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Mit Chinas Fachkräften wachsen

Am 17. April hat zum zweiten Mail die Sino-HR-Konferenz – eine Plattform für deutsch-chinesisches Personalmanagement – stattgefunden. Rund 80 Teilnehmer kamen nach Frankfurt am Main, um sich über die aktuellen Entwicklungen im deutsch-chinesischen Personalmarkt zu informieren. Veranstalter Dirk Mussenbrock von der auf den Markteintritt in China spezialisierten Mussenbrock & Wang GmbH hatte ein sehr aktuelles Themenprogramm geschnürt und konnte durchweg versierte Redner gewinnen.

Von 30 auf 30.000 chinesische Studenten in Deutschland

So hielt die Keynote-Rede Professor Liqiu Meng, die Vizepräsidentin der Technischen Universität (TU) München. In ihrem Vortrag erinnerte sie daran, dass 1978 lediglich 30 chinesische Studierende deutsche Hochschulen besuchten. Im Jahr 2012 waren es bereits 30.000. Insgesamt 350.000 chinesische Wissenschaftler besuchten in den vergangenen 30 Jahren Deutschland – ein Drittel blieb für immer. Leider, so Meng, sind von diesen Akademikern weniger als 30 Professoren an deutschen Hochschulen geworden. Meng appellierte daher an die Universitäten, chinesische Austauschstudenten zu integrieren und ihren betreuenden Dozenten ein interkulturelles Coaching zu finanzieren. Die gravierenden interkulturellen Unterschiede führen oftmals dazu, dass sich die Gaststudenten aus China isolieren und sich somit gegen ein Leben in Deutschland entscheiden.

Meng äußerte aber auch Verständnis für Berührungsängste seitens deutscher Wissenschaftler und auch Unternehmen. So seien Chinesen proaktives Handeln nicht gewöhnt und im Arbeitsleben komme ein opportunistisches Auftreten gepaart mit Illoyalität durchaus vor. Deutschen, die in China leben und arbeiten wollen, riet die Wissenschaftlerin für Kartografie, unbedingt Chinesisch zu lernen.

Interkulturelle Vorbereitung auf China ein Muss

Ob und wann ein interkulturelles Training für Deutsche in China sinnvoll ist, erläuterte Jonas Polfuß, Dozent und Doktorand am Institut für Sinologie und Ostasienkunde der Universität Münster. Er betonte, dass Deutsche generell einen guten Stand bei der chinesischen Bevölkerung haben – auch wenn die Ratgeberliteratur oft etwas anderes behauptet. Eine Umfrage unter chinesischen Mitarbeitern, die einen Deutschen zum Chef haben, förderte allerdings auch harte Kritik zutage. So bemängelten die Mitarbeiter vor allem die Ignoranz und Ungeduld ihrer Vorgesetzten. Zudem äußerten sie den Wunsch, dass deutsche Führungskräfte in China sich intensiver als bisher mit der chinesischen Kultur, Sprache und Kommunikation generell auseinandersetzen sollten. Ein professionelles vorbereitendes interkulturelles Training ist laut Polfuß nicht nur hilfreich, sondern erforderlich. Allerdings sollte dieses nicht lediglich Fallbeispiele oder chinesische Sprichwörter analysieren, sondern die Teilnehmer aktiv einbinden.

Junge Chinesen mit Social Media rekrutieren

Als besonders aufschlussreich empfanden viele teilnehmenden Personalverantwortlichen mit China-Bezug den Vortrag von Brigitte Liermann, Partnerin bei Trommsdorff & Drüner, Innovation & Marketing zum Thema Social Media für die Rekrutierung chinesischer Fach- und Führungskräfte. Demnach sucht aktuell jeder vierte Absolvent über soziale Medien nach einem potenziellen Arbeitgeber. Dabei haben sich analog zu den in China verbotenen Plattformen Facebook und Twitter eigene immens stark frequentierte Angebote entwickelt. Wer bei der Personalsuche nicht das Nachsehen haben will, müsse sich mit diesen heimischen Kanälen zwingend auseinandersetzen.

Sehr praxisnah und anschaulich erläuterte Professor Yasmin Mei-Yee Fargel, wie die BMW Gruppe chinesische Nachwuchskräfte rekrutiert. Dabei machte sie deutlich, dass BMW trotz einer Mitarbeiteranzahl von 10.000 vor Ort in China im Vergleich zu vielen nationalen Konzernen als kleiner Arbeitgeber gilt. Ohnehin hätten chinesische Unternehmen in den letzten Jahren gegenüber ausländischen Gesellschaften stark an Attraktivität gewonnen. Grund dafür sind die Schaffung besserer Anreizstrukturen, eine höhere Krisensicherheit, das Fehlen einer „gläsernen Decke“ für Chinesen, ein kulturadäquater Führungsstil sowie der Nationalstolz des heimischen Nachwuchses.

Generation der Einzelkinder

Fargel wies zudem auf einen nicht zu unterschätzenden Umstand hin, dessen sich ausländische Arbeitgeber stets bewusst sein müssten: Die gut ausgebildete Generation Y ist aufgrund der 1978/1979 eingeführten chinesischen Ein-Kind-Politik eine Einzelkindergeneration und damit sei sie sehr viel Aufmerksamkeit gewöhnt.

Weitere spannende Vorträge lieferten unter anderem Dr. Niels Seibert von der Kanzlei Burkardt, Peters & Partner Rechtsanwälte in Shanghai – er referierte über das neue chinesische Leiharbeitsgesetz zum 1. Juli 2013 -, Martin Tjan von der Personalberatung EunaCon, der neue Vergütungsmodelle erläuterte und Rechtsanwältin Julia Tänzler-Motzek, die den Zuhörern souverän das komplexe Gewerkschaftssystem der asiatischen Volksrepublik näher brachte.

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