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Koreaner
© naka - AdobeStock

Wie Koreaner in Unternehmen mit Lob und Kritik umgehen

Wer in interkulturellen Teams arbeitet, stößt schnell auf Besonderheiten, die auf die Herkunft der Team-Mitglieder zurückzuführen ist. Nicht nur ist allein die Sprachbarriere eine Herausforderung für sich. Auch sind es die unterschiedlichen Umgangsformen, die jede Kultur mit sich bringt. Dies gilt auch und insbesondere für die koreanische Kultur.

So kommt es zwischen koreanischen und deutschen Kollegen häufig zu Missverständnissen, wenn es um konstruktiven Austausch im Arbeitsalltag geht. Sie werden jetzt sicherlich an eine gewisse sprachliche Hürde denken, doch das Problem in der Verständigung liegt oft woanders: In der Umgangsform. Insbesondere was den Umgang mit Lob und Kritik betrifft. Wer hier nicht über die koreanische Kultur Bescheid weiß, trifft sehr schnell auf Frust und Unverständnis.

Typische Verständigungsprobleme zwischen Koreanern und Deutschen

Typische Verständigungsschwierigkeiten zwischen koreanischen und deutschen Mitarbeitern entstehen unter anderem durch einen unterschiedlichen Umgang mit Lob und Kritik. Wer in Deutschland vom Chef gelobt wird, erfreut sich meist daran und bedankt sich als Gegenreaktion. Äußern Sie sich allerdings gegenüber einem koreanischen Mitarbeiter positiv, trifft man statt auf Dank eher auf Abwehr. Oft kommt es dann zu folgender Reaktion: Der Deutsche hört auf, den Koreaner zu loben, woraufhin der Koreaner nun das Gefühl bekommt, seine Arbeit nicht mehr gut zu machen. Während dieses Verhalten in der deutschen Kultur eher irritierend ist, ist es in Korea üblich das Lob zu verneinen und abzulehnen.

Warum Koreaner Lob abwehren

Für koreanische Mitarbeiter ist es ganz normal, dass sie gute Arbeit leisten müssen und dafür keine Anerkennung erhalten. Gute Leistung ist für sie Standard. Dennoch brauchen auch Koreaner Lob, so wie es jeder Mensch braucht. Koreaner weisen Lob ab, weil sie es nicht anders kennen und es als schwierig empfinden, Anerkennung anzunehmen. Gleiches gilt auch in der Teamarbeit. Es ist ihnen unangenehm aus der Gruppe hervorgehoben zu werden und einzeln Aufmerksamkeit zu bekommen. Für sie steht der gemeinsame Erfolg im Vordergrund und sie wollen den Erfolg eines Projektes mit allen Beteiligten gemeinsam feiern.

Wir Deutschen hingegen freuen uns sehr über Lob und Anerkennung, weil uns dies motiviert. Auch Kritik ist für uns Deutsche am Arbeitsplatz ein wichtiger Bestandteil und wird insbesondere für Entwicklungen und Verbesserungen als nützlich angesehen. Durch konstruktive Kritik wollen wir bessere Lösungen schaffen und äußern unsere Meinungen und Ideen daher auch frei. Koreanische Mitarbeiter halten sich jedoch auch bei Kritik im Hintergrund. In ihrer Kommunikation sind sie sehr darauf bedacht, niemanden zu verletzten oder in irgendeiner Art und Weise anzugreifen, insbesondere höher gestellten Personen gegenüber nicht. Zwischen negativer und konstruktiver Kritik wird in Korea nicht unterschieden und die Höflichkeit an vorderste Stelle gesetzt. Bei Kooperationen zwischen deutschen und koreanischen Mitarbeitern führt dies häufig zu falschen Annahmen, wie beispielsweise, dass der Koreaner sich nicht genügend einbringt.

Koreane

Ältere Menschen haben in Südkorea einen sehr hohes Ansehen, da dem Alter generell ein großer Stellenwert eingeräumt wird. © Huy Hung Trinh auf Unsplash

Eine weitere wichtige Regel ist, dass in Korea das Alter und der Stand beziehungsweise das Ansehen eines Menschen einen sehr hohen Stellenwert hat. Vorgesetzten oder Älteren im Allgemeinen sollte nicht widersprochen werden. Für einen Koreaner hat der Chef die Rolle eines Anführers und es sollte aus koreanischer Sicht alles getan werden, damit dieser zufrieden ist. In altmodischen koreanischen Firmen kommt es sogar vor, dass Mitarbeiter mit einer Kündigung rechnen müssen, wenn sie ihrem Vorgesetzten widersprechen.

Mittlerweile sind die Hierarchien in Korea jedoch auch flacher geworden und es ist eine deutliche Veränderung in Richtung gemeinschaftliches Arbeiten zu erkennen. Dennoch sollten Sie als Deutscher anfangs aufpassen, wenn Sie nach Korea reisen. Respekt vor Älteren und höher gestellten Menschen ist in Korea in allen Lebensbereichen sehr wichtig und sollte nicht missachtet werden.

Offene Kommunikation und Geduld helfen

Im Umgang mit koreanischen Kollegen sollten Sie sich immer im Kopf behalten, dass es für Koreaner schwierig ist, Lob anzunehmen. Geben Sie Ihren koreanischen Kollegen daher immer die Chance zu antworten und signalisieren Sie, dass Sie es verstanden haben, sollte keine Antwort kommen oder ein „Nein“. Teilen Sie Ihren koreanischen Kollegen einfach mit, dass es in Deutschland vollkommen in Ordnung ist, und auch erwartet wird, Feedback zu geben und welches zu bekommen. Mit der Zeit und etwas Unterstützung werden sich die koreanischen Kollegen daran gewöhnen und Mut fassen. Geduld ist hier das A und O.

Koreaner vs. Deutsche: Grenzen zwischen Beruf und Privatleben

In Deutschland sind wir klare Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben gewohnt. Deshalb fällt es uns auch viel leichter Kritik auf der Arbeit auszuüben, auch gegenüber unserem Vorgesetzten. In Korea hingegen ist dies anders. Für Koreaner ist es üblich ihre Mittagspause oder den Feierabend gemeinsam Zeit mit Kollegen und Vorgesetzten zu verbringen. Vorgesetzte und Mitarbeiter pflegen in Korea in der Regel engen Kontakt miteinander und die Menschen von der Arbeitsstelle werden praktisch als „Familienmitglieder“ betrachtet. Ein harmonisches und enges zwischenmenschliches Verhältnis trägt in Korea zu einem gesunden und guten Arbeitsklima bei.