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Group of People Waving Vietnamese Flags in Back Lit

Business-Knigge Vietnam: Was Reisende wissen sollten

Noch ist Vietnam keine typische Expatriate-Destination – allein die Infrastruktur sowie Lebens- und Umweltbedingungen schrecken viele westliche Manager vor einem längeren beruflichen Aufenthalt vor Ort ab – allerdings werden der sozialistischen Republik ähnliche Erfolgsaussichten vorausgesagt wie seinerzeit China. Tatsächlich haben die Nachbar-Volksrepublik und die 90 Millionen Einwohner von Vietnam auch viele kulturelle Wurzeln gemeinsam. Allerdings: Man sollte Vietnamesen möglichst nicht auf diese Gemeinsamkeiten ansprechen, denn man gibt sie nicht gerne zu. Viel zu lange fühlte sich Vietnam von China unterdrückt und noch heute bemühen sich die Menschen sehr, sich von China abzugrenzen. Dennoch ist die kulturelle Ähnlichkeit zu China nicht zu leugnen. Ebenso wie der kommunistische Nachbarstaat ist Vietnam eine kollektive Gesellschaft, in der Individualismus dem Gruppenwohl untergeordnet ist und die Einhaltung von Hierarchien sowie die Lehre von Konfuzius eine sehr große Rolle spielen.

Ebenso sollten sich Reisende in Vietnam vor Situationen hüten, bei denen einheimische Geschäftspartner ihr Gesicht verlieren können. Personen vor anderen Menschen bloßzustellen kommt auch dort einer Todsünde gleich. Auf Effizienz bedachte Geschäftspartner sollten sich zudem von der Vorstellung freimachen, Sachverhalte schnell und präzise zu klären. Die vietnamesische Kultur kann sehr gut mit uneindeutigen und unsicheren Situationen leben. Zu viel Klarheit oder allzu deutliche Direktheit gilt als unhöflich und plump. Die Mischung aus Konfuzianismus und Kommunismus führte dazu, dass Werte wie Ehre, Respekt vor dem Alter, Gehorsam, Loyalität und Verantwortung sehr hochgehalten werden. Eine erfreuliche Besonderheit innerhalb des asiatischen Raums, die in Vietnam als selbstverständlich gilt, ist die Gleichberechtigung. Mann und Frau sind in Vietnam einander überwiegend gleichgestellt – und dies schon seit vielen Jahrzehnten. Bereits der Volksheld Nummer Eins, Freiheitskämpfer Ho Chi Minh, propagierte neben den Werten Geduld, Bescheidenheit und Integrität die Egalität beider Geschlechter.

Viele Vietnamesen sprechen sehr gut Deutsch

Manche deutsche Geschäftsreisende werden sich über die ausgesprochen guten Deutschkenntnisse der Vietnamesen wundern. In der Tat sprechen die meisten Vietnamesen sogar besser Deutsch als Englisch. Der Grund: Vietnam pflegte enge Beziehungen zum ehemaligen „sozialistischen Bruderstaat“ DDR und viele Vietnamesen absolvierten ihr Studium oder ihre Ausbildung dort. Somit genießt Deutschland auch einen sehr guten Ruf bei der Bevölkerung.

Vietnams Einwohner haben eine hohe Leistungsbereitschaft und gelten als zuverlässige Mitarbeiter. Allerdings ist – wie in vielen asiatischen Ländern – die Machtdistanz ebenfalls sehr hoch. Das bedeutet, dass strikt auf Hierarchien geachtet wird, Eigeninitiative nur einen geringen Stellenwert hat und Arbeitnehmer erwarten, dass Vorgesetzte ihnen sagen, was zu tun ist und keinesfalls umgekehrt. Die Angst davor, Fehler zu machen, sorgt zudem dafür, dass Mitarbeiter es oftmals vermeiden, eigenständig mitzudenken und selbstständig sinnvolle Entscheidungen zu treffen. In Doris Guttings Ratgeber „Management in Südostasien“ beschreibt ein Hoteldirektor eine typische Chef-Angestellten-Situation wie folgt: „Einige Wochen lang hatten wir sehr heißes Wetter. Ich hatte deshalb angeordnet, im gesamten Hotel die Temperatur der Zimmer abends runterzukühlen, damit die Gäste bei ihrer Rückkehr angenehm kühle Räume vorfinden. Als die Regenphase folgte und es abends plötzlich recht frisch war, wurde es im gesamten Hotel zu kalt. Dennoch haben die Mitarbeiter die Zimmer abends weiterhin auf ein geradezu unangenehmes Maß heruntergekühlt.“ Der Hoteldirektor fragte seine vietnamesischen Mitarbeiter, weshalb die Temperatur nicht wieder hochgeregelt worden sei und erhielt daraufhin die erschrockene Antwort, dass dies so nicht angewiesen worden sei. Er zog daraus die Konsequenz, dass er viele Situationen möglichst immer bis ins Detail würde klären müssen.

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Kleiner Business-Knigge Vietnam:

  • Ad-hoc-Entscheidungen herbeizuführen, ist kontraproduktiv, denn Hektik und Zeitdruck sind in Vietnam verpönt.
  • Schwitzen gilt als unschicklich und kann die Autorität untergraben. Geschäftsreisende sollten vor Terminen möglichst keine körperlich anstrengenden Aktivitäten ausüben und zur Anreise möglichst ein klimatisiertes Taxi nehmen.
  • Business wird auf konservative Kleidung Wert gelegt. Lediglich im Süden kann man mal den Blazer oder das Jackett weglassen.
  • Visitenkarten sollten reichlich und möglichst in englischer Sprache mitgeführt werden. Titel und Position sollten deutlich zu erkennen sein.
  • Besprechungen werden selten in Dialogform geführt. Üblich sind Präsentationen. Wer währenddessen Notizen macht punktet als besonders interessierter Geschäftspartner bei den Vietnamesen.
  • Einladungen ins private Heim sind sehr selten und gelten als besonders große Ehre.

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Buchtipp:

Cover_AsienProfessor Dr. Doris Gutting: „Management in Südostasien – Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur in Indonesien, Malaysia, Singapur, Thailand, Vietnam und auf den Philippinen“; Kiehl – NWB Verlag GmbH & Co. KG, ISBN 978-3-470-64811-8; 27,90 Euro; 238 Seiten

 

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Quelle: BDAE GRUPPE

 Foto: © Rawpixel – Fotolia.com