Anzeige
Lösegeldversicherung
©Sheila Sund – Flickr

Lösegeldversicherungen stehen bei Unternehmen hoch im Kurs

Lösegeldversicherungen, sogenannte Kidnap & Ransom Policen (K&R), werden für Unternehmen immer wichtiger. Vermutlich trägt auch das Wirken der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) dazu bei, dass sich diese Art von Versicherungen bei Unternehmen einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen.

Das schreibt Andreas Radelbauer, Consultant für das Thema Erpressung und Entführung bei Corporate Trust Business Risk & Crisis Management GmbH. Das Geschäft ist sehr verschwiegen und das Vorhandensein einer solchen Police darf nur einem eingeschränkten Personenkreis bekannt sein. Bis 1998 waren Lösegeldversicherungen in Deutschland sogar noch verboten. Zu groß war die Angst, dass Entführer dadurch erst animiert werden könnten, weil die Bezahlung des Lösegelds ja schon geklärt sei. Auch heute noch dürfen solche Produkte nicht beworben werden. Daher ist es speziell für Mittelständler in der DACH Region schwer, relevante Informationen über diese Form der Risikoabsicherung zu erhalten.

Entführungen gefährden insbesondere mittelständische Unternehmen

Gerade Mittelstandsunternehmen haben sich im Rahmen der Globalisierung jedoch immer weiter in Krisengebiete vorgewagt. Wie die Bundesregierung erst vor kurzem auf Anfrage bekannt gab, wurden seit 2010 genau 143 Deutsche im Ausland entführt. Im Schnitt also jeden Monat mindestens eine Entführung und damit eine riesige Herausforderung für jedes Unternehmen. Kommt es zum Extremfall, laufen sie Gefahr, bei länger anhaltenden Entführungen und den damit verbundenen Millionenzahlungen ihre eigene Existenz zu gefährden. Deshalb sind Kidnap & Ransom Policen aufgrund der Fürsorgepflicht mittlerweile für viele Unternehmen fester Bestandteil des Risikomanagements geworden, wenn sie Mitarbeiter ins Ausland entsenden.

K&R Spezialversicherungen decken nicht nur die Bezahlung der Lösegelder, sondern auch die Kosten für den Krisenberater, die Rückholung oder Evakuierung, den vorübergehenden Personenschutz, zusätzliche Kosten für Dolmetscher, medizinische Dienste oder die psychologische Betreuung.

Krisenmanagement für Unternehmen wichtiger denn je

Das Krisenmanagement spielt bei einer Entführung, bei der es um Menschenleben geht, eine wesentliche Rolle. Nur die wenigsten Unternehmen haben Erfahrung mit einem solchen Vorfall oder sind professionell darauf vorbereitet. Daher ist es wichtig, erfahrene Spezialisten mit an Bord zu haben. Die Versicherer bieten im Rahmen der Fürsorgepflicht teilweise präventive Schulungen durch Profis oder eine Vorbereitung für Reisende an.

Mittelständische Unternehmen haben dabei besondere Anforderungen, aus denen die Versicherungswirtschaft gelernt hat. Waren es früher überwiegend Engländer oder Amerikaner, die als Verhandler eingesetzt wurden, geht der Trend innerhalb der DACH Region eindeutig zu Krisenberatern aus dem deutschsprachigen Raum. Ihr Verständnis für die wirtschaftlichen, gesetzlichen, sprachlichen aber auch kulturellen Voraussetzungen sind den Unternehmen wichtig und garantieren eine vernünftige Basis für die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Lösegeldversicherungen

Seit 2010 wurden 143 Deutsche in 37 Staaten entführt, teilte die Bundesregierung auf Anfrage des Linken-Fraktionschefs Dietmar Bartsch mit. Laut einem Beitrag der Morgenpost fanden die meisten Entführungen in folgenden Staaten statt:

  • Nigeria (19),
  • Syrien (13),
  • Mexiko (12),
  • Afghanistan (11) und
  • Senegal (7)

2018 zählte das Bundeskriminalamt dem Morgenpost-Bericht zufolge im Inland 68 Fälle (darunter zehn Versuche) von „erpresserischem Menschenraub“. Auch die Anzahl von Betrugsdelikten durch „virtuelle Entführungen“ nimmt in Industrienationen weiterhin zu. Einen Artikel zu den Gefahren solcher Entführungen für Geschäftsreisende und Expats finden sie hier.