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Titelbild: © WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

Als Expat in interkulturellen Teams: Wichtige Grundlagen

International tätige Unternehmen haben zum Ziel, dass ihre entsandten Mitarbeiter im Ausland für sie erfolgreich sind. Um diese Erwartungen zu erfüllen, müssen Expats (so der gängige Begriff für entsandte Personen) nicht nur die fachliche Qualifikation vorweisen können, sondern auch die soziale Kompetenz. Im Klartext bedeutet dies, dass sie sich auch in interkulturellen Teams integrieren müssen.

Welche Herausforderungen dies jedoch im Alltag mit sich bringt und warum, die Eingliederung oft nicht sofort gelingt, beschreibt Uwe Scharunge, Spezialist für internationales Interimsmanagement, im Interview: „Die Basis für Konflikte besteht in der Tatsache, dass jeder einzelne aus seiner eigenen Welt, seinem persönlichen Kulturkreis kommt. Überall existieren unterschiedliche Gewohnheiten im persönlichen, aber auch im Arbeitsalltag. In manchen Ländern herrscht innerhalb eines Unternehmens ein hierarchischer Stil, in anderen wiederum ein kreativer Freiraum. In kulturell gemischten Teams prallen somit unterschiedliche Führungsstile aufeinander. Die wichtigste Regel lautet deshalb: Es geht nicht nur darum, was wir tun, sondern auch wie wir etwas tun.“

Interkulturelle Teamkompetenz eine der Grundvoraussetzungen für Geschäftserfolg

Expats im Ausland leben nun mal in keiner Blase, sondern interagieren täglich mit den dortigen Kollegen und Vorgesetzten. Es sollte jedoch vermieden werden, dass Konflikte die Arbeit des Expatriates negativ beeinflussen. Wenn sich etwa ein deutscher Projektleiter in Indien fragt, weshalb sein Team einfach nicht weiterarbeitet, wenn eine maschinelle Anlage kaputt ist und ihn darüber nicht informiert, entstehen leicht Frustrationen.

Vor allem im Geschäftsleben gibt es etliche ungeschriebene Gesetze, die man kennen und vor allem vor dem kulturellen Hintergrund des jeweiligen Gastlandes verstehen sollte. Dabei geht es weniger um die typischen Ratschläge dazu, wie Visitenkarten in Japan übergeben werden sollten. Vielmehr geht es um einzelne Aspekte der Teamzusammenarbeit. Wer muss wann mit welchen Details informiert werden, wie viel Eigenverantwortung und Eigeninitiative kann man vom einzelnen Teammitglied erwarten, auf welche Art und Weise können beziehungsweise dürfen Probleme angesprochen werden? Wann kann eine persönliche Atmosphäre bei einem wichtigen Geschäftsabschluss helfen?

Eigene kulturelle Standards kennen, hilft in interkulturellen Teams

Dabei spielt das Wissen über die eigenen kulturellen Werte und deutsche Kulturstandards eine immens große Rolle. Den Grund kennt Constance Grunewald-Petschke, Inhaberin der Agentur Abroad: „Zu Beginn einer Auslanderfahrung oder wenn man über keine oder wenig interkulturelle Erfahrung verfügt, ist die eigene Kultur der einzige Bezugspunkt und Bewertungsmaßstab, der einem zur Verfügung steht. Deshalb betrachten wir in einem neuen Umfeld die Dinge naturgemäß zunächst auf der Basis uns bekannter Werte und Normen.“

Wie sich interkulturelle Kompetenz zusammensetzt, zeigt folgende Grafik:

Interkulturelle Kompetenz_Web_in interkulturellen Teams

Grafik: frei nach Geert Hofstede

Deshalb sei es wichtig, sich zunächst einmal selbst zurückzunehmen und Situationen im Team zu beobachten. Reflexion über eigene Werte und Verhaltenstendenzen heißt die Devise. Denn was für uns völlig normal und selbstverständlich erscheint, ist es im interkulturellen Team oft absolut nicht. Einer der weltweit eklatantesten und grundlegendsten Unterschiede innerhalb der zwischenmenschlichen Beziehung besteht zwischen der sachlichen und der persönlichen Herangehensweise. Beispielsweise gilt die deutsche als sachorientierte Kultur, was im Rahmen der Kommunikation mit anderen eine gewisse Distanz und das Heraushalten von privaten Informationen im beruflichen Kontext zur Folge hat. Hingegen sind vor allem südländische und asiatische Kulturen als beziehungsorientiert bekannt. Dort steht das Persönliche, Private im Vordergrund – und zwar auch im Geschäftsleben.

