Wenn wir an diese Zeit zurückdenken, kommen uns die Tränen und unsere Herzen werden ganz schwer. Manchmal vermisse ich das Outback, die gelassene Art der Australier und natürlich das warme Klima.

„In Kanada ist das Arbeiten viel entspannter als in Deutschland“

Expat News: War deine Berufswahl von der Leidenschaft fürs Reisen beeinflusst?

Lisa: Mir war es von Anfang an wichtig, viel zu reisen und auch im Ausland zu arbeiten. Meine Berufswahl und die Leidenschaft, zu reisen gingen gewissermaßen Hand in Hand. Als Hotelfachfrau bietet es sich natürlich an, in einem anderen Land Berufserfahrung zu sammeln und im Ausland verdient man in meinem Fach und in Silvios Profession als Koch sehr gut. Die deutsche Kochausbildung wird im Ausland extrem geschätzt – was das betrifft, ist Silvio ein echter Glückspilz.

Wir beide wollten allerdings nie in ein Kettenhotel gehen, sondern haben uns immer etwas exotischere Jobs gesucht, wie zum Beispiel der auf dem Campingplatz in Australien, wo Silvio mit Flip Flops und kurzer Hose in der Küche stand.

Hier bei uns in Kanada ist das Arbeiten viel entspannter als in Deutschland, wir haben insgesamt drei Tage frei und kurze Arbeitszeiten. Da bleibt viel Zeit für unsere Hobbies und unser Vanlife.

Mit Hund und Kegel unterwegs im Van

Das Auswanderer-Ehepaar Lisa Leschhorn und Silvio Schatz mit Hündin Freya

Expat News: War es schwierig, eine Aufenthaltsgenehmigung für Kanada zu bekommen?

Lisa: Wir hatten zunächst per Losverfahren ein Working-Holiday-Visum ergattert. Von diesen gibt es pro Jahr etwa 4.000 zu gewinnen. Dadurch konnten wir erst einmal ein Jahr in Kanada reisen und arbeiten. Das Visum an sich ist nicht schwer zu beantragen gewesen, jedoch haben es unsere vorherigen Aufenthalte in Australien und Neuseeland etwas komplizierter gemacht. Australische und neuseeländische Führungszeugnisse und Führerscheinchecks haben zusätzlich zu den deutschen beantragt werden müssen. Außerdem haben wir nach Berlin fliegen müssen, um dort unsere Fingerabdrücke für das kanadische Visum abzugeben. Nachdem das alles erledigt war, konnten wir erstmal durchatmen.

Inzwischen ist unser Working-Holiday-Visum ausgelaufen und wir bewerben uns auf ein Permanent Visum. Silvio wird von seinem Arbeitgeber gesponsert und ich komme dann als seine Ehefrau auf das Visum mit rauf. Sein Arbeitgeber hat dies alles organisiert und es ist leider eine recht kostspielige Angelegenheit.

„Kanadier sind super entspannt“

Expat News: Was muss man beachten, wenn man mit einem Haustier nach Kanada auswandert?

Lisa: Wir haben uns diesbezüglich zunächst auf den Regierungsseiten informiert und schnell festgestellt, dass es ist nicht so schwer ist, mit einem Haustier einzureisen, wenn man alles beachte. Aber man muss sich schon rechtzeitig informieren. Wir haben frühzeitig eine Hundebox für Freya besorgt, in der sie während des Fluges lag und dafür vorab viel mit ihr trainiert, damit sie sich an die Transportbox gewöhnen konnte. Für Kanada muss man außerdem zehn Tage vor Abflug zum Amtstierarzt, der dann schaut, ob der Hund flugfähig ist. Zudem muss man seinen Hund bei der Fluggesellschaft melden.

Wir hatten extra den kürzesten Flug von Frankfurt nach Halifax gewählt, der aber dennoch gut sieben Stunden dauerte. Es war sehr emotional für uns. Als wir Freya samt ihrer Box auf das Gepäckband hoben, war sie sehr verunsichert. Als sie uns nicht mehr sehen konnte, quiekte sie und ich musste heulen. Beim Einstieg haben wir uns dann bei einer freundlichen Stewardess nach Freya erkundigt und die sagte uns, dass Freya laut dem Piloten gut und sicher »verstaut« sei.

