Selbstständigkeit im Ausland: Das müssen Sie beachten

Egal wo Sie im Ausland eine Firma gründen oder sich selbstständig machen wollen – im Prinzip läuft es immer nach einem ähnlichen Muster wie in Deutschland ab. Sollten Sie nur innerhalb der Europäischen Union (EU) umziehen, erleichtert das die Sache. Außerhalb der EU wird es je nach Land um einiges schwieriger.

Der folgende nützliche Leitfaden beschreibt, welche Dinge Sie beachten müssen, bevor Sie den großen Schritt wagen – und das ist neben dem Entschluss zur Selbstständigkeit auch das Auswandern!

Schritt in die Selbstständigkeit

Aus welchem Grund wird der Weg der Selbstständigkeit gewählt und sind Sie dafür überhaupt geeignet? Haben Sie genug fachliche, aber auch kaufmännische Erfahrungen? An welchen Ort in dem neuen Land wollen Sie ziehen? Gibt es schon Mitbewerber für Ihre Idee und wenn ja, was unterscheidet Sie von diesen? Gibt es eventuell Nischen, die Sie besetzen können? Sprechen Sie die Sprache gut genug, um beispielsweise im Service-Sektor zu arbeiten oder brauchen Sie lokale Mitarbeiter?

Suchen Sie sich externe Meinungen und Rat. Erstens von Freunden und Bekannten (eventuell sind auch Selbstständige darunter) und zweitens in Form von Beratungen bei der IHK (Industrie- und Handelskammertag), dem ZHK (Zentralverband des Deutschen Handwerks), der Deutschen Außenhandelskammer oder beim Bundesverwaltungsamt (BVA). Diese bieten Informationsbroschüren und auch Schulungen an und haben teilweise Vertretungen im Ausland.

Nicht ohne einen Businessplan

Die Überlegungen, die Sie teilweise bei der Planung zur Selbstständigkeit getätigt haben, fließen auch in den Businessplan mit ein. Er dient nicht nur in erster Linie, um einen Kredit oder andere Geldmittel zu erhalten, sondern soll Ihnen auch eine gewisse Sicherheit geben. Er ist wie ein Fahrplan für Ihre Geschäftsgründung, an dem Sie sich orientieren können. Deswegen sollte er so detailliert wie möglich sein und mindestens folgende Punkte enthalten:

  • Gründerpersonen (Qualifikationen/Berufserfahrungen/kaufmännische Erfahrungen/Stärken/Defizite)
  • Geschäftsidee (Dienstleistung/Produkt/Besonderheiten/Voraussetzungen)
  • Markt (Kunden/Konkurrenz/Standort)
  • Marketing (Angebot/Preis/Vertrieb/Werbung)
  • Organisation und Mitarbeiter
  • Rechtsform
  • Risiken und Chancen
  • Finanzplan(Kapitalbedarf/Finanzierung/Sicherheiten/Liquidität/Ertrag&Rentabilität)

Eine ausführliche Beschreibung der jeweiligen Punkte finden Sie auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Die richtige Rechtsform nutzen

Sie sollten in jedem Fall vorher recherchieren, welche Rechtsformen es in dem jeweiligen Land gibt und welche sich am besten für Ihre Form der Selbstständigkeit eignen. Da sich die Formen von Land zu Land unterscheiden, sollten Sie auf folgende grundsätzliche Dinge achten:

  • Gründungskapital
  • Besteuerung und damit eventuelle Verdienstobergrenze (z.B. Einzelunternehmer vs. Kleinstunternehmer)
  • Haftung (z.B. GmbH vs. Limited)
  • Vertrauen (z.B. GmbH vs. Limited)

Infos bei Behörden und Instituten einholen

Ein nicht zu unterschätzender Aufwand sind die notwendigen Behördengänge. Deutschland ist für seine Bürokratie bekannt, allerdings kann es in anderen Ländern noch komplizierter werden – zumindest wenn man Erfahrungsberichte von Gründern aus dem Mittelmeerraum oder Lateinamerika hört. Natürlich ist der Aufwand abhängig vom Land und davon, welche Lizenzen und Berechtigungen Sie benötigen. Eventuell erhalten Sie alle Infos zentral von einer Behörde oder Sie können es schon vorweg online beantragen. Auskünfte darüber erteilen etwa die Botschaft des Ziellandes oder die Deutschen Außenhandelskammer.

Einige der wichtigsten Anlaufstellen sind:

  • Einwohnermeldeamt/Polizei (Registrierung/Arbeitserlaubnis)
  • Handelsregister
  • Finanzamt (Steuernummern)
  • Banken (Geschäftskonto)
  • Versicherungen und Altersvorsorge
  • Krankenkassen

Fördermittel für Gründung beantragen

Da das Auswandern an sich schon eine kostspielige Angelegenheit ist, sollten Sie sich nach weiteren Möglichkeiten der Finanzierung umsehen. Gibt es in dem Land Förderprogramme für Firmengründungen? Nicht jeder will gleich in die weite Welt. Wer in der EU bleibt hat beispielsweise die Möglichkeit, an Programmen der Europäischen Union teilzunehmen. Auch wenn für die Gründung kein großes Startkapital benötigt wird, müssen doch die ersten Monate des Lebensunterhalts gesichert sein. Dies gilt umso mehr, wenn Sie mit Familie auswandern!

Marketing lohnt sich

Ein wichtiger Punkt ist das Bekanntmachen der neuen Firma. An diesem Punkt sollte man anfangs nicht sparen, wenn es schon lokale Konkurrenz gibt. Auch hier können Sie schon in Deutschland damit anfangen, in dem Sie eine Internetseite gestalten. Diese sollte in den Farben und mit dem Logo des Geschäfts gestaltet sein (Corporate Design). Des Weiteren sollten Sie sich auch informieren, ob in dem jeweiligen Land/Ort eine Druckerei vorhanden ist, um Geschäftsunterlagen wie Flyer, Visitenkarten oder Briefpapier anzufertigen. Ansonsten können Sie zum Beispiel auch Ihre Flyer online drucken lassen. Eventuell ist das günstiger als vor Ort zu drucken.

Betrieb, Familie und Privatleben unter einen Hut bringen

Vielleicht war der Hauptgrund für das Auswandern, mehr Freizeit für sich und seine Familie zu haben. Sie haben sich deshalb für ein sonniges Land entschieden. Vor allem in der Anfangszeit sollten Sie sich aber nicht zu sehr entspannen, sondern erst einmal das Geschäft zum Laufen bringen. Selbst wenn die eigene Existenz abgesichert ist, gibt es noch einige wichtige Punkte zu beachten, um die Sie sich kümmern müssen:

  • Betriebliche Risikovorsorge
  • Betriebsabsicherung
  • Altersvorsorge
  • Absicherung bei Krankheit, Unfall und Alter

Sind diese Punkte geklärt und ausreichend abgesichert, können Sie das neue Land und Ihre Freizeit genießen. Vergessen Sie das aber über die ganze Arbeit auch nicht, schließlich war das eines der Hauptgründe zum Auswandern.

Noch ein abschließender Hinweis: Dies ist nur ein Leitfaden für die Basics, der nur eine grobe Übersicht liefert. Sie sollten zu den jeweiligen Punkten noch eigene, vertiefende Recherchen durchführen und sich bei einer der genannten Stellen beraten beziehungsweise schulen lassen.

Viel Erfolg!

Der Autor:

Gábor Rénes ist freier Redakteur uns schreibt regelmäßig Beiträge zum Thema Leben und Arbeiten im Ausland.