Verbesserung der allgemeinen Teamkultur bereitet auf Auslandsaufenthalt vor

Ein allgemeines Beispiel: Mit der bei uns oft angewandten direkten Kommunikation stößt man im Joballtag in Südamerika sehr oft an Grenzen, erzeugt Unverständnis und wirkt sogar rüde und dominant. Dabei geht es den Deutschen in der Regel nur darum, klar ihre Wünsche und Bedürfnisse aussprechen und nicht die Zeit des Gegenübers verschwenden. Diese Verhaltensweisen lassen sich grundsätzlich auf interkulturell gemischte Teams übertragen und bei entsprechender Kenntnis können sie die Zusammenarbeit der einzelnen Mitarbeiter erheblich verbessern. Wie sich dadurch die Teamkultur innerhalb eines Unternehmens signifikant verbessern lässt, zeigt dieser Beitrag von Initio Organisationsberatung.

Auf Basis dieser Erkenntnisse können Expats mit kritischen Situationen in Teams professioneller umgehen. Zum Abschluss noch ein paar länderspezifische Tipps:

Vietnam

Besprechungen werden dort selten in Dialogform geführt. Stattdessen sind Präsentationen üblich. Wer währenddessen Notizen macht, punktet als besonders interessierter Mitarbeiter bei den Vietnamesen.

Indonesien

Dort hat ein harmonisches Miteinander einen hohen Stellenwert. Eigeninitiative, konstruktive Kritik oder Verbesserungsvorschläge in indonesischen Teams weitgehend unbekannt. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass Probleme direkt benannt werden.

Japan

In Besprechungen sollte man niemals mit der Tür ins Haus fallen. Auch bei geschäftlichen Meetings ist viel Smalltalk an der Tagesordnung. Dieser dient dem Beziehungsaufbau. Die Aussage, über ein Angebot nachdenken zu wollen, bedeutet praktische eine direkte Absage. Ein direktes Nein gilt als unhöflich.

Mexiko

Dort geht fast alles über persönliche Beziehungen, deshalb sollte man einen freundschaftlichen Kontakt zu den Kollegen aufbauen. Es ist also ratsam, ausgedehnt über Privates zu reden: zum Beispiel über Ehepartner, Kinder und Hobbies.

Brasilien

Brasilianer legen großen Wert auf die richtige Anrede. So lautet beispielsweise die typische Anrede im geschäftlichen Kontext „senhor/a“ oder „dona“ plus Vornamen. Kennen sich die Teammitglieder etwas besser, können sie zur Anrede „você“ übergehen. Dies kommt dem deutschen „Du“ recht nahe, ist aber eine Mischung aus „Sie“ und „Du“.

USA

Ungeachtet der Hierarchie in einem Team sollten alle Mitglieder mit der gleichen ausgesuchten Höflichkeit und mit großem Respekt behandelt werden. Soziales Geschick –also eine gute Mischung aus Persönlichkeit und Kompetenz – spielt im Geschäftsleben eine überdurchschnittliche Rolle.

Südafrika

Ähnlich wie bei den Briten gilt auch in der südafrikanischen Arbeitswelt, das Privatleben herauszuhalten. Lautes Reden kommt ebenfalls nicht sonderlich gut an.

Frankreich

Direkte Äußerung von Kritik und ein deutliches Nein auf Fragen oder Vorschläge kommen in Frankreich gar nicht gut an. Als Deutscher sollte man sich etwas vom französischen Charme abgucken und Negatives sanfter kommunizieren.

Großbritannien

Dort sollte man wiederum niemals zu persönlich sein und auf keinen Fall zu viel Privates preisgeben, geschweige denn, sein gegenüber mit intimen Fragen behelligen. Understatement ist oberstes Gebot.

Italien

Auch wenn es die Italiener mit Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nicht besonders genau nehmen, setzen sie genau diese Eigenschaften bei deutschen Mitarbeitern zwingend voraus. Wichtig: Ältere Teammitglieder sollten besonders zuvorkommend behandelt werden.