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US-Firmen
© SeanPavonePhoto - AdobeStock

US-Firmen verlagern Produktion an die Küste

Sieben von zehn US-Firmen wollen ihre Produktionsstätten näher an die amerikanische Küste verlegen. Dies hat eine Analyse des Technologie-Unternehmens ABB  auf Gundlage einer Umfrage unter 1.610 Führungskräften in den USA und Europa. Der Trend folgt wachsendem ökonomischen Druck von Pandemie, Krieg, geopolitischen Konflikten, Rohstoffknappheit und Handelsproblemen.

Höherer Bedarf an Ausfallsicherheit

Eine Verlagerung der Produktion in die Nähe der eigenen Küste würde laut ABB helfen, den wirtschaftlichen Druck zu bewältigen. Konkret hat ABB festgestellt, dass 70 Prozent der US-Unternehmen Veränderungen in ihren Betrieben planen – wobei 37 Prozent vorhaben, die Produktion in ihr Heimatland zurückzuholen und 33 Prozent ihre Betriebe an einen näher gelegenen Standort verlagern wollen.

Erhöhter Bedarf an Flexibilität und Ausfallsicherheit in der Produktion treibt Unternehmen zum Reshoring beziehungsweise Nearshoring, so Sami Atiya, Präsident des Geschäftsbereichs Robotik und Automation bei ABB. Dieselbe Kraft treibe die Nachfrage nach einer verstärkten Automatisierung an, da die Robotik den Schritt zur Bewältigung von Problemen in der Lieferkette, wie weit verbreitetem Arbeitskräftemangel und alternder Belegschaft, erleichtern kann.

„Unternehmen reagieren auf beispiellose Unterbrechungen der Lieferkette, indem sie Maßnahmen ergreifen, um ihre Abläufe widerstandsfähiger und anpassungsfähiger zu machen“, so Atiya. „Während Investitionen in die Automatisierung eine Schlüsselrolle bei der Flexibilität der Abläufe spielen, sind Investitionen in Bildung, Berufsausbildung und Lehrlingsprogramme ebenso wichtig, um sicherere und besser bezahlte Arbeitsplätze für amerikanische Arbeitnehmer zu schaffen.“

Mehr Automatisierung in Europa

Laut der ABB-Umfrage ist die Investitionsrate in die Automatisierung in Europa weiterhin höher: 74 Prozent der europäischen Unternehmen wollen in den nächsten drei Jahren in Robotik und Automatisierung investieren – im Vergleich zu 62 Prozent in den USA. „Robotik und Automatisierung schaffen Arbeitsplätze und erfordern neue Arbeitsweisen mit neuen Qualifikationen. Wir arbeiten mit der US-Regierung zusammen, um Erfahrungen von ABB in den USA und anderen Ländern, in denen wir tätig sind, darüber auszutauschen, wie wir die Ausbildung im Bereich Robotik und Automatisierung, die Berufsausbildung und die Lehrlingsausbildung beschleunigen“, sagt Atiya.

Starken wirtschaftlichen Druck bekommen US-Unternehmen in diesem Jahr besonders zu spüren. Bereits im Frühjahr hatten zahlreiche KMU und Konzerne auf eine bis zu 8,5 Prozent gestiegene Inflation mit Preiserhöhungen reagiert.

US-Firmen machen die meisten börsennotierten Unternehmen weltweit aus

1.068 nicht börsennotierte Unternehmen werden laut CB Insights aktuell mit einer Milliarde US-Dollar oder mehr bewertet. Allein 2021 wurden 519 dieser sogenannten Einhörner (englisch: Unicorns) „geboren“. Die 1.000er-Marke übersprang die Herde Anfang des laufenden Jahres. Über die Hälfte der Unternehmen kommen aus den USA. Weitere 180 sind in China (inklusive Hongkong) beheimatet.

Deutschland liegt im internationalen Einhorn-Ranking mit 26 Vertretern auf dem fünften Platz. Davon wird derzeit das Softwareunternehmen Celonis (11 Milliarden US-Dollar) aus München am höchsten bewertet, gefolgt von der Berliner Direktbank N26 und Personio (Software für HR Management und Recruiting), das ebenfalls in der bayerischen Landeshauptstadt beheimatet ist. Einhörner kommen mittlerweile auf allen Kontinenten, indes zeigt der Blick auf die Karte, dass ihre Population in Südamerika und Afrika vergleichsweise klein ist.

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