Kanadier lieben Hunde, allerdings darf man sie nicht in Restaurants mitnehmen, das ist in Deutschland überwiegend anders. Auch in Einkaufszentren oder öffentlichen Verkehrsmitteln dürfen Hunde leider nicht mitgenommen werden.

Expat News: Was ist eigentlich „typisch kanadisch“ und was schätzt ihr an der kanadischen Mentalität?

Lisa: Wir haben bis jetzt fast nur positive Erfahrungen mit den kanadischen Landsleuten gemacht. Kanadier sind sehr offen, superfreundlich, hilfsbereit und super entspannt. Wenn man hier mit Gummistiefeln, Holzfälleroutfit und Cowboyhut in den Supermarkt geht, dann interessiert das keinen. Das wäre in Deutschland wahrscheinlich nicht so. Kanadier sind auch sehr hilfsbereit und legen gerne direkt los. Nur leider sind sie nicht immer ganz so verbindlich und man muss öfter mal nachbohren, wenn sie einem versprochen haben, bei einer Sache zu helfen. Tatsächlich haben wir es auch schon erlebt, dass Zusagen nicht eingehalten wurden. Beispielsweise wollte uns ein kanadischer Freund einmal dabei helfen, ein Schuhregal in unserem Van einzubauen. Als daraus nichts wurde, haben wir es schließlich selbst gemacht.

Uns fällt es hier leicht, Freundschaften zu schließen, unser Van ist ein „eyecatcher“, so kommen wir schnell ins Gespräch. Wir haben auch Kontakte zu einigen deutschen Auswanderern geknüpft, denn bei uns im Ort leben extrem viel Deutsche. Normalerweise meiden wir solche Orte, an denen sich viele Deutsche aufhalten, weil wir das Leben der Einheimischen kennenlernen wollen, aber Silvio arbeitet in einem deutschen Restaurant und da hat es sich so ergeben. Die Deutschen hier sind super weltoffen und sehr nett. Vor vielen Jahren war unser Ort mal ein deutsches Dörfchen mit vielen deutschen Auswanderern. Es gibt hier sogar eine Waldorfschule und Direktflüge nach Frankfurt. Das ist praktisch und sehr schön, wenn man den Kontakt nach Hause halten will.

„Unabhängigkeit ist heutzutage besonders wichtig“

Expat News: Was macht den besonderen Reiz des #Vanlife aus, also des unabhängigen Reisens mit dem Wohnmobil?

Lisa: Vanlife ist vor allem spontan, man kann jederzeit loslegen und hat immer alles für einen Trip dabei. In der Regel bewegen wir uns fernab von Touristen, wir sparen uns Hotelkosten und sind einfach unabhängig von einer touristischen Infrastruktur. Unabhängigkeit ist meiner Meinung nach etwas sehr Wichtiges heutzutage. Ein „wunder Punkt“ beim Vanlife ist allerdings, dass man immer damit rechnen muss, dass Reparaturen anstehen oder irgendetwas am Fahrzeug kaputt geht.

In der atlantischen Region kann man fast überall mit seinem Van stehen, wo man will. Es gibt sogar eine App für Stellplätze für Vans. Da wir hauptsächlich in der Nebensaison reisen, sind wir darauf nicht angewiesen. Natürlich gibt es auch Orte, wo campen nicht erlaubt ist und Verbotsschilder darauf hinweisen.

Expat News: Wie war es, euch euer eigenes Wohnmobil umzubauen und vor allem, wie habt ihr euch das Know-how angeeignet?

Lisa: Wir hatten unseren Hingucker, ein alter Kastenwagen von 1981, auf einer Oldtimer-Messe, entdeckt und erworben. Nach unserer ersten großen Freude kamen dann schnell die Zweifel. Es war anfangs ein riesiger Schock, als wir mit dem Umbau anfingen, denn es war doch viel mehr zu machen, als gedacht. Als böse Überraschung entpuppte sich das Innenleben des Wohnmobils. Der hintere Teil des Vans hatte wohl mal einen Wasserschaden gehabt. Es müffelte und die Holzplatten waren feucht. Wir überlegten tatsächlich kurz, ob wir uns das wirklich antun wollen. Wir haben dann alles komplett einmal herausgerissen.

