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Volunteer-Arbeit am Strand
© Brian Yurasits – Unsplash

Volunteer-Arbeit wenig durch „Greta“-Effekt beeinflusst

Durch die Protest-Bewegung „Fridays for Future“ wird das Reiseverhalten von Freiwilligen nur wenig beeinflusst. Dennoch erfreut sich die Volunteer-Arbeit in Europa zunehmender Beliebtheit.
Klimawandel, CO2-Ausstoß und die Protest-Bewegung „Fridays for Future“ prägen das Reiseverhalten in der Volunteer-Arbeit derzeit eher gering. Denn 66 Prozent gaben in der neuen Umfrage Freiwilligenarbeit 2019 an, sie würden sich nicht für eine kürzere Anreise innerhalb Europas entscheiden, um den CO2-Ausstoß aktiv zu reduzieren. Das machen die Ergebnisse der Umfrage von Freiwilligenarbeit.de, der Fach- und Informationsplattform für Freiwilligenarbeit und Volunteering im Ausland, deutlich. An der Online-Umfrage nahmen 2019 von August bis Oktober 1.436 Personen teil.

Afrika und Europa sind gleichermaßen beliebt – Europa hat bei Volunteer-Arbeit aufgeholt

Länder in Afrika und Europa sind mit gleicher Ausprägung die zwei Top-Destinationen für Volunteer-Arbeit. 20,4 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben an, sich in einem afrikanischen Land engagieren zu wollen, und fast genauso viele (20,3 Prozent) wollten in ein europäisches Land wie Griechenland, Portugal oder Rumänien. Verglichen mit den Angaben aus der Umfrage 2016 ist eine Trendwende erkennbar. „Der Wunsch, in Europa Freiwilligenarbeit zu leisten, hat sich in zwei Jahren von 10 auf 20 Prozent verdoppelt,“ merkt Christian Wack, Head of Volunteering, Freiwilligenarbeit.de an. Das Meinungsbild hat sich verändert: Denn im Jahr 2016 zählten noch die Kontinente Afrika, Nordamerika und Ozeanien zu den beliebtesten Regionen.

Auf den ersten Blick könnte hier ein Widerspruch bestehen. Warum wollen Volunteers jetzt vermehrt in Europa Freiwilligenarbeit leisten, wenn sie zugleich mehrheitlich ablehnen, durch ein näheres Reiseziel den CO2-Ausstoß zu reduzieren?

Bewusstsein für Nachhaltigkeit – nicht nur durch „Greta“-Effekt

„Wir glauben, dass die geäußerten Meinungen für Volunteering in Europa nicht allein dem ‚Greta-Effekt‘ geschuldet sind. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass mittlerweile Volunteers immer seltener ihre Länderwahl nur mit einem hohen Erlebnis- oder Exotikwert verbinden“, erklärt Wack. „Vielmehr achten sie auf die Nachhaltigkeit bei Hilfsprojekten und darauf, dass vor Ort ein großer Bedarf an freiwilliger Hilfe besteht.“ Das treffe für Europa und Afrika gleichermaßen zu.

Die Umfrage 2019 zeigt zudem im Vergleich zu den Zahlen aus 2016: Heute wollen weniger Freiwillige in die wohlhabenden Industrienationen wie Kanada, Australien oder Neuseeland. Schon aus dem Grund ist nach Wacks Meinung das Interesse an sozialen Freiwilligenprojekten in Europa deutlich gestiegen, um sich beispielsweise in Rumänien oder Griechenland im Tierschutz oder in der Hilfe für Flüchtlinge zur engagieren. Zur Sensibilisierung für die Not in Europa könnten auch die Berichterstattungen in den Medien beigetragen haben. Hinzu kommt, dass fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer auf Volunteer-Arbeit auf weit entfernten Kontinenten verzichten würden. Aber nur dann, wenn es innerhalb Europas bessere Projektmöglichkeiten gäbe.

