Entfuehrungsrisiko von Expats
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Neue Weltkarte zeigt Entführungsrisiko für Expats

Eine neue Übersicht – die Kidnap Risk Map –  visualisiert das Entführungsrisiko für Expats in allen Ländern weltweit mit fünf unterschiedlichen Risikostufen. Zwischen 2009 und 2019 wurden mindestens 143 deutsche Staatsbürger im Ausland entführt.

Dies bedeutet, dass im Durchschnitt mehr als ein Deutscher im Monat entführt wird. Die Risikokarte wurde von der auf Sicherheits- und Krisenmanagement spezialisierten Beratungsfirma SmartRiskSolutions GmbH erstellt. „Wenn man bedenkt, wie belastend und teilweise traumatisierend eine Entführung für das Opfer, aber auch für Familienangehörige und den Arbeitgeber sind, dann kann man sich vorstellen, dass Entführungsrisiken nicht zu unterschätzen sind“, so Pascal Michel, Geschäftsführer des Unternehmens. „Wichtig für Auslandsaktivitäten von Firmen ist eine Prävention, die auch andere Risiken mit minimiert und sicherstellt, dass das Unternehmen seiner gesetzlichen Fürsorgepflicht nachkommt.“

Trend zu einer kürzeren Entführungsdauer

SmartRiskSolutions sieht bei kriminellen Entführungen einen Trend zu einer immer kürzeren Entführungsdauer, die oft weniger als eine Woche dauern. „Wenn deutsche Firmen und Organisationen von Entführungen betroffen sind, sollte man nicht vergessen, dass nach unserer Erfahrung über 90 Prozent der Entführungsopfer nicht westliche Firmenmitarbeiter sind, sondern einheimische Mitarbeiter ausländischer Firmen und Familienangehörige. Auch hier ist von den Firmen ein professionelles Krisenmanagement gefordert“, so der Krisenberater Pascal Michel.

Das Risiko einer terroristischen Entführung ist in Afrika am höchsten – häufig mit einer Dauer von mehreren Monaten bis mehreren Jahren. Am häufigsten erfolgen Entführungen während der Fortbewegung im Fahrzeug, wobei Entführungen von Einheimischen oft kürzer dauern als von Expats. Die Experten kategorisieren fünf Risikostufen bei Entführungen (siehe Grafik).

Entführungsrisiko für Expats

Entführungsrisiko für Expats in 5 Stufen

1. Sehr geringes Risiko: Es gibt nahezu keine Entführungsbedrohung. Nur für sehr vermögende Personen werden allgemeine Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich Entführungen empfohlen. Äußerst selten kommt es zu Express-Kidnapping oder virtuellem Kidnapping

2. Geringes Risiko: Es gibt nur wenige bekannte Entführungsbedrohungen. Nur für sehr vermögende Personen werden Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich Entführungen empfohlen. Ein Express-Kidnapping oder virtuelles Kidnapping kann gelegentlich für Reisende und Expats eine Gefahr darstellen.

3. Erhöhtes Risiko: Es besteht zumindest in einigen Landesteilen eine Entführungsbedrohung. Vorsichtsmaßnahmen und Sensibilisierung für die Gefahr werden empfohlen.

4. Hohes Risiko: Es besteht zumindest in Teilen des Landes eine bedeutende Entführungsbedrohung. Besondere Aufmerksamkeit, eine Planung des Aufenthaltes und umfangreichere Schutzmaßnahmen werden empfohlen.

5. Sehr hohes Risiko: Die Entführungsbedrohung ist landesweit sehr hoch. Sehr detaillierte Sicherheitsplanungen und sehr umfangreiche Schutzmaßnahmen sind erforderlich.

Neben der Kidnap Risk Map hat SmartRiskSolutions auch ein White Paper verfasst, das den Themenkomplex Entführung aus unterschiedlichen Perspektiven – einschließlich der rechtlichen – analysiert. Dort finden Interessierte auch Interviews mit ehemaligen Geiseln und Krisenberatern.