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Freiwilligendienste im Ausland – international im Ehrenamt

Bis zum 3. Mai 2021 können sich junge Menschen bei kulturweit für Freiwilligendienste im Ausland bewerben. Mit dem Projekt der Deutschen UNESCO-Kommission setzen sie sich für sechs oder zwölf Monate weltweit für Kultur, Natur und Bildung ein. Der Dienst beginnt am 1. März 2022, sofern zu diesem Zeitpunkt keine Reisebeschränkungen bestehen. Bewerbungen sind online auf www.kulturweit.de möglich.

Bestens abgesichert und gut informiert

An kulturweit können alle jungen Menschen zwischen 18 und 26 Jahren teilnehmen, die in Deutschland leben. Interessierte können sich bereits mit 17 Jahren bewerben. kulturweit-Freiwillige werden intensiv auf ihre Zeit im Ausland vorbereitet und finanziell unterstützt: mit Seminaren und einem Sprachkurs, mit Versicherungen, Reisegeld und Mietzuschuss.

Der Freiwilligendienst berät an jedem zweiten Dienstag live online zu seinen Angeboten. Zwischen 19:00 und 20:30 Uhr beantworten Expertinnen und ehemalige Freiwillige alle Fragen rund um das kulturweit-Jahr im Ausland, das nächste Mal am 30. März.

kulturweit ist ein Projekt der Deutschen UNESCO-Kommission, das Auswärtige Amt ist zentraler Förderer. Partner sind unter anderem der Deutsche Akademische Austauschdienst, das Goethe-Institut und die Deutsche Welle Akademie.

Zurzeit entsendet die Deutsche UNESCO-Kommission kulturweit-Freiwillige in ausgewählte europäische Staaten. Online-Seminare haben in der Corona-Krise die üblichen Präsenzseminare abgelöst. Die Freiwilligen lernen online, wie sie Schulen, Kultureinrichtungen und Naturerbestätten unter Pandemiebedingungen zu unterstützen.

In Zeiten der Corona-Pandemie läuft die gemeinsame Vorbereitung auf den kulturweit-Einsatz im Online-Format. Foto: © Deutsche UNESCO-Kommission / Till Budde

Freiwilligendienste im Ausland stellen Engagement in den Mittelpunkt

Kulturweit ist eines von vielen öffentlich geförderten Freiwilligendiensten, mit denen junge Erwachsene sich international engagieren können. Freiwilligendienste im Ausland sind, wie auch diejenigen im Inland, sehr beliebt, schließlich bieten sie gleich mehrere Vorteile:

Die Freiwilligen stärken ihre interkulturelle Kompetenz, sowohl in beruflicher wie auch in persönlicher Hinsicht. Sie engagieren sich mehrere Monate in einem Auslandsprojekt in einem für sie neuen Kulturkreis. Gerade die Dauer des Projektes macht dabei oft den Unterschied. Die jungen Menschen lernen den Alltag kennen, erleben durch persönliche Kontakte oder gar eine Gastfamilie die lokale Kultur unmittelbar. Und andersherum sieht mit der Zeit auch das soziale Umfeld die Freiwilligen immer weniger als fremde Gäste, und immer mehr als Teil der Gemeinschaft.

In dieser Hinsicht decken sich die Freiwilligendienste im Ausland mit anderen Möglichkeiten, in anderen Ländern zu arbeiten, etwa dem Dienst als Au-Pair oder Work and Travel. Allerdings haben Freiwilligendienste im Ausland ganz klar gemeinnützigen Bezug: Sie sind öffentlich gefördert und bilden eine Form eines Ehrenamts – je nach Programm erfolgt dieses Ehrenamt eben nicht in Deutschland, sondern im Gastland. Während beim Jobben im Ausland gemeinnütziges Engagement, Völkerverständigung und das Bewusstmachen globaler Zusammenhänge eher ein lohnenswerter, aber eben nicht zwingender Nebeneffekt sind, stehen diese Dinge bei internationalen Freiwilligendiensten bewusst im Mittelpunkt.

Unterstützung durch öffentliche Förderung und Trägerorganisation

Anders als etwa das privat organisierte Jobben im Ausland sind die Freiwilligendienste stärker formalisiert. Zum einen kann das einen erhöhten Organisationsaufwand bedeuten. Einen spontan gefundenen Job in Australien schon im nächsten Monat? So etwas ist mit Kulturweit, Weltwärts und Co nicht möglich. Doch der Vorteil der vielen Organisation: Die jungen Freiwilligen können sich auf ein starkes Netzwerk verlassen, das ihnen die Last der Organisation von den Schultern nimmt.

Während die Freiwilligendienste als solche unter der Schirmherrschaft der öffentlichen Hand stehen, übernehmen sogenannte Träger-Organisationen die Planung und Umsetzung der konkreten, einzelnen Projekte. Sie sind Ansprechpartnerinnen für die Freiwilligen, wenn es darum geht, eine Einsatzstelle zu finden, die Gastfamilie und die Unterkunft zu ermitteln oder die richtige Versicherung im Ausland zu ermitteln. Dementsprechend richten sich die Bewerbungen auch nicht direkt an die öffentlichen Schirmherren, sondern an die Träger. Dennoch sind die offiziellen Programm-Websites gute erste Anlaufstellen. Denn dort gibt es meist eine Übersicht der öffentlich anerkannten Träger.

Freiwilligendienste im Ausland zwischen Geld verdienen und Engagement

Wer sich ehrenamtlich in Deutschland organisiert, erhält möglicherweise eine monetäre Aufwandsentschädigung. Das ist bei Freiwilligendiensten im Ausland nicht anders. Der große Gewinn ist für die Freiwilligen damit nicht zu machen, schließlich steht das nicht im Mittelpunkt. Mitunter kann die Vergütung selbst sogar eine ungewollte kulturelle Herausforderung sein. So kann es durchaus vorkommen, dass das Programm einen Taschengeld-Satz zwingend vorschreibt, der zwar für deutsche Verhältnisse bescheiden ist, in den Augen der Gastfamilie aber überzogen wirken kann.

