Anzeige
Urlaub mit Herzkrankheit
© chaphot - AdobeStock

Was beim Reisen mit einer Herzkrankheit wichtig ist

Höhe, Hitze, Tropenklima und dreckige Luft können Herzkranke zusätzlich belasten. Was man bei Rhythmusstörungen und einem Herzschrittmacher, bei Herzschwäche oder nach einem Herzinfarkt wissen sollte, erläutert die Herzstiftung.

Auch Menschen mit Herzkrankheiten wie koronarer Herzkrankheit (KHK), Herzrhythmusstörungen, Klappenerkrankungen und Herzschwäche (Herzinsuffizienz) müssen in der Regel nicht aufs Reisen verzichten. Wer mit Herzerkrankung den Sommer zum Verreisen nutzt, sollte seine Reise allerdings gut planen. „Grundsätzlich sollten Betroffene immer rechtzeitig mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt Rücksprache halten, ob und wann eine Reise möglich ist oder nicht“, so Mediziner Dr. Magnus Baumhäkel.

Der niedergelassene Kardiologe und Gefäßspezialist in Saarbrücken rät Herzkranken, sich bereits vier bis sechs Wochen vor der Reise nochmals untersuchen zu lassen, damit die Stabilität der Erkrankung überprüft und die Medikation eventuell geändert werden kann. So lassen sich Risiken durch Überbelastungen oder Fehleinschätzungen vermeiden. Auch sollte eine Reise-Checkliste für Patientinnen und Patienten zu hilfreichen Punkten wie Krankheitsunterlagen eingepackt werden (zum Beispiel letzter OP-, Ultraschall- oder Röntgenbericht) und ein Medikamentenplan mitgeführt werden. Weitere Infos gibt es Herzstiftung.

Belastbarkeit bei Herzkrankheit prüfen

Erster Anhaltspunkt, ob eine Reise empfehlenswert ist, ist die Frage nach der Belastbarkeit. Generell gilt: Die körperliche Leistungsfähigkeit sollte nicht wesentlich eingeschränkt sein. Bestimmte Eingriffe und Erkrankungen am Herzen sollten eine bestimmte Zeit zurückliegen, um sicher in den Urlaub fahren zu können:

Eine Aufdehnung der Herzkranzgefäße, das Einsetzen eines implantierbaren Defibrillators oder eines Herzschrittmachers sollte in der Regel ein bis zwei Wochen vor Reiseantritt zurückliegen. Kurzfristigere Reisen sind möglich, sollten aber mit dem behandelnden Arzt/Kardiologen abgesprochen werden. Ein Herzinfarkt oder eine Herzoperation sollten zwei bis vier Wochen zurückliegen.

„Tropische und subtropische, arktische und subarktische Klimata sind für Herzpatienten grundsätzlich nicht zu empfehlen, weil sie das Herz-Kreislauf-System zu sehr anstrengen.“

Bei der Wahl des richtigen Urlaubsziels sollten Herzpatienten den Klima- und Zeitwechsel berücksichtigen. Sehr hohe Temperaturen können ohne Vorsichtsmaßnahmen bei vorbelasteten Menschen beispielsweise einen Kreislaufkollaps oder Herzrhythmusstörungen auslösen. Aufenthalte in großen Höhen können den Herzmuskel zu stark belasten und im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen. Vor allem in Höhen über 2500 m sorgt die „dünnere“ Luft für weniger Sauerstoff in den Arterien. Das Herz steuert dem via Sympathikusaktivierung entgegen, wodurch unter anderem die Herzschlag-Rate steigt. Dies belastet allerdings ein ohnehin schwaches Herz zusätzlich.

Urlaub mit Herzkrankheit

Die körperliche Leistungsfähigkeit sollte nicht wesentlich eingeschränkt sein, wenn herzkranke Personen, Urlaubsreisen unternehmen.

„Tropische und subtropische, arktische und subarktische Klimata sind für Herzpatienten grundsätzlich nicht zu empfehlen, weil sie das Herz-Kreislauf-System zu sehr anstrengen“, betont Baumhäkel und fügt hinzu: „Sinnvoller ist es, eine Klimazone zu wählen, an die der Körper bereits gewöhnt ist.“ Optimale Reisezeiten für Herzpatienten sind das Frühjahr und der Herbst.

