Business-Knigge Thailand: Bescheiden und berechenbar

Die Thais sind den Deutschen in Sachen Business gar nicht mal unähnlich. Dennoch kommen Geschäftsreisende mit deutscher Direktheit und zu viel Selbstbewusstsein nicht weit. Der vierte Teil der Knigge-Serie widmet sich daher den Regeln vor Ort.

Die Geschäftsbeziehungen Deutschlands mit Thailand haben seit langer Zeit Tradition. So ist die Bundesrepublik sogar der wichtigste Handelspartner der EU für das „Land des Lächelns“. Laut Germany Trade & Invest sind zurzeit etwa 550 deutsche Unternehmen in Thailand vor Ort, die bei den Thais generell einen guten Ruf genießen. Ohnehin schätzen die Einheimischen ihre deutschen Geschäftspartner unter anderem aufgrund ihrer Verbindlich- und Verlässlichkeit sehr. Dennoch sollten Business-Reisende nach Thailand einige Grundregeln kennen und anwenden.

90 Prozent der Thais sind Buddhisten

Sich über die wichtigsten Fakten der Kulturgeschichte Thailands zu informieren, kann essentiell für das Gelingen eines geschäftlichen Vorhabens sein. Wer weiß, dass etwa 90 Prozent der Thais Buddhisten sind und dass der Monarchie ein außergewöhnlich hoher Stellenwert zukommt, wird sich davor hüten, kritische Gespräche über diese beiden gesellschaftlichen Grundfeiler anzufangen. Denn: Religion und Monarchie sind das Bindeglied der Bevölkerung, die überdies sehr stolz ist, niemals eine europäische Kolonie gewesen zu sein. Dies ist auch der Grund dafür, anders als in vielen asiatischen Nachbarländern, viele thailändische Fach- und Führungskräfte kein Englisch sprechen. Deutsche Geschäftsreisende sollten deshalb eine Verbindungsperson oder einen Dolmetscher zu den Verhandlungen mitnehmen, der Thai und Englisch beherrscht. Die Deutsch-Thailändische Handelskammer hilft bei der Vermittlung geeigneter Partner.

Termine beginnen in der Regel sehr locker und mit einem kurzen Small Talk. Die typisch thailändische Begrüßung ist der „Wai“, bei dem vor Brust und Hals die Hände gefaltet werden und eine leichte Verbeugung erfolgt. Ausländer müssen diese Form der Begrüßung nicht zwingend anwenden. Es reicht etwa eine angedeutete Verbeugung oder ein leicht gesenktes Haupt als Begrüßungsgeste. Wer jedoch regelmäßig nach Thailand reist oder für eine gewisse Zeit dort lebt, von dem wird der traditionelle „Wai“ durchaus erwartet.

Der Vorname geht vor

Da Nachnamen in Thailand erst seit dem frühen 20. Jahrhundert per Gesetz getragen werden müssen, ist es heute noch üblich, dass man sich selbst in Führungsetagen bei dem Vornamen anspricht. Nichtsdestotrotz legen die Thais sehr großen Wert auf Hierarchien und Status. Wer seine Geschäftschancen nicht unnötig verringern möchte, sollte sich vorab genau über Titel und Position seiner Verhandlungspartner informieren. Im Zweifel erfährt man aber auch schon während der Vorstellungsrunde etwas über den Rang der Personen – etwa weil es in Thailand üblich ist, die rangniederen Personen als erstes seinem Gegenüber vorzustellen.

Mit den Deutschen gemein haben die Thais, dass ihnen Berechenbarkeit und Stabilität sehr wichtig sind. Denn innerhalb Asiens tendiert das thailändische Volk am meisten dazu, jegliche Unsicherheiten zu vermeiden. Die deutsche Direktheit liegt ihnen allerdings überhaupt nicht. Am meisten Respekt verschaffen sich Businesspartner mit einem bescheidenen Auftreten. Wer mit deutlicher, aber ruhiger Stimme spricht und seine Erfahrungen und seine gesellschaftliche Stelle lediglich „en passant“ erwähnt, wird als gebildet und hoch angesehen eingestuft.

Harmonie und Ausgleich

Auch wenn Spaß („sanuk“) ein essentieller Bestandteil im Arbeitsleben ist – das im Übrigen sehr stark mit dem Privatleben vermischt wird – so hört dieser beispielsweise auf, wenn getroffene Entscheidungen in Frage gestellt werden. Wer es wagt, dies vor mehreren Personen öffentlich zu kommunizieren, kann im Grunde gleich nach Hause fahren. Die thailändische Kultur ist auf Konfliktvermeidung eingestellt – völlig im Gegensatz zur deutschen Konfliktlösungsmentalität. Demzufolge sollten Kontroversen niemals offenausgetragen werden. Geschickter ist es, höflich Alternativen anzubieten, wenn man einem Ergebnis nicht ganz zufrieden ist. Und auch wenn einem das geschäftliche Gegenüber nicht widerspricht, so sollten Manager dies keineswegs als Zustimmung deuten.

Tatsächlich gilt das einstige Siam als feminines Land, dessen Menschen stets um Harmonie und Ausgleich bemüht sind. Dazu gehört auch, Geschäftsbeziehungen langfristig zu erhalten, was wiederum bei ausländischen Geschäftsreisenden Geduld voraussetzt. Denn der Aufbau andauernder Verbindungen erfolgt nicht von heute auf morgen, sondern ist ein kontinuierlicher Prozess, in dem Essenseinladungen, Exkursionen und viele persönliche Gespräche auf der Agenda stehen.

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Infokasten: Kurzer Business-Knigge Thailand

  • Trotz oftmals tropischer Temperaturen sind Anzug und Krawatte sowie Hosenanzug und Kostüm bei Frauen Pflicht
  • Der Kopf gilt als heiligster Körperteil und darf deshalb niemals ungefragt berührt werden.
  • Die Füße sind am wenigsten angesehen und dürfen deshalb nicht auf Personen oder heilige Stätten beziehungsweise Buddhas gerichtet werden.
  • Beim Besuch von Privaträumen müssen Schuhe vor der Tür ausgezogen werden.
  • Konflikte werden grundsätzlich nicht öffentlich und vor Publikum ausgetragen.
  • Ein selbstbewusstes Auftreten wird als unhöflich und arrogant empfunden. Bescheidenheit heißt das Zauberwort.
  • Kritik an der Königsfamilie oder an der buddhistischen Religion ist tabu.

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Lesetipp:

Germany Trade & Invest (Hrsg.): Thailand – Verhandlungspraxis kompakt; Download: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/maerkte,did=693562.html; Bestellnummer: 17470

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