Staatliche Förderung bedeutet nicht, dass das Programm für die Freiwilligen kostenlos ist. Dennoch ist die finanzielle Entlastung enorm, wenn man bedenkt, welche Beträge eigentlich für Flug, Versicherung, Unterkunft, Vergütung und Verwaltung nötig sind. Auch den eigenen Geldanteil aufzutreiben, kann Teil der gemeinnützigen Arbeit sein. Weltwärts-Träger-Organisationen etwa betonen, dass der Eigenanteil möglichst nicht vom eigenen Ersparten, sondern aus Spendengeldern bezahlt werden sollte. Bereits das Spendensammeln soll die Gelegenheit bieten, über das Projekt zu erzählen und so das Konzept der Entwicklungszusammenarbeit zu vermitteln.

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Welche (öffentlich geförderten) Freiwilligendienste im Ausland gibt es noch?

Da Freiwilligenprogramme auf staatlicher, bilateraler, EU- und auch internationaler Ebene existieren, kann es schwierig sein, den Überblick zu behalten – alleine schon, wenn es nur um die Zahl öffentlich geförderter Projekte geht. Eine ganze Reihe privat organisierter Auslandseinsätze, etwa von Religionsgemeinschaften oder sozialen NGOs, kommt für junge Freiwillige vielleicht zusätzlich infrage.

Einen Überblick zu internationalen Freiwilligendiensten bietet das Jugend-Informationsnetzwerk Eurodesk. Orientierungshilfe bei der Recherche im Dschungel an Programmen und Projekten bietet auch der Wegweiser Freiwilligenarbeit. Der Gründer dieser Website, Frank Seidel, hatte Expat-News bereits im Interview einen Einblick in die Freiwilligenarbeit gegeben.

Bekannte Freiwilligendienste sind unter anderem:

Europäischer Freiwilligendienst (EFD)

Als Teil des Programms Erasmus+ handelt es sich beim Europäischen Freiwilligendienst vor allem um einen Dienst, dessen Grundlage das miteinander und voneinander Lernen bildet. Damit dieser kulturelle Austausch gelingt, halten sich Arbeiten und Lernen die Waage. Zwar wird die Teilnahme am EFD nicht als Praktikum anerkannt, allerdings als Wartezeit auf einen Studienplatz.

Der EFD ermöglicht Einsätze in allen Ländern Europas, einschließlich aller Nicht-EU-Mitgliedsstaaten wie Norwegen oder Türkei. Weitere, außereuropäische Projektländer sind etwa Albanien oder Marokko.

Teilnehmen können Menschen zwischen 17 und 30 Jahren. Die Projekte dauern meist zwei bis zwölf Monate, die Bewerbung sollte acht Monate vorher erfolgen.

IJFD

Das IJFD wird unterstützt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und ermöglicht Einsätze in den Bereichen Soziales, Ökologie, Kultur, Sport, Bildung und Denkmalpflege. Die Einsatzdauer im Ausland beträgt sechs bis 18 Monate, ein weltweiter Einsatz ist möglich.

Zwar ist eine Teilnahme am IJFD formell für Minderjährige möglich. Aber in der Praxis fokussieren sich die Träger-Organisationen auf junge Erwachsene. Höchstalter ist 26 Jahre.

FSJ im Ausland

Zwar gilt vielen das Freiwillige Soziale Jahr fast schon als Oberbegriff für Freiwilligendienste. Allerdings sinkt in den letzten Jahren die Bedeutung dieser Projekte. Laut Kulturweit legt der Geldgeber der Projekte, auch hier das BMFSFJ, den Fokus inzwischen mehr auf die Förderung des IJFD.

Die Teilnahme ist mit Erfüllung der Vollzeitschulpflicht möglich, also schon ab 15 Jahren – doch Auslandseinsätze sind erst ab 18 möglich. Höchstalter ist der 27. Geburtstag. Die Einsätze dauern sechs bis 18 Monate, in Ausnahmefällen gar zwei Jahre.

Weltwärts

Weltwärts ist etwas eindeutiger in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit angesiedelt und richtet sich bewusst an junge Menschen mit Interesse an anderen Kulturen. Teil des Weltwärts-Programms ist eine umfangreiche Vor- und Nachbereitung, die Konzepte der Entwicklungszusammenarbeit, aber auch interkulturelle Kompetenzen vermittelt. Die Teilnehmenden sollten vor Abreise auch Grundkenntnisse der Landessprache aufbauen.

Die Kosten trägt zu 75 Prozent das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die restlichen 25 Prozent finanziert der Träger gemeinsam mit den Freiwilligen. Diese sollten sich hierzu einen Unterstützungskreis aufbauen – wobei das Fundraising selbst schon die Gelegenheit bietet, den Menschen im eigenen Umfeld Entwicklungspolitik näher zu bringen. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre, die Projekte dauern zwischen sechs und 24 Monaten (meistens aber ein Jahr).

Anderer Dienst im Ausland (ADiA)

Völkerverständigung bildet den Mittelpunkt des ADiA. Der Dienst entstand in den 1970er Jahren als Projekt der Wiedergutmachung für die ehemals verfeindeten Staaten des Zweiten Weltkriegs. Durch diese Tradition bietet der ADiA Projekte in mehreren Partnerländern auf allen Kontinenten an. Die Freiwilligen erhalten hier keine Vergütung, maximal ein kleines Taschengeld. Mehr Infos zu ADiA gibt es auf der Webseite BMFSFJ.