Anzeige

Auswanderermuseum BallinStadt nach fünf Jahren auf Erfolgskurs

Am 4. Juli hat das Hamburger Auswanderermuseum BallinStadt seinen fünften Geburtstag gefeiert. Rund 200 Gäste waren gekommen, um dem Jubiläum beizuwohnen. Zu den Festrednern gehörte auch Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler.

Sie erinnerte daran, dass der 4. Juli ganz bewusst als Eröffnungstag gewählt worden war, denn die Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Traum vom Auswandern vieler Deutscher vor mehr als 100 Jahren seien untrennbar miteinander verbunden. „Was bringt Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Wie groß muss die Enttäuschung über die Heimat oder die wirtschaftliche Not sein, um alles hinter sich zu lassen?“, fragte Kisseler.

Mehr als fünf Millionen Menschen wanderten über die Ballinstadt aus

Das Auswanderermuseum BallinStadt kann viele Antworten darauf geben. Von 1850 bis 1939 sind mehr als fünf Millionen Menschen über die Ballinstadt ausgewandert. Ein Großteil davon verschlug es in die USA. Darauf machte in ihrer Jubiläumsrede die amerikanische Generalkonsulin Dr. Immi Patterson aufmerksam. Hamburg und die USA hätten immer eine besondere historische Verbundenheit gehabt, die sich auch im Auswanderermuseum widerspiegele. So hatte kein geringerer als George Washington, erster Präsident der USA, vor genau 222 Jahren in Hamburg das erste amerikanische Konsulat eröffnet. Ein Viertel der Amerikaner habe deutsche Vorfahren; somit habe Deutschland viel zum Aufbau der Staaten beigetragen.

500.000 Besucher in fünf Jahren

Das Auswanderermuseum ist das erste Kulturprojekt Hamburgs, das ohne finanzielle Unterstützung der Stadt auskommt. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, ein Museum wirtschaftlich zu führen“, betonte Kultursenatorin Kisseler. Insgesamt 500.000 Besucher lockte die BallinStadt seit ihrer Eröffnung vor fünf Jahren an; 19 Sonderaustellungen sind gestemmt worden. Geschäftsführer Volker Reimers zeigte sich bei der Feier sichtlich stolz.

Professor Hans-Jörg Schmidt-Trenz, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg, wies darauf hin, das weniger als ein Fünftel der zahlenden Museumsgäste aus Hamburg kommt und appellierte an die Bewohner der Hansestadt, die „Barriere in den Köpfen“ einzureißen. Für viele Hamburger sei der Standort der BallinStadt auf der Elbinsel Veddel gedanklich zu weit weg. Dabei ist die BallinStadt allein vom Hauptbahnhof mit der S-Bahn innerhalb von fünf Minuten zu erreichen. Das Auswanderermuseum sei ein historischer Ort für die Hamburger und ein Teil der Geschichte, die es sich zu erkunden lohne.

Reeder Albert Ballin gründete Ballinstadt vor 100 Jahren

Die Geschichte der BallinStadt begann vor hundert Jahren, als Albert Ballin, Generaldirektor der Reederei HAPAG, im Hamburger Hafen das größte Gasthaus der Welt errichten ließ: die legendären Auswandererhallen. Viele Tausend Menschen aus ganz Europa kamen dort täglich an und warteten auf die Abfahrt ihrer Schiffe. Zu den mehr als 30 Gebäuden gehörten unter anderem Schlaf- und Wohnpavillons, Badesäle, jüdische und christliche Speisesäle mit abgetrennter Küchen und zwei Hotels. Bis zu 5.000 Menschen konnten hier gleichzeitig untergebracht werden. Die Auswandererhallen waren für die meisten der Auswanderer die letzte Heimstätte auf dem europäischen Kontinent und mit dem neu erhofften Glück zum Greifen nah, auch der „Hafen der Träume“.

Die Idee, an diesem besonderen Ort diesen wichtigen Teil der maritimen Geschichte Hamburgs wieder aufleben zu lassen, wuchs über die Jahre zu einem konkreten Vorhaben heran. So begann das Staatsarchiv Hamburg 1999 zunächst damit, die Hamburger Passagierlisten in einem aufwendigen Verfahren zu digitalisieren. Mittlerweile sind mehr als 4,3 Millionen Daten digitalisiert, indexiert und vom Portal Ancestry.de, einem Partnerunternehmen der BallinStadt, mit dazugehörigem Bildmaterial verknüpft.

Mehr zum Thema:

Hamburger Auswanderermuseum feiert Jubiläum

Interview: „Heute wandern Menschen aus wirtschaftlichen Gründen aus“

Foto: BallinStadt