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Konfektion
© cottonbro auf pexels.com

Unterschiedliche Kleidergrößen: In welchen Ländern welche Konfektion gilt

Dieser Beitrag wurde am 15.06.2020 aktualisiert. Andere Länder, andere Modetrends: Wer im Ausland auf Reisen ist, geht auch gerne mal Kleidung shoppen. Insbesondere in den für Fashion und Haute Couture berühmten Ländern Frankreich und Italien kaufen modebewusste Deutsche gerne neue Outfits. Aber Achtung: Die Konfektionsgrößen der Kleidung unterscheiden sich je nach Land erheblich. Wer die Größendifferenzen kennt, dem bleibt der Schock in der Umkleidekabine erspart, wenn plötzlich die Kleidergröße 38 hinten und vorne nicht sitzt.

Angesichts der Tatsache, dass die EU versucht nahezu jeden Bereich der Konsumgüterindustrie zu normen, verwundert es sehr, dass es noch immer keine europaweit einheitlichen Kleidergrößen gibt. Vor mehr als 20 Jahren (1994) hat die Europäische Kommission zwar die Norm EN 13402 eingeführt, die für einheitliche Anziehsachen und somit für eine genormte Konfektion sorgen sollte, da sie jedoch nicht verpflichtend ist, hält sich auch kaum ein Textilhersteller daran. Ein Grund für die unterschiedliche Berechnung von Kleidergrößen ist die weltweit differierende Körpergröße der Menschen.

Nord-Süd-Gefälle bei Kleidergrößen

So gibt es diesbezüglich ein starkes Nord-Südgefälle – im Norden sind die Menschen signifikant größer als etwa im Süden. Aktuellen Messungen zufolge leben derzeit die größten Europäer in den Niederlanden, wo der durchschnittliche Mann 181,7 cm groß ist (Frau: 166,8) und die kleinsten in Portugal, wo der Durchschnittsmann 169,8 cm misst (Frau 159,9 cm). In Deutschland sind die Herren im Mittel 177 cm und die Damen 165 cm groß.

Video: Das müssen Urlauber beim Shoppen im Urlaub beachten
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Shoppen im Ausland ist besonders auf Urlaubsreisen eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Doch manch einer verzweifelt, wenn es um die richtige Kleidergröße geht. Auslandsexpertin Anne berichtet über unterschiedliche Konfektionsgrößen in den einzelnen Ländern der Welt. Denn auch in Sachen Mode gilt: Andere Länder, andere Größen. Das stellt uns beim Shoppen im Ausland manchmal vor Herausforderungen. Die Gründe dafür sind vielfältig und teils historisch bedingt.

Erfindung der Nähmaschine sorgte für genormte Kleidergrößen

Eine weitere Ursache für die international variierenden Konfektionsgrößen liegt in der Modehistorie. Noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurde Kleidung maßgefertigt. Der erste Betrieb, der Kleidung serienmäßig (also nach Konfektion) herstellte, wurde 1770 in Paris gegründet. Das erste Konfektionshaus, also die erste Modeboutique, die Kleidung in Serienherstellung anbot, etablierte sich 1799 in Hamburg. Der Startschuss für die weltweite Verbreitung genormter Mode fiel mit der Erfindung der Nähmaschine durch den US-amerikanischen Mechaniker Isaac Singer.

Bis 1960 führte dennoch jeder Textilhersteller seine eigenen Größen – erst ab diesem Zeitpunkt wurden zumindest in Deutschland regelmäßig Vermessungen der Bevölkerung durchgeführt, um deren durchschnittliche Körpermaße zu ermitteln. Die letzte Messung fand 2009 unter 13.000 Deutschen statt („SizeGermany“ –> Studie kann hier heruntergeladen werden). Dabei kam heraus, dass im Vergleich zur vormaligen Reihenmessung im Jahr 1994 beispielsweise der Brustumfang bei Frauen um durchschnittlich 2,3 cm und bei Männern sogar um 7,3 cm zugenommen hatte (siehe auch Artikel im Stern).

