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Bikini Mode
© zolotareva_elina - AdobeStock

75 Jahre Bikini: Das ist seine Geschichte

Seit nunmehr 75 Jahren ist der Bikini ein Hingucker an den Stränden dieser Welt. Am 5. Juli 1946 präsentierte Louis Réard, gelernter Maschinenbauingenieur, im Pariser Schwimmbad Molitor einen nabelfreien und für die damaligen Verhältnisse viel zu knappen Zweiteiler, der für jede Menge Furore sorgte. Das noch junge BikiniARTmuseum in Bad Rappenau weiß mehr über die Ursprünge dieser besonders internationalen Badebekleidung.

Bikini-Werbung mit Brigitte Bardot

Brigitte Bardot wirbt im blauen Einteiler 1953 für Louis Réard. (© BikiniARTmuseum)

Die Wahl des Namens war ein genialer Schachzug und wesentlich für die Erfolgsgeschichte. Réard benannte das Stückchen Stoff nach dem gleichnamigen Bikini-Atoll, das durch die wenige Tage zuvor stattgefundenen Atombomben-Tests der Amerikaner die Schlagzeilen der Titelseiten der internationalen Presse dominierte. Seine Erfindung sollte hierdurch mit der Sprengkraft einer Atombombe assoziiert werden. Und so ging das Wort „Bikini“ unübersetzt in alle Kontinente.

Der Bikini ist feministisch und politisch, leidenschaftlich und persönlich, unterhaltend und aufwühlend, ästhetisch und sinnlich, berührend und voller Erinnerungen und verbirgt in der Kombination mit der jeweiligen Trägerin immer ein Geheimnis. Ursula Templin, frühere Designerin von Triumph International, fasst es wie folgt zusammen: „Der Bikini stößt an die Grenzen des Möglichen. Er beschwichtigt eine Gesellschaft, die Nacktheit verbietet und ist dabei aber viel aufreizender.“ 

Bikini als Karriere-Booster für die Bardot und die Monroe

Zwei Weltstars nutzten den Bikini für ihren Karrierestart. Anfang der 1950er-Jahre galt das Entblößen des Bauchnabels noch als absoluter Skandal. Die junge Brigitte Bardot erkannte die skandalöse Sprengkraft des Bikinis und setzte sich häufig damit in ihrer so eigenen Art in Szene. Beispielhaft und erfolgreich trug sie zu den Filmfestspielen in Cannes im Jahr 1953 einen knappen, buntgemusterten, nabelfreien Zweiteiler. Bardots Bikini-Fotos gingen nach dem Event wie ein Lauffeuer um die Welt und waren ein wichtiger Baustein für den Start ihrer Weltkarriere.

Die junge Brigitte Bardot machte sich die skandalöse Sprengkraft des Bikinis zunutze und trug zu den Filmfestspielen in Cannes im Jahr 1953 einen knappen, buntgemusterten Zweiteiler und sorgte damit für Furore. (Foto: © AURIMAGES.)

Laut den neuen Erkenntnissen der Réard-Biografin Ghislaine Rayer erhielt Bardot einen ihrer ersten Modeljobs von Réard: Im Jahr 1953 engagierte er die junge Frau als Mannequin für seine Bademode. Begeistert von Réards maßgeschneiderten Kreationen wurde sie schließlich Stammkundin seiner Boutique und schrieb sechs Jahre darauf eine liebevolle, persönliche Widmung an den Bikini-Erfinder.

„Der Bikini stößt an die Grenzen des Möglichen. Er beschwichtigt eine Gesellschaft, die Nacktheit verbietet und ist dabei aber viel aufreizender.“ 

Was in Europa funktionierte, klappte auch in Amerika. So gab es etwa eine Verbindung zwischen der Hollywood-Legende Marilyn Monroe und dem Bikini-Erfinder. Damals noch unter dem Namen „Norma Jean Baker“ ließ sie sich in den prüden 1950er-Jahren – ebenso wie Bardot – im Bikini den Bekanntheitsgrad stark steigernd, fotografieren. Zwischen Monroe und Réard gab es kein persönliches Treffen, aber eine geschäftliche Verbindung. So nutzte der Modeschöpfer eine ihrer Fotografien, um für Lingerie zu werben, die er zum Verkauf in seiner Boutique anbot.

Das BikiniARTmuseum besitzt die größte Sammlung an erhaltenen Bademodestücken von Louis Réard (13 von 17), darunter „Der Goldene Réard“, der historisch wertvollste Bikini der Welt. Louis Réard wir in dem 1. Internationalen Museum für Bademode eine eigene Show gewidmet. (© BikiniARTmuseum)

Réard war im Jahr 1946 seiner Zeit weit voraus. Es dauerte Jahre bis zum endgültigen Durchbruch und bis zur Akzeptanz in der breiten Bevölkerung. Ursula Andress´ ikonische James Bond Filmszene, als sie im weißen Gürtelbikini 1962 mit Messer und Muschel in den Händen dem Meer entstieg und die sexuelle Revolution in den 1960er-Jahren etablierten das winzige Badebekleidungsstück, das bis heute die Strände der Welt beherrscht. Wie es der Zufall will, hat Réard seine letzte Ruhe in Lausanne neben Gabrielle „Coco“ Chanel gefunden. Das „kleine Schwarze“ und der „Bikini“ wurden somit als Meilensteine der Modegeschichte über den Tod hinaus vereint.

„Goldener Réard historisch wertvollster Bikini“

Im ersten internationalen Museum für Bademode, dem BikiniARTmuseum, sind Louis Réard und seine Erfindungen breit vertreten. Zu seiner Ehre ist eine eigene Show kreiert worden. Weiterhin befindet sich dort die größte Sammlung an erhaltenen Réard-Bademodenstücken. Dreizehn Bikinis und Badeanzüge werden in verschiedenen Inszenierungen gezeigt. Darunter befindet sich auch „Der Goldene Réard“, der historisch wertvollste Bikini der Welt.

In Zusammenarbeit des BikiniARTmuseums mit Réard-Biografin Ghislaine Rayer entsteht aktuell die erste Biografie über den Bikini-Erfinder Louis Réard. Das Buch wird 2022 erscheinen, doch zu dem besonderen Jubiläum werden schon jetzt ein paar spannende Einblicke in das bislang kaum beleuchtete Leben des Modeschöpfers gegeben und bisher unveröffentlichtes Fotomaterial von Filmikone Brigitte Bardot und Louis Réard, für den der Weltstar bereits mit 19 Jahren modelte, wird gezeigt. Als echtes Marketinggenie verfügte Réard über einen namhaften Hollywood-Kundenstamm: Stars wie Marilyn Monroe, Rita Hayworth, Esther Williams oder Brigitte Bardot warben für seine innovativen Kreationen.

Seit 2021: Bikini gibt es auch für Männer

75 Jahre nach seiner Geburt ist der Bikini noch immer en vogue, doch in Zeiten von Gender Equality und Diversity nicht mehr nur Frauen vorbehalten: Der von der Foundation des BikiniARTmuseums verliehene „JANARA Swimwear Award“ zeichnet dieses Jahr 2021 in der Kategorie „Extravagant & Provocative“ das brasilianische Label „Fernando Cozendey“ aus, das 75 Jahre nach der Bikini-Erfindung den Zweiteiler auch für Männer designt und verkauft.