Lisas und Silvios Van

Lisas und Silvios Van (Baujahr 1981) vor dem Umbau (Foto: Silvio Schatz)

Mit viel zeitlichem Einsatz und der Unterstützung von Familie und Freunden, haben wir es schließlich geschafft, unseren Van rechtzeitig fertig zu bekommen. Teilweise haben wir 24 Stunden am Stück an ihm gebaut und gebastelt. Silvio und ich haben damals beide abwechselnd und in Teilzeit gearbeitet, so dass immer einer am Van schrauben konnte.

Wir kannten niemanden, der ein solches Projekt schon einmal umgesetzt hatte. Wir haben uns dann sehr viele Youtube-Videos angesehen, um uns das nötige Wissen anzueignen. Meine Eltern hatten schon immer ein fertiges Wohnmobil, mit dem wir als Familie viel verreist sind und so wussten wir zum Beispiel immerhin, wo was hingehört. Allerdings hatten wir auch besondere Vorstellungen bei unserem Van. Silvio wollte zum Beispiel schon immer schon ein festes Bett im hinteren Bereich des Fahrzeugs. Da muss man natürlich schauen, wie man das umsetzt

Wir hatten jedenfalls keinen Masterplan, sondern haben einfach angefangen und es hat sich eins zum anderen ergeben. Große Probleme machten uns der Rost am Van und die undichten Fenster. Vor allem letzteres musste einfach repariert werden, denn man braucht vernünftige Fenster, wenn man im Winter im kalten, nassen Kanada unterwegs ist.

Expat News: Wie habt ihr den Umbau finanziert?

Lisa: Die Finanzierung haben wir aus verschiedenen Quellen gestemmt: Die Kaufkosten haben alle unser Erspartes vom Neuseeland-Job in Anspruch genommen. Ersparnisse hatten wir vor allem deshalb, weil wir, haben immer an Orten gelebt habe, wo wir kein Geld ausgeben konnten. Für den Umbau haben wir große Teile unseres Einkommens aus den Teilzeitjobs in Deutschland abgezweigt und teilweise waren ein paar Investitionssummen die Weihnachtsgeschenke der Eltern an uns.

Ein Van ist ein Lebensprojekt und wir müssen immer wieder Geld investieren. Was uns noch fehlt ist eine Dusche im Van, aber das gestaltet sich nicht so einfach, weil wir warmes Wasser benötigen. Es wird nie langweilig, weil man immer wieder neue Ideen hat. Aber es macht auch viel Spaß und ist sehr erfüllend.

der Van nach dem Umbau

Der Van nach dem Umbau – Hündin Freya macht es sich gemütlich (Foto: Silvio Schatz)

Expat News: Ihr habt am 1. September geheiratet – wie war es, in Kanada den Bund fürs Leben zu schließen?

Lisa: Wir wollten nie eine große Hochzeitsfeier und immer schon nur zu zweit heiraten. Wir waren schon vier Jahre verlobt und die Familie wusste, dass wir nicht groß heiraten wollten. In Kanada ist es einfach, zu heiraten. Man kann zum Standesamt oder zu einem Anwalt gehen. Die Standesbeamten kommen auch überall hin. Das ist hier nicht so bürokratisch wie beispielsweise in Deutschland.  Wir haben uns unseren Lieblingspark als Ort für die Trauung ausgesucht.

Weil man in Kanada noch Trauzeugen braucht, haben wir meine Mitbewohnerin und ihren Freund gefragt, ob sie das übernehmen würden. Danach haben wir eine Woche Flitterwochen im Van verbracht und unsere Eltern per Postkarte über die Hochzeit informiert.

„Wenn man so lange auf Reisen ist, tut man sich schwer nach Deutschland zurückzukehren“

Unsere Familie ist an unser Nomadentum gewöhnt, wir sind seit fünf Jahren ständig unterwegs. Für sie ist Kanada als Aufenthaltsort wesentlich besser als Australien oder Neuseeland, weil es Direktflüge hierher gibt. Ab und zu habe auch ich mal Heimweh. Vor allem, wenn ich an Familienfeiern denke. Und Silvios Oma fällt es schwer, dass wir nicht in ihrer unmittelbaren Nähe sind. Aber sie ruft jeden Sonntag bei ihm an.

