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Personalmangel
© Drazen, AdobeStock

USA: Mit Gesundheitsthemen gegen Personalmangel

Seit Beginn der Pandemie sind die USA von einer großen Kündigungswelle betroffen. Unternehmen denken daher zunehmend um und versuchen unter anderem, den Gesundheitsschutz von Mitarbeitenden zu verbessern. Dazu gehört etwa die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

In den USA kündigen laut U.S.Bureau of Labor Statistics jeden Monat über vier Millionen Menschen ihren Job. Das sind außergewöhnlich viele, wie der Blick auf die letzten 20 Jahre zeigt. Das Great Resignation genannte Phänomen gibt es bereits seit dem Sommer 2021. Den bisherigen Höhepunkt erreichte die Kündigungswelle im November 2021 mit 4,5 Millionen Kündigungen. Einer der Hauptgründe für diese Entwicklung scheint zu sein, dass viele Arbeitnehmende nicht mehr bereit sind, sich mit den Arbeitsbedingungen abzufinden, die sie vor der Pandemie noch akzeptiert haben.

Gehalt bei Krankheit auch unternehmerisch sinnvoll

Von Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, wie sie in den USA nicht üblich ist, könnten laut dem Aging Studies Institute und Center for Aging and Policy Studies des Department of Sociology an der Syracuse University beide, Arbeitnehmende und Arbeitgebende, profitieren. Laut Forschungsleiterin Jennifer Karas Montez würden Gesetze, die Arbeitgebende dazu verpflichten, bezahlten Krankheitsurlaub zu gewähren, die Sterblichkeit durch Suizid und Mord sowie alkoholbedingte Leiden bei Arbeitnehmenden reduzieren.

7,5 Prozent weniger Tote

Die Ergebnisse der Analyse zeigen auch, dass staatliche Gesetze, die lokale Regierungen daran hindern, solche Mandate zu erlassen, wahrscheinlich zum jüngsten Anstieg der Sterblichkeit bei berufstätigen Erwachsenen beigetragen haben. Von 2010 bis 2017 gab es demnach ein Plus von sechs Prozent. Die Studie hat Daten aus dem „National Vital Statistics System“ des US Center for Disease Control and Prevention über Todesfälle bei Erwachsenen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren in den Jahren 1999 bis 2019 untersucht. Die Forschenden haben statistische Analysen verwendet, um Zusammenhänge zwischen diesen Todeszahlen und dem Mindestlohnniveau sowie bezahlten Krankheitsurlaub zu ermitteln.

Danach ist jede weitere Stunde vorgeschriebener bezahlter Krankheitstage mit einer signifikanten Verringerung der Sterblichkeit aufgrund von Suizid und Mord bei Männern sowie bei Tötungsdelikten und alkoholbedingten Todesfällen bei Frauen verbunden. Die Forschenden haben berechnet, dass die Sterblichkeit bei Erwerbstätigen in den Bezirken Orange County in Florida und Bexar, Dallas und Travis Counties in Texas – die versuchten, bezahlten Krankheitsurlaub vorzuschreiben – um 7,5 Prozent niedriger gewesen wäre, wenn die Initiative Erfolg gehabt hätte.

Kranke gefährden Gesunde

Die USA sind eines der wenigen entwickelten Länder, die keine nationale Politik des bezahlten Krankheitsurlaubs hat und Millionen von Arbeitnehmenden dazu zwingt, sich zu entscheiden, ob sie arbeiten gehen wollen, obwohl sie krank sind, oder ohne Bezahlung zu Hause bleiben und Gefahr laufen, entlassen zu werden. Die Studie zeigt, dass das Fehlen einer Regelung zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bereits vor der COVID-19-Pandemie zu beunruhigenden steigenden Mortalitätstrends bei Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter beigetragen hat. Die Wahrscheinlichkeit von Suizid, Drogenkonsum und riskanten Verhaltensweisen nimmt damit zu und gefährdet auch gesunde Mitarbeiter durch Exposition gegenüber kranker Kolleginnen und Kollegen.

Verzicht auf Impfpflicht

In eine andere Richtung geht die Praxis vieler US-amerikanischer Firmen, um Mitarbeitende von der Kündigung abzuhalten, indem auf eine Impfpflicht verzichtet wird. So hat etwa eine Umfrage der Unternehmensberatung PWC ergeben, dass 56 Prozent der Arbeitgeber in den USA auf die Impfpflicht verzichten, um qualifizierte Mitarbeitende zu halten und neue anzuwerben.

In dem Bemühen, Bindung und Gewinnung von Talenten in einem sich verändernden Arbeitsmarkt in Einklang zu bringen, sagen 70 Prozent, dass sie die Möglichkeiten erweitern, im Homeoffice zu arbeiten. Andererseits geben 61 Prozent an, dass sie von ihren Mitarbeitern verlangen, häufiger physisch vor Ort zu sein. 64 Prozent sagen, dass sie die Vergütung für bestehende Mitarbeiter erhöhen; 63 Prozent, dass sie Prozesse ändern, um den Arbeitskräftemangel zu beheben. 62 Prozent wollen zum Erhalt der psychischen Gesundheit ihrer Mitarbeiter verstärkt beitragen.