young female tourist with backpack, raised hand

Azubis in Hamburg immer offener für Auslandserfahrung

Sechs Prozent eines Ausbildungsjahrgangs in Hamburg nehmen an einem Mobilitätsprogramm der berufsbildenden Schulen teil. Damit liegt Hamburg deutlich über dem Bundesdurchschnitt (drei Prozent) und hat die von der Europäischen Kommission für das Jahr 2020 angestrebte Zielmarke von sechs Prozent bereits jetzt erreicht – Tendenz steigend.

Schulsenator Ties Rabe begrüßt diese erfreuliche Entwicklung: „Unser Ziel ist es, Auslandsaufenthalte zu einem festen Bestandteil der Berufsausbildung zu machen.“ Es sei wichtig, dass junge Menschen während ihrer Ausbildung Verständnis für andere Arbeitswelten und Kulturen gewinnen. Indem sie Praktika im Ausland absolvieren, nehmen sie zudem Einblick in andere Technologien und Arbeitsprozesse. Sie werden selbstsicherer, weltoffen und sensibel für Vielfalt. Das ist auch für den internationalen Wirtschaftsstandort ein großer Gewinn. Ich freue mich, dass viele junge Menschen diese Chance wahrnehmen.

800 Azubis aus Hamburg waren 2011 im Ausland

Rund 800 Auszubildende im zweiten Ausbildungsjahr nahmen im vergangenen Jahr im Rahmen des Mobilitätsprogramms an mehrwöchigen Auslandspraktika teil. Fast alle berufsbildenden Schulen in Hamburg sind beteiligt und führen weltweit verschiedene Mobilitätsprojekte durch. Dabei sind in den letzten Jahren intensive Partnerschaften und Kooperationen mit ausländischen Berufsbildungseinrichtungen, Unternehmerverbänden und einzelnen Betrieben gewachsen. Ein Großteil der Auslandsaufenthalte (56 Prozent) ist im Rahmen des Leonardo da Vinci-Mobilitätsprogramms der Europäischen Union (EU) finanziert. Die Organisation der Projekte in Hamburg wird zudem durch den Europäischen Sozialfond unterstützt. Der Kooperationspartner Arbeit und Leben e.V. verfügt dafür über ein weltweites Netzwerk von Partneragenturen und Kontakten zu Unternehmerverbänden, Kammern und Ausbildungseinrichtungen. Darüber hinaus bieten viele Ausbildungsbetriebe und international tätige Unternehmen berufsbezogene Auslandsaufenthalte für ihre Azubis an.

Betriebspraktika und fachbezogene Sprachkurse möglich

Neben den Betriebspraktika sind häufig auch fachbezogene Sprachkurse und Besuche von Berufsbildungseinrichtungen Teil der Mobilitätsprogramme. Übereinstimmend wird von den jungen Teilnehmern bestätigt, dass sie dadurch selbständiger, selbstsicherer und sicherer im Umgang mit internationalen Geschäftspartnern werden. Sie gewinnen an Flexibilität und Teamfähigkeit. Kurz: Sie wissen, dass sie mit neuen Herausforderungen klar kommen können. Diese Fähigkeiten werden ebenfalls von den heimischen Ausbildungsbetrieben sehr geschätzt. Die Kammern und Unternehmerverbände in Hamburg unterstützen daher das Mobilitätsprogramm.

Um die Akzeptanz von Auslandspraktika in der Wirtschaft weiter zu erhöhen, können künftig mit Hilfe des European Credit System for Vocational Education and Training (ECVET) Lerneinheiten für Auslandspraktika formuliert und später zertifiziert werden. Damit könnten Auslandspraktika auch für die berufliche Ausbildungszeit angerechnet werden.

Köche, Fleischer und Traiteure in Marseille

Mit einem Leonardo da Vinci-Stipendium 3 Wochen im Ausland arbeiten: Das trifft seit zehn Jahren auf inzwischen über 300 Teilnehmer/innen der Staatlichen Gewerbeschule Gastronomie und Ernährung (G 11) zu. Allein im Jahr 2011 waren 81 Azubis der G 11 mobil. Damit war die G 11, Spitzenreiter aller berufsbildenden Schulen Hamburgs.

Die G 11 entwickelt durch direkte Vereinbarungen mit den Partnerorganisationen Lernmodule, die die beruflichen Besonderheiten des Gastlandes spiegeln. So wurde z.B. das Ausbildungsprojekt „Traiteur“ mit dem „Lycée et CFA Hôtelier Bonneveine“ in Marseille und Hamburg für angehende Köche, Fleischer, Fleischereifachverkäufer und Traiteurs vereinbart. Neben dem Leonardo da Vinci-Programm ermöglicht das Deutsch-Französische Sekretariat für den Austausch in der beruflichen Bildung die Partnerschaft zur Hotelfachschule Marseille. Zudem zeigen Comenius-Projekte in einem Austausch mit Schweden (Täby/Stockholm) und Finnland (Turku) sowie in einem Austausch mit Frankreich (Le Mans) und Italien (Lecce) den Auszubildenden Arbeitsweisen, Ausbildungssysteme und kulturelle Besonderheiten der Partnerländer und Partnerschulen auf.

Kontakt: Doris Pudwill-Lehmann, Staatliche Gewerbeschule Gastronomie und Gewerbe (G 11),
E-Mail: pudwill-lehmann@g-11.de

Erfahrungen im Einzelhandel von Liverpool

Die Berufliche Schule Eppendorf (H 13) wertet den schulischen Teil der Berufsausbildung für Kaufleute im Einzelhandel seit mehreren Jahren durch einen dreiwöchigen Auslandsaufenthalt auf. 2012 fahren wieder 8 Azubis nach Liverpool. Das Programm umfasst zunächst einen 1-wöchigen Sprachkurs mit Focus auf die berufliche Tätigkeit. Im Anschluss daran folgen Praktika in Einzelhandelsbetrieben in Liverpool. In der zweiten Woche findet vormittags zusätzlich der Besuch der berufsorientierten Partnerschule statt.

Kontakt: Christiane Schadow, E-Mail: christiane.schadow@hibb.hamburg.de

Mehr zum Thema:

Ausbildung im Ausland

Als Azubi ins Ausland – Neue Broschüre

Wirtschaftsakademie vergibt 30 Auslandsstipendien für Azubis

Foto: © Marcin Sadlowski – Fotolia.com