Auslandsorganisationen sollen Projekte im Klimaschutz anbieten

„Die Diskussion rund um den Klimawandel geht aber nicht spurlos an den Volunteers vorbei“, meint Christian Wack. Das zeigt die Umfrage 2019. Denn rund 65 Prozent der angehenden Volunteers war es „sehr wichtig“ (20 Prozent) oder „wichtig“ (46 Prozent), selbst aktiv an Klimaschutzprojekten im Ausland teilzunehmen. Weniger als ein Viertel der Befragten meinte, das sei ihnen „weniger wichtig“. Nur rund vier Prozent gaben an, die Klimaproblematik sei ihnen „gar nicht wichtig“ und rund 7 Prozent hatten keine Meinung. Befragt, wie wesentlich es sei, dass die Freiwilligenorganisation im Ausland sich für den Klimaschutz einsetze, war das Meinungsbild ähnlich. 29 Prozent meinten, es sei „sehr wichtig“ und 51 Prozent antworteten mit „wichtig“. Nur zwei Prozent fanden es „gar nicht wichtig“, ob sich die Auslandsorganisation um den Klimawandel kümmere.

Freiwillige wollen vor allem im Tier- und Umweltschutz Volunteer-Arbeit leisten

Neben dem Schwerpunkt, ob und wie der Klimawandel die Volunteer-Arbeit beeinflusst, brachte die Umfrage 2019 weitere Ergebnisse. Fast die Hälfte der Befragten entschied sich bei der Frage, in welchem Bereich sie als Volunteer tätig sein möchten, für Projekte im Tier- und Umweltschutz, u.a. Meeres- und Klimaschutz, oder Wildlife. Auch wollten sie sich in Bereichen wie Kinderbetreuung und Hilfe im Unterricht engagieren (14 Prozent). Eine Arbeit im Handwerk kam nur für sehr wenige in Frage.

Auch die Frage nach der geplanten Dauer des Einsatzes wurde abgefragt. Die meisten angehenden Freiwilligen möchte sich zwischen einem bis sechs Monate im Ausland engagieren. 32 Prozent wollten ein bis drei Monate, 26 Prozent vier bis sechs Monate zur Freiwilligenarbeit. Für 16 Prozent kam sogar ein ganzes Jahr im Ausland in Frage.

Immer mehr Berufstätige möchten eine nachhaltige Auszeit als Sabbatical angehen

Mit rund 44 Prozent sind es vor allem junge Leute nach dem Abitur, die Freiwilligenarbeit im Ausland machen möchten. Während des Studiums interessieren sich nur fünf Prozent für eine solche Auslandszeit. Neu ist der Trend, dass immer mehr bereits Berufstätige ins Ausland gehen möchten, um sich dort für eine gute Sache einzusetzen und gleichzeitig Land und Leute kennenzulernen. Etwas über 22 Prozent der Umfrageteilnehmer sagten, dass sie während ihrer Berufstätigkeit eine solche freiwillige Auszeit mit nachhaltigen Aufgaben nehmen wollen.

Über die Umfrage Freiwilligenarbeit: 300 freie Antworten und Kommentare

Die Befragung hatte das Ziel, aussagekräftige Daten über die Einstellungen von Volunteers zu erheben, die im Ausland Freiwilligenarbeit leisten. An der Umfrage nahmen 1.436 Personen in der Zeit von Mitte August bis Ende Oktober teil. Der Altersdurchschnitt der Befragten lag bei 25 Jahren. Über ein Drittel der Befragten war im Alter von 18 bis 21 Jahren, 26 Prozent waren unter 18 Jahre. Mit 20 Prozent waren bei dieser Umfrage über 30-Jährige stärker vertreten als im Jahr 2016.

„Wir danken der großen Zahl der aktiven Umfrageteilnehmer. Denn die Befragten haben sich bemerkenswerte Mühe geben. Sie fanden offensichtlich das Thema Volunteer-Arbeit für sich als persönlich sehr relevant“, sagt Wack. So schrieben sie in über 300 freien Antworten und Kommentaren ihre Meinungen, Anliegen und Wünsche zum Thema Freiwilligenarbeit auf.

Wie bei der Umfrage 2016 waren auch jetzt fast 80 Prozent der Antwortenden weiblich. Obwohl es immer mehr junge Männer ins Ausland zieht, sind es immer noch mehr Mädchen und Frauen, die Freiwilligenarbeit im Ausland leisten.