Konfektion variiert weltweit

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Grafik: Mihai Tufa/freepik

Doch welche Kleidergrößen gelten derzeit in welchem Land und wie kann man diese in Relation zu den deutschen Konfektionsgrößen setzen?

In Deutschland starten die Kleidermaße bei 32 und gehen in Zweierschritten aufwärts (also 32, 34, 36 und so fort).

Frankreich: In der wohl berühmtesten Modenation der Welt schlägt man beim Shopping eine Kleidergröße drauf. Wer 36 trägt, kauft Kleidung in 38.

Italien: In dem zweitbekanntesten Mode-Mekka müssen Fashonistas ganze drei Kleidergrößen addieren, um die passende Konfektion zu erhalten: Wer hierzulande Größe 38 trägt, sollte im Land des Dolce Vita zur Größe 44 greifen.

Großbritannien: Dort starten die Kleidergrößen mit 6, was einer 32 entspricht. Wer normalerweise Konfektion 40 trägt, muss nach Klamotten in 14 suchen. Weiter geht es in Zweierschritten (Größe 42 ist dann 16).

USA: Dort besteht Verwechslungsgefahr mit der britischen Größenfolge. Eine 36 ist in den Staaten eine 8, was auf der britischen Insel einer 10 entspricht. In Amerika gibt es sogar die berühmte „Size Zero“ (Größe 0), was irgendetwas in Richtung Kindergröße sein muss, wenn man bedenkt, dass Größe 32 einer amerikanischen 4 entspricht. Noch häufiger finden Käufer in den USA allerdings die Größenbezeichnungen XS, S, M, L, XL, XXL und so weiter.

Diese Größenfolge ist inzwischen international und steht ganz simpel für extra small (XS), small (S), medium (m), large (L), extra large (XL) und extra, extra large (XXL) und so weiter). Tatsächlich gibt es neben XXL auch XXS, was in Amerika einer Größe 2 und in Großbritannien einer 6 und hierzulande einer 34 entspricht.

Grafik: Mihai Tufa/freepik

Vor allem Personen, die gerne online shoppen und die Kleidung nicht direkt anprobieren können, sollte sich der internationalen Unterschiede bei den Konfektionsgrößen bewusst sein.

Es kommt allerdings noch ein weiterer Aspekt dazu, der es Verbrauchern schwer macht, die richtige Größe beim Shoppen im Ausland zu finden: die Modemarken selbst. Die einzelnen Hersteller interpretieren die Größen nämlich gerne für sich selbst. Das hat marketing- und geschäftsstrategische Gründe. Manche Marken geben gerne eine 40 als eine 38 aus, um ihren Kunden ein gutes Gefühl zu geben.

Andere Mode-Labels wiederum nehmen sich ganz bewusst eine Zielgruppe vor – zum Beispiel zierliche Frauen und schlanke Männer, weil sie ihre Marke gar nicht für alle Menschen zugänglich machen wollen. Das bedeutet, dass Touristen beim Shoppen im Urlaub nach dem Umrechnen nicht nur die Körpermerkmale der jeweiligen Region beachten, sondern auch Markenmerkmale.

Einzelne Marken „schummeln“ bei der Konfektion

Das bestätigt auch eine Umfrage der zufolge die Kleidungsstücke vor allem bei H&M kleiner ausfallen, aber auch Esprit und New Yorker schneidern enger als die Befragten es gewohnt sind. Zwar sind Frauen mit der gängigen figurbetonten Damenmode häufiger betroffen, aber auch die Herren habe so ihre Probleme, wenn es um die Passform ihrer Kleidung geht.

Die folgende Grafik zeigt den Anteil der Befragten, denen Kleidung in ihrer Standardgröße in folgenden Ländern eher/viel zu klein ist

Infografik: Wo die Kleidung am häufigsten zwickt | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista