Anzeige
© Halfpoint - AdobeStock

Covid-19 und Influenza: So unterschiedlich ist die Bereitschaft weltweit, sich impfen zu lassen

Fast sieben von zehn US-Amerikanern wären daran interessiert sich gegen  COVID-19 impfen zu lassen, wenn sie zur Verfügung steht – also mehr als beispielsweise bei der Grippe. Zu diesem Ergebnis kam eine Umfrage der Ohio State University. Es gibt jedoch vor allem bei Afroamerikanern eine besorgniserregende Lücke in der Impfbereitschaft. Dabei sind es genau diese, die überproportional unter dem Virus leiden.

Im Mai 2020 befragten die Forscher mehr als 2.000 US-Amerikaner. Ermittelt wurden ihre Bereitschaft zur Impfung und elf Faktoren, die diese Entscheidung beeinflussen können. Mit 1.374 von 2.006 Teilnehmern gaben 69 Prozent an, dass sie sich „auf jeden Fall“ oder „wahrscheinlich“ impfen lassen würden. 17 Prozent der Befragten waren sich „nicht sicher“ und 14 Prozent waren „wahrscheinlich“ oder „definitiv“ nicht dazu bereit. „Das Interesse ist größer als das, das wir normalerweise bei einer Grippeimpfung oder anderen Impfungen sehen, wo es im Interesse der öffentlichen Gesundheit ist, einen umfassenden Schutz zu erreichen“, meint Forschungsleiter Paul Reiter im pressetext-Beitrag. Er hatte dies in Anbetracht der Art der Pandemie und der Schwere der Erkrankungen vieler Personen bereits erwartet.

Die wichtigsten Kriterien für die Akzeptanz einer Impfung waren ihre Wirksamkeit und ob sie von Gesundheitsdienstleistern empfohlen wird. Die von den Menschen durch Covid-19 wahrgenommene Bedrohung ihrer Gesundheit spielte bei der Bereitschaft zu einer Impfung ebenfalls eine große Rolle. Das entspreche laut Reiter dem Verhalten in vielen Bereichen des Gesundheitswesens. „Wird ein höheres Risiko eines Gesundheitsproblems wahrgenommen, führt das wahrscheinlicher zu einem entsprechenden Gesundheitsverhalten wie in diesem Fall zu einer Impfung.“

Konservative und Schwarze ablehnend

Ein den Forschern zufolge eher unerwartetes Ergebnis dieser Studie ist der Zusammenhang zwischen politischer Ausrichtung und der Bereitschaft, eine öffentliche Gesundheitsintervention anzunehmen. Teilnehmer, die sich selbst als liberal oder gemäßigt ansahen, waren deutlich eher bereit, eine Impfung zu akzeptieren. Laut Reiter ist Covid-19 in vielen Bereichen zu einem politischen Thema geworden. Er glaube, dass viele Menschen ohne viel nachzuforschen eine entsprechende Entscheidung treffen. „Das haben wir auch mit dem Tragen von Masken erlebt. Es handelt sich dabei um eine vielversprechende gesundheitspolitische Intervention, die zu einem politischen Pulverfass geworden ist.“

Das besorgniserregendste Ergebnis der Studie war, dass nur 55 Prozent der schwarzen Teilnehmer bereit wären, sich impfen zu lassen. Dabei sei laut Reiter gerade diese Bevölkerungsgruppe überproportional von COVID-19-Infektionen und -Todesfällen betroffen. Er geht davon aus, dass hier mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Dazu gehören der Zugang zu medizinischer Versorgung, das Vertrauen in die Gesundheitsversorgung und mögliche sozioökonomische Barrieren.

Kosten wichtiger Faktor

Die Verringerung dieser Barrieren ist wichtig, da nur 35 Prozent der Teilnehmer 50 Dollar (rund 42 Euro) oder mehr für eine Impfung zahlen würden. Anfang September haben laut dem gemeinnützigen Forschungsunternehmen Kaiser Family Foundation (KFF) zehn Bundesstaten Pläne verlautbart, dass sie die Impfung gratis zur Verfügung stellen wollen. Eine Impfrate von 70 Prozent, wie in der Studie ermittelt, hält der Experte zur Bekämpfung von Covid-19 und für das Erreichen einer Herdenimmunität für zu gering. Sollte bei der Impfung mehr als eine Dosis erforderlich sein, würden die Herausforderungen an das Gesundheitssystem weiter steigen.