Luftqualität am Reiseziel vorab checken

Auch Luftverschmutzung kann das Herz-Kreislauf-System belasten. Schadstoffe in der Luft wie Feinstaub, Kohlenmonoxid und Stickoxide begünstigen Entzündungen, entzündliche Botenstoffe aus der Lunge gelangen in den Kreislauf und wirken sich begünstigend auf Gefäßerkrankungen wie Ablagerungen in den Arterienwänden (Arteriosklerose) aus. Das gilt etwa für eine KHK, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck. Baumhäkel warnt, dass sich je nach Art der Herz- oder Kreislauferkrankung Luftverschmutzung am Reiseziel bereits innerhalb kurzer Zeit ungünstig auf die Erkrankung auswirken kann, im schlimmsten Fall eine Komplikation wie Herz- oder Hirninfarkt auslösen oder bei Herzinsuffizienz-Patienten zu einem Krankenhausaufenthalt führen kann. Herzpatienten sollten sich daher vorab über die Luftqualität vor Ort informieren. Infos zur Luftqualität weltweit sind unter waqi.info abrufbar.

„Wer schwimmen will, sollte das vorab mit seiner Ärztin oder seinem Arzt besprechen.“

Am Urlaubsort sollten Herzpatientinnen und -patienten sich langsam eingewöhnen und beispielsweise in den ersten Tagen auf Bergtouren verzichten oder lange Sonnenbäder vermeiden. Regelmäßige leichte bis mittlere Belastung ist auch im Urlaub wünschenswert, etwa Wandern oder Radfahren – allerdings nicht in der Mittagssonne. „Wer schwimmen will, sollte das vorab mit seiner Ärztin oder seinem Arzt besprechen. Denn beim plötzlichen Einsteigen in sehr kaltes Wasser oder beim Ausstieg kann es unter Umständen zu Kreislaufproblemen kommen“, so Baumhäkel.

Patienten, die Medikamente nehmen, sollten ihre gewohnte Einnahmezeit beibehalten, denn so ist die Gefahr am geringsten, dass das Medikament vergessen wird. Da sich im Urlaub die Essgewohnheiten ändern können, sollten Herzpatientinnen und -patienten, die wegen einer künstlichen Herzklappe oder Vorhofflimmern den Gerinnungshemmer Marcumar einnehmen, ihre Gerinnung in kürzeren Abständen kontrollieren. Fettreiche Kost und ein ungewohnt hoher Konsum vitamin-K-haltiger Lebensmittel können die Marcumar-Wirkung beeinträchtigen.

Wer sollte aufs Reisen verzichten?
In bestimmten Fällen wird Menschen mit Herzerkrankungen davon abgeraten, eine Reise anzutreten. Dazu gehören Patientinnen und Patienten mit:

  • Angina pectoris (Brustenge) bei geringen Belastungen wie zum Beispiel Treppensteigen,
  • zunehmender Angina pectoris (Brustenge),
  • Luftnot bei geringer Belastung wie Gehen zu ebener Erde oder Treppensteigen,
  • zunehmender Luftnot oder zunehmenden Ödemen,
  • wiederholtem Schwindel
  • und plötzlicher Bewusstlosigkeit (Synkopen).

Herz-Tipp bei implantierbarem Defibrillator/Herzschrittmacher

Einige Schrittmachersysteme verfügen über die Möglichkeit, eine circadiane Rhythmik zu programmieren. Bei einem Wechsel der Zeitzonen sollte diese Funktion zuvor deaktiviert werden. Im Rahmen von Sicherheits-Checks können die begehbaren Detektoren mit Schrittmachern/Defibrillatoren benutzt werden. Manuelle Metalldetektoren sollten jedoch möglichst nicht direkt über das Aggregat geführt werden (Schrittmacherausweis vorzeigen).

Reisehilfen für Herzpatient*innen

Damit Herzpatientinnen und -patienten möglichst sicher auf Reisen gehen können, bietet die Herzstiftung ein kostenfreies Reise-Set (eine Checkliste zur Reise-Vorbereitung, ein medizinischer Sprachführer für Herznotfall im Ausland, ein Notfallausweis) und weitere hilfreiche Materialien an: herzstiftung.de/urlaub-herzpatientherzstiftung.de/urlaub-herzpatient.

Quelle: Deutsches Gesundheitsportal