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© yellow_man - AdobeStock

Diese Länder bieten die beste und die schlechteste Work-Life-Balance

Die Italiener*innen bekommen es laut aktueller Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) besonders gut hin, Beruf und Privatleben miteinander zu vereinbaren. Auch die dänische Bevölkerung schneidet gut ab, wie der Better Life Index für 2020 zeigt. Für diesen hat die Organisation die Balance zwischen Arbeit und Freizeit in den 38 Mitgliedsländern plus Russland, Brasilien und Südafrika untersucht. Demnach schneidet auch Deutschland gut ab.

Arbeitszeit ist wichtigster Indikator für Work-Life-Balance

Der wichtigste Aspekt für eine gute Work-Life-Balance ist laut der Studie die Arbeitszeit. In Italien arbeiten nur drei Prozent der Beschäftigten überlang (50 Stunden oder mehr pro Woche). In Deutschland liegt der Wert bei vier Prozent – beide Länder liegen damit deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von zehn Prozent. Die Autor*innen betonen, dass viele Hinweise darauf hindeuten, dass lange Arbeitszeiten die Gesundheit beeinträchtigen, die Sicherheit gefährden und den Stress erhöhen.

Work-Life-Balance in Italien am besten

Quelle: Statista

In Italien wird viel Wert auf Freizeit gelegt

Je mehr die Menschen arbeiten, desto weniger Zeit haben sie für andere Aktivitäten, wie zum Beispiel Zeit mit anderen zu verbringen, Freizeitaktivitäten, Essen oder Schlafen. Der Umfang und die Qualität der Freizeit sind wichtig für das allgemeine Wohlbefinden der Menschen und können zusätzliche Vorteile für die körperliche und geistige Gesundheit bringen. In Italien widmen Vollzeitbeschäftigte im Durchschnitt 69 Prozent ihres Tages, das heißt 16,5 Stunden, der Körperpflege (Essen, Schlafen usw.) und der Freizeit (Kontakte mit Freunden und Familie, Hobbys, Spiele, Computer- und Fernsehnutzung usw.) – mehr als der OECD-Durchschnitt von 15 Stunden.

Flexjobs für flexible Arbeitszeiten in Dänemark

In Dänemark arbeitet nur rund ein Prozent der Beschäftigten sehr lange im Rahmen einer bezahlten Tätigkeit, das ist deutlich weniger als der OECD-Durchschnitt von zehn Prozent.

In Dänemark wurden sogenannte Flexjobs eingeführt, um Arbeitnehmenden entgegenzukommen, die in einem anderen Tempo arbeiten oder kürzere Arbeitszeiten benötigen. Im Rahmen dieser Vereinbarungen bezahlen die Arbeitgeber ihre Angestellten auf der Grundlage der tatsächlich geleisteten Arbeit. Je nach Lohnniveau können die Arbeitnehmer*innen auch Anspruch auf einen zusätzlichen Zuschlag haben. Flexjob-Vereinbarungen werden für einen Zeitraum von fünf Jahren gewährt, danach wird die Anspruchsberechtigung neu bewertet. Zu diesem Zeitpunkt gewähren die Gemeinden manchmal Arbeitnehmenden, die über 40 Jahre alt sind, einen festen Platz in einem Flexjob.

Das Universitätskrankenhaus Aalborg beispielsweise nutzt Flexjob-Vereinbarungen, um die Arbeitsbelastung älterer Arbeitnehmer*innen zu verringern. Solche, die älter als 58 Jahre sind, können ihre Arbeitszeit reduzieren, während sie die gleichen Rentenbeiträge von ihrem Arbeitgeber erhalten. Sie können ferner spezielle Arbeitsbewertungen und feste Arbeitszeiten beantragen und sich von Wochenend- und Feiertagsarbeit freistellen lassen. Ältere Angestellte mit chronischen Krankheiten können einen leichteren Dienst beantragen. Das Krankenhaus hat außerdem ein Wohlfahrtsteam eingerichtet, um die physischen und psychischen Bedingungen am Arbeitsplatz zu verbessern, Fehlzeiten aufgrund von Krankheit oder Ausgrenzung zu verhindern und Arbeitsunfälle zu vermeiden.

Mexiko hat schlechteste Work-Life-Balance

Mexikaner*innen haben es im internationalen Vergleich besonders schwer mit der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Auch in Kolumbien schneiden Arbeitnehmer*innen schlecht ab.

Den Ergebnissen der Studie zufolge sind es aber auch hochentwickelte Industrienationen, in denen die Work-Life-Balance aus dem Gleichgewicht gerät. So befinden beispielsweise Japan, Südkorea und Israel unter den letzten acht Ländern im Ranking. Auch die USA und das Vereinigte Königreich sind mit einer Wertung von 5,2 und 5,6 weit entfernt von der Bestmarke.

Work-Life-Balance in Mexiko schlecht

In Mexiko hingegen arbeiten 27 Prozent der Beschäftigten sehr lange im Rahmen einer bezahlten Tätigkeit, das ist der höchste Wert in der OECD, wo der Durchschnitt bei zehn Prozent liegt.

Deutschland will Vereinbarkeit von Job und Familie verbessern

In Deutschland widmen Vollzeitbeschäftigte durchschnittlich 65 Prozent ihres Tages, also 15,6 Stunden, der Körperpflege (Essen, Schlafen usw.) und der Freizeit (Kontakte mit Freunden und Familie, Hobbys, Spiele, Computer- und Fernsehnutzung usw.) – etwas mehr als der OECD-Durchschnitt von 15 Stunden.

Das letzte Memorandum zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland aus dem Jahr 2015 knüpft an frühere Chartas an, die im Rahmen des Unternehmensnetzwerks Erfolgsfaktor Familie vom Familienministerium entwickelt wurden, um zu ermitteln, wo Fortschritte bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie erzielt wurden und wo noch Herausforderungen bestehen. Die Politik fordert eine gleichberechtigte Aufteilung der Care-Arbeit zwischen Männern und Frauen und appelliert an die Arbeitgeber, Gleitzeitregelungen und reduzierte Vollzeitarbeitszeiten für Väter und Mütter (vollzeitnah) sowie eine erschwinglichere, hochwertige Kinderbetreuung anzubieten. Die Reform der Elternzeit von 2015 hat es Eltern auch erleichtert, Teilzeitarbeit und Elternzeit zu kombinieren, und bietet finanzielle Anreize, um beide Partner in einer Familie zu ermutigen, mindestens vier Monate lang 25-30 Stunden pro Woche einer bezahlten Arbeit nachzugehen.