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Der Flughafen als Impfzentrum?
© Aleksej – AdobeStock

Der Flughafen als Impfzentrum? Simulation zeigt optimalen Ablauf

Wie ein Impfzentrum optimal in einem Flughafen errichtet werden kann, hat das Aachener Luftfahrtberatungs-Unternehmen ARC hat mit einer Simulations-Software für Flughafen-Logistik erforscht. Die Experten halten bei optimaler Planung Effizienz-Gewinne im zweistelligen Prozentbereich für möglich.

Auf diese Weise könnten mehr Bürgerinnen und Bürger in kürzerer Zeit das Vakzin erhalten. Somit dürfte das mögliche Risiko einer Ansteckung im Impfzentrum sinken.

Die Impfung von bis zu 80 Millionen Bundesbürgern gegen Covid-19 ist eine logistische Herausforderung. Computerprogramme, die normalerweise zur Simulation der Abfertigungsprozesse in Flughäfen eingesetzt werden, könnten helfen, die Abläufe bei der Vakzinierung reibungsloser zu gestalten. „Wir haben die Prozesse in einem Impfzentrum mit einer von uns entwickelten Software durchgespielt“, erklärt Michael Laubrock, Geschäftsführender Partner beim Aachener Luftfahrtberatungs-Unternehmen ARC. „Solche Simulationen können helfen, die Abläufe deutlich effizienter zu gestalten. Erfahrungsgemäß sind mit dieser Methodik Verbesserungen im zweistelligen Prozentbereich möglich.“

Simulation zum optimalen Impfzentrum?

Ähnlich wie bei der Passagier-Abfertigung am Flughafen greifen auch beim Impfen verschiedene Prozesse ineinander. Die Bürger müssen ihre Anmeldung vorweisen und sich registrieren lassen. Sie werden über den Eingriff und etwaige Konsequenzen aufgeklärt; eventuell erfolgt eine Temperaturkontrolle, um bestehende Infektionen auszuschließen. Nach der Verabreichung des Vakzins stehen werden sie wegen etwaiger allergischer Reaktionen noch eine Weile unter Beobachtung. Durch eine gute Planung der räumlichen und personellen Ressourcen lässt sich verhindern, dass einer dieser Schritte zum Flaschenhals wird, der die ganze Prozesskette ausbremst.

ARC simuliert diese Kette mit einem so genannten Multi-Agenten-System. Jeder simulierte Impfwillige handelt dabei gewissermaßen für sich. Dabei interagiert er auch mit den anderen „Agenten“ im Mikrokosmos Impfzentrum: Er achtet auf Abstand, sucht nach dem Anmelde-Schalter mit der kürzesten Schlange und versucht zugleich, unnötige Wege zu vermeiden. Das Ganze gleicht einem Improvisations-Theater, in dem die Schauspieler anfangs nur wissen, welche Ziele sie verfolgen sollen.

Das Stück entwickelt sich daraus erst in Zusammenspiel mit den anderen Darstellern; ein festes Drehbuch gibt es nicht. „Auf diese Weise können wir zum Beispiel erkennen, wo es sich staut und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Anwesenden schneller durchzuschleusen“, erklärt Laubrock.

Die Modellerstellung und Simulation erfolgt mit der von ARC entwickelten und vertriebenen Software CAST. In dem Modell sind zunächst alle Prozesse in dem konkreten Impfzentrum zu definieren und mit realistischen Parametern zu versehen. Dazu gehören insbesondere die eingesetzte Anzahl an Mitarbeitern und Stationen, deren Prozesszeiten, räumliche Zusammenhänge oder der Platzbedarf. In unterschiedlichen Szenarien lässt sich prüfen, welche Anpassungen und Verbesserungen erforderlich und sinnvoll sind, um den Betrieb zu optimieren, die Aufenthaltsdauer (und damit auch das etwaige Ansteckungs-Risiko der Impfwilligen) zu reduzieren und in kürzerer Zeit mehr Menschen zu vakzinieren.

Pandemie macht unkonventionelle Impfzentren erforderlich

Während das Unternehmen ARC mit der simulierten Impfstraße ein klareres Bild von der Logistik des Impfens geben möchte, gibt es in Deutschland bereits Orte mit Reisebezug, an denen die Impfstoffe verabreicht werden. In Berlin dienen mit Tegel und Tempelhof gleich zwei ehemalige Flughäfen als Impfzentrum. Während Berlin-Tempelhof bereits 2008 für Flugreisende geschlossen hat, waren in Tegel noch bis November letzten Jahres gestartet und gelandet.

Mobil gibt sich ein Impfzentrum auf dem Wasser: Die MS Thurgau verkehrt normalerweise als Ausflugsschiff zwischen Deutschland und der Schweiz. Seit Februar können sich Menschen ab 75 Jahren auf dem Schiff impfen lassen. Dabei bleibt das Schiff weiterhin in Bewegung, und fährt zwischen Romanshorn, Kreuzlingen und Arbon.  

Unter folgendem YouTube-Link findet sich ein Video, das die Simulation eines hypothetischen Impfzentrums zeigt und die Zusammenhänge erläutert.