Impfen

Obwohl die Umfrage vor vier Monaten durchgeführt wurde, geht Reiter nicht davon aus, dass sich in der öffentlichen Wahrnehmung sehr viel geändert hat. Faktoren, die mit dem Näherrücken eines Impfstoffes an Einfluss gewinnen könnten, seien die Kosten und die Anzahl der erforderlichen Dosen. Die Forschungsergebnisse wurden in „Vaccine“ veröffentlicht.

Nur jeder zweite Deutsche würde sich gegen Covid-19 impfen lassen

Die Frage um die Corona-Impfung spaltet nicht nur die US-Amerikaner, sondern auch die Deutschen, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergeben hat. Nur knapp jeder zweite Deutsche (49 Prozent) würde sich gegen das Coronavirus impfen lassen, wenn es einen Impfstoff gäbe. Jeder Vierte (26 Prozent) würde dies vielleicht tun.

Am niedrigsten ist die Bereitschaft zur Impfung hingegen unter den 25-34-Jährigen: Von ihnen würden sich nur etwa zwei von fünf (39 Prozent) impfen lassen. In der Frage nach einer Impfpflicht gegen das Coronavirus sind die Deutschen gespalten: Während 44 Prozent der Befragten dafür plädierten, sind 40 Prozent dagegen.

impfen gegen corona

Auch hier zeigt sich, dass ältere Deutsche eher für die Pflicht zur Impfung sind als Jüngere. Unter den Befragten ab 55 Jahren sagt jeder Zweite (52 Prozent), dass er für eine Impfpflicht gegen das Coronavirus ist. Unter den 25-34-Jährigen ist es hingegen jeder Dritte (33 Prozent). Die beste Impfquote hat mit 82,7 Prozent Südkorea gefolgt von Großbritannien mit 72,6 Prozent.

Auch bei der Grippeimpfung sind erstaunlich viele Unterschiede zwischen den einzelnen Nationen hinsichtlich der Impfbereitschaft erkennbar. Während immerhin zwei Drittel der US-Amerikaner sich gegen die Grippe haben impfen lassen, war es bei den Deutschen nur jeder Dritte. Schlechter schneiden nur Norwegen, die Türkei und eine Reihe osteuropäischer Länder ab. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Impfquote von 75 Prozent bei älteren Menschen.

Darum ist die Grippeimpfung so wichtig

Forschende am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin und am Institut Pasteur in Paris haben mithilfe eines mathematischen Modells die ersten Monate der Corona-Pandemie in Europa untersucht. Sie konnten zeigen, dass die Abnahme der Covid-19-Fälle im Frühling nicht nur mit Gegenmaßnahmen, sondern auch mit dem Ende der Grippesaison zusammenhängt. Grippeerkrankungen haben die Corona-Übertragung demnach im Durchschnitt um das 2,5-Fache erhöht. Das Ergebnis der Studie legt nahe, dass auch die kommende Grippewelle einen verstärkenden Einfluss auf die Corona-Pandemie haben wird – die Wissenschaftler betonen daher die Bedeutung von Grippeimpfungen auch als möglichen Schutz vor Covid-19. Die Studie wurde auf der Wissenschaftsplattform medRxiv vorveröffentlicht und muss noch im sogenannten Peer-Review von Fachkollegen begutachtet werden.

Impfen gegen Grippe weltweit

Offen bleibt, ob Grippekranke mit höherer Wahrscheinlichkeit Corona auf andere übertragen oder ob eine Grippeerkrankung Menschen anfälliger für Corona macht. Letzteres ist aber wahrscheinlicher, denn dass Grippeviren die Anfälligkeit für Corona vergrößern könnten, wurde vor Kurzem auch in Laborstudien nachgewiesen: Die Grippeviren bewirken eine vermehrte Herstellung von Rezeptoren, die das Coronavirus benötigt, um an menschliche Zellen anzudocken.

Aus ihren Ergebnissen schließen die Forscher, dass in der kommenden Grippesaison Schutzimpfungen gegen Grippeviren essenziell sein könnten – nicht nur um Krankenhäuser zu entlasten, sondern auch um den möglichen Effekt auf die Corona-Übertragung einzudämmen.

Coronavirus-Verbreitung weltweit

Das Coronavirus hat praktisch jedes Land der Erde erreicht, wie die Daten der Johns Hopkins University zeigen. Und selbst in die Länder, aus denen keine Fälle gemeldet wurden, dürfte SARS-CoV-2 längst vorgedrungen sein.

Insgesamt wurden rund 32 Millionen Infektionen und fast eine Million Todesfälle registriert. Die meisten Covid-19-Fälle und -Toten sind derzeit in den USA bekannt.