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Katar: Reiseverbot trifft philippinische Gastarbeiter

Die diplomatische Strafaktion gegen das reiche Emirat Katar zeigt nun auch auf den Philippinen gravierende Konsequenzen. So hat die Regierung des im Pazifischen Ozean liegenden Inselreichs bekannt gegeben, dass ab sofort keinerlei Gastarbeiter mehr aus dem eigenen Land nach Katar reisen dürfen. Das Verbot soll so lange aufrechterhalten werden, bis die Entwicklung der Lage im Emirat ausreichend geklärt und umfassend bewertet werden kann, heißt es aus Regierungskreisen.

„Was die gegenwärtige Entwicklung in Katar betrifft, gibt es so viele wilde Gerüchte, die besagen, dass es dort überhaupt nicht gut aussieht“, zitiert „BBC News“ Silvestre Bello, Leiter des Department of Labor and Employment auf den Philippinen. Deshalb habe sich die Regierung dazu entschlossen, es bis auf Weiteres nicht zu erlauben, dass Arbeiter aus dem eigenen Land in das Emirat reisen. „Wir machen uns Sorgen, dass diese Krise auch negative Effekte auf unsere Gastarbeiter haben könnte“, so Bello. Die bereits in Katar befindlichen Arbeitskräfte könnten aber auch weiterhin dort ihrem Job nachgehen. „Das Reiseverbot bleibt solange aufrecht, bis wir die Situation in Katar vollständig bewertet haben.“

Eine der befürchteten negativen Effekte auf die eigenen Gastarbeiter, die von der philippinischen Regierung konkret genannt werden, bezieht sich auf eine mögliche Lebensmittelknappheit in Katar. „Dieses Risiko besteht, da Katar rund 90 Prozent seiner Lebensmittel importieren muss“, erläutert Bello. In Katar kann man diese Angst aber offenbar nicht ganz nachvollziehen. „Wir haben alle nötigen Maßnahmen unternommen, um sicherzustellen, dass das Leben unter der Blockade ganz normal weitergehen kann. Es besteht also keinerlei Grund zur Panik“, bemüht sich die Regierung des Emirats um eine Beruhigung der Lage.

Katar ist abhängig von Gastarbeitern

Interessant ist, dass die philippinische Regierung das Reiseverbot ausgesprochen hat, obwohl das Land selbst sehr stark von seinen Gastarbeitern profitiert. Laut aktuellen Statistiken arbeiten derzeit mehr als zwei Mio. der eigenen Landsleute in den reichen Golfstaaten, gut 140.000 davon sollen allein in Katar tätig sein. Das macht sich auch im Wirtschaftshaushalt des Inselstaates bemerkbar. So gibt etwa die philippinische Zentralbank an, dass 2016 insgesamt 26,9 Milliarden Dollar (rund 24 Milliarden Euro) von Gastarbeitern zurück in die Heimat geschickt worden sind – das entspricht knapp zehn Prozent des eigenen Bruttoinlandsproduktes.

Auch die Wirtschaft Katars ist stark von ausländischen Arbeitskräften abhängig. Eigenen Zahlen zufolge stammen fast 90 Prozent der 2,5 Millionen Menschen im Emirat aus dem Ausland. Die meisten davon kommen zum Geldverdienen in den reichen Ölstaat. Neben Bürgern aus den Philippinen sind dies dabei vor allem Menschen aus Indien, Nepal und Bangladesch.

Hintergrund:

Mehrere Golfstaaten und Ägypten haben sowohl ihre diplomatischen Beziehungen als auch Verkehrsverbindungen zum Nachbarn Katar gestoppt. Sie werfen dem kleinen, aber reichen Staat Unterstützung des Terrorismus vor. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain kündigten an, die Verkehrsverbindungen zur See und in der Luft einzustellen. Die drastischen Schritte führen laut Spiegel-Berichten bei der Bevölkerung bereits zu Hamsterkäufen. US-Präsident Donald Trump kündigte an, zwischen den Ländern vermitteln zu wollen. Wie die Grafik von Statista zeigt, sind die USA das zweitwichtigste Importland für Katar. Mit 11,9 Prozent der gesamten Importe ist nur China stärker. Deutschland lag 2015 mit 7,7 Prozent auf Platz vier. Die meisten Exporte, darunter vor allem Erdgas, gehen nach Japan, Indien und China.

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Quellen: www.pressetext.com, Statista