»Wir wollen den in China aktiven Unternehmen die Verunsicherung nehmen«

Die Region Greater China bietet für deutsche Unternehmen ungebrochen großes Geschäftspotenzial. Erstmals informiert eine Konferenz über aktuelle Entwicklungen des deutsch-chinesischen Personalmanagements. Initiator Dirk Mussenbrock, Geschäftsführer der auf den Markteintritt in Greater China spezialisierten Mussenbrock & Wang GmbH, sagt, was der Kongress Teilnehmern bietet.

EXPAT NEWS: Am 13. Juni findet in Frankfurt erstmals die Sino HR Konferenz statt. Es ist damit die erste deutsch-chinesische Personalkonferenz hierzulande. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Mussenbrock: Wir haben letztes Jahr die SinoJobs Careerdays sehr erfolgreich in mehreren deutschen Städten durchgeführt. Diese Karriere- und Weiterbildungsmesse unterstützt deutsche Unternehmen bei der Personalsuche mit Fokus auf China. Viele der ausstellenden Unternehmen wünschten sich eine Veranstaltung, die sich hauptsächlich mit Personalthemen mit Schwerpunkt China auseinandersetzt. In den letzten Jahren gab es in Greater China viele Veränderungen, darunter die Einführung eines neuen Sozialversicherungsgesetzes. Bei den in China aktiven Unternehmen und bei solchen, die den Markteintritt wagen wollen, herrscht großer Informationsbedarf zu rechtlichen Themen – aber auch zu Personalgewinnung, Lohnentwicklung und dem Thema Gewerkschaften. Die Sino HR Konferenz will deutlich mehr Klarheit schaffen.

EXPAT NEWS: Wer ist Zielgruppe für diese Veranstaltung?

Mussenbrock: Wir sprechen mit der Konferenz Geschäftsführer, Personalleiter und Personalverantwortliche aus Unternehmen an, die in China aktiv sind oder aktiv werden wollen. Bei dem Event haben diese zudem Gelegenheit, Erfahrungsberichte miteinander auszutauschen.

EXPAT NEWS: Welche Themen erwarten die Besucher?
Mussenbrock: Im Vordergrund stehen Vorträge und Diskussionen zu interkulturellen Trends, zum Arbeits- und Sozialversicherungsrecht, zur Krankenversorgung in China und auch Themen wie Gewinnung von chinesischem Personal, Berufsbildung oder Gewerkschaften in China stehen auf der Agenda. Die Teilnehmer werden ein sehr umfangreiches Wissen rund um die wichtigsten Markteintrittsbedingungen für China in einer straffen Zeit erlangen.

EXPAT NEWS: Wie viele Aussteller und Teilnehmern erwarten Sie?

Mussenbrock: Es werden insgesamt acht Organisationen und Firmen präsent sein, darunter Finnair, Sterling, International SOS und natürlich der BDAE. Wir rechnen mit insgesamt 60 bis 70 Teilnehmern – eine gute Zahl, um anregende Gespräche zu führen und sich untereinander zu vernetzen.

EXPAT NEWS: Was sollten deutsche Unternehmen neben den zwischenmenschlichen und kulturellen Aspekten beachten, wenn sie eine Niederlassung in China gründen wollen?

Mussenbrock: Ein sehr komplexes Thema. Wichtig ist vor allem das Vier-Augen-Prinzip. Neben einem chinesischen Repräsentanten sollte mindestens eine wichtige Funktion im Unternehmen – z.B. der Bereich Finanzen – mit einem Deutschen besetzt sein. Suchen Sie sich neutrale Verbündete vor Ort, denen Sie vertrauen und hören Sie diesen aufmerksam zu. Gut funktionierende Netzwerke sind das A und O. Im Hinblick auf das immer noch große Problem der Unternehmensspionage rate ich ausländischen Firmen stets dazu, eine ent- sprechende Schutzstrategie zu entwickeln und auch umzusetzen.  Allzu oft ist es schon vorgekommen, dass sich wenige Monate nach dem Markteintritt in China ein fast identisches Unternehmen zwei Blocks weiter gegründet hat.

EXPAT NEWS: Wie wichtig ist vor diesem Hintergrund eine interkulturelle Schulung?

Mussenbrock: Ein solches Training ist für die Vorbereitung für einen Auslandsaufenthalt grundsätzlich von großer Bedeutung. Dies kann durch Lektüre oder einen Seminarbesuch erfolgen. Sich auf die Besonderheiten des jeweiligen Landes vorzubereiten, ist aus meiner Sicht inzwischen Pflicht und kann den Erfolg von geschäftlichen Aktivitäten maßgeblich beeinflussen.

EXPAT NEWS: Welche Charaktereigenschaft der Chinesen hat Sie am meisten überrascht?

Mussenbrock: Chinesen sind es gewohnt, Dinge auswendig zu lernen. Ein Deutscher hingegen weiß genau, wo er die relevanten Informationen etwa zu einem aktuellen Projekt findet. Der Chinese hat sich die entscheidenden Informationen vorher eingeprägt. Das ist oftmals sehr beeindruckend. Aber: Es gibt rund 1,3 Milliarden chinesische Bürger, insofern ist es schwer, DEN typischen Chinesen zu charakterisieren.

 

Sino HR Konferenz:

•    Wann: 13. Juni ab 8:30 Uhr
•    Wo: Congress Hotel Frankfurt/Main
•    Kosten: 595 Euro pro Person (BDAE-Mitglieder erhalten zehn Prozent Rabatt)
•    Veranstalter: Mussenbrock & Wang (www.mussenbrockwang.com)
•    Web: www.sino-hr-conferen ce.de

Mehr zum Thema:

Erste deutsch-chinesische Personalkonferenz am 13. Juni in Frankfurt