Wenn man so lange auf Reisen ist wie wir, tut man sich schwer, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Bisher sind wir immer unserem Herzen gefolgt und haben es nicht bereut.

Expat News: Im Oktober ist dein erstes Buch über eure Reisen und das Vanlife herausgekommen. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Lisa: Die Idee hatte ich schon immer in meinem Kopf, eben weil wir so viele interessante Dinge erleben. Vor unserer Kanadareise habe ich ein Magazin angeschrieben und geriet so an eine Journalistin, die mich fragte, warum wir nicht gleich ein ganzes Buch darüber schreiben würden. So wurde mir ein Floh in den Kopf gesetzt, den ich nicht mehr loswurde.

Da Silvio so toll fotografiert, mangelte es auch nicht an Bildern und schnell war dann ein Verlag sehr interessiert an dem Buchprojekt. Ich habe jeden Abend per Hand Reisetagebuch geschrieben und dann nach drei Monaten habe ich die ersten Geschichten zusammengefasst. Im März 2020 habe ich alles per Computer geschrieben. Der erste Corona-Lockdown hat dazu geführt, dass ich wirklich reichlich Zeit hatte, das Buch fertigzustellen.

Expat News: Du hast außerdem eine T-Shirt-Kollektion „Travel with Freya“ herausgebracht. Was ist das Besondere daran?

Lisa: Das machen wir mit Freunden, die Aloha Pirates  zusammen, denen eine Druckerei gehört und der Gedanke, ein gemeinsam ein T-Shirt herauszubringen, war schon immer präsent. Wir lieben die Natur, Freya und das Reisen und mit den T-Shirts unterstützen wir Projekte von anderen Vanlifern. Mit jedem gekauften Teil unterstützen wir das Barnabas Children Center, ein soziales Projekt von Social Traveling.

Expat News: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Lisa: Wir suchen gerade ein Grundstück, auf dem wir bauen könnten oder ein Häuschen. Wir wollen sesshaft werden. Tatsache ist, dass wir uns mindestens so lange in Kanada aufhalten müssen, bis wir das Visum haben und das kann bis zu zwei Jahre dauern.

Uns ist aber bewusst, dass das Leben hier nicht nur einfach ist, vor allem, wenn man eine Familie gründen möchte. Es dauert ewig, bis man Hausarzt- oder Kinderarztpraxis findet, die einen aufnimmt. Solange dies nicht der Fall ist, muss man bei einer Erkrankung immer in die Notaufnahme des Krankenhauses oder in eine sogenannte Walk-In-Klinik gehen. Für ein deutsches Paar mit einem Kind, das wir hier kennengelernt haben, war dies ein Grund dafür, wieder nach Deutschland zurückzukehren.

Wenn man dauerhaft oder längerfristig ins Ausland geht, ist eine gründliche Vorbereitung des Aufenthalts super wichtig – insbesondere, wenn andere involviert sind, die von einem abhängig sind, so wie in unserem Fall unsere Hündin Freya.

Über das Buch „Vier Pfoten und ein Van“ Freya, Freiheit, Abenteuer – Ein Hund wandert aus

Die sehr persönlichen Einblicke von Autorin Lisa Lesch sind ehrlich, lassen den Leser schmunzeln und geben vor allem einen authentischen Einblick in die Welt junger Weltreisender, die sich für eine Zeit dem Vanlife verschrieben haben. Beschrieben wird auch – in Worten und Bildern – wie das Paar den Van für die Reise umgebaut und wie sich das Dreiergespann auf das Abenteuer vorbereitet hat. Das Buch lebt vor allem von den Fotografien von Silvio Schatz, der Hündin Freya vor den schönsten Kulissen für die Ewigkeit festhält, welche die Natur Europas und Kanadas zu bieten hat.

192 Seiten, circa 168 Abbildungen, Format 16,8 x 24,1 cm Hardcover

ISBN: 978-3-7343-1273-1  19,99 Euro

Bruckmann Verlag

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