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Fußball-WM in Brasilien: Die Gefahren für Touristen

Einen Monat vor Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien kommt das Land nicht zur Ruhe. Gewaltsame Proteste, Krawalle in Favelas, Plünderungen und zahlreiche weitere Kriminalitätsdelikte lassen das Bild eines Hochrisiko-Landes entstehen.

Tatsächlich hat Brasilien mit zahlreichen Herausforderungen zu kämpfen. Doch Fußballbegeisterte, die zur WM nach Brasilien reisen, können die Sicherheitsrisiken minimieren, wenn sie einige wichtige Empfehlungen berücksichtigen.

Weiterhin hohe Kriminalitätsrate in Brasilien

Brasilien zählt zu den Ländern mit dem höchsten Maß an Gewaltkriminalität weltweit. Jährlich werden mehr als 50.000 Menschen ermordet; im Nordosten Brasiliens, wo die Vorrundenspiele der DFB-Elf stattfinden, sind die Zahlen am höchsten. Diebstahl, Raubüberfälle und sogenannte Express-Entführungen stellen im ganzen Land eine ernstzunehmende Bedrohung dar. „Vor allem in größeren Städten ist das Risiko von Alltagskriminalität groß, der auch Fußballfans zum Opfer fallen können“, sagt Karsten Bechle, Leiter der Abteilung Americas im Centre for Research & Analysis bei EXOP, einem Beratungsunternehmen für Risikomanagement.

Rund 160.000 Sicherheitskräfte sollen an den zwölf Spielorten eingesetzt werden; Polizeiroboter, Drohnen und ein neues Radarsystem sollen die Einsatzkräfte unterstützen. Für den Ernstfall stehen sogar Kriegsschiffe, Kampfjets und Bodentruppen bereit. Dieses Aufgebot soll vor allem abschreckende Wirkung entfalten. „Die große Präsenz von Sicherheitskräften wird zwar die Gewaltkriminalität im Umfeld der Spielstätten eindämmen, dafür dürfte sich rund um die Stadien das Maß an Kleinkriminalität erhöhen“, erklärt Bechle. Denn für Taschen- und Trickdiebe bieten große Menschenmengen eine gute Gelegenheit, schnell an Geld und Wertgegenstände zu kommen.

Nachts ist es am gefährlichsten

Die größte Gefahr lauert jedoch weitab der Fußballstadien und Fanmeilen. Nach Anbruch der Dunkelheit rät Bechle dazu, sich nicht mehr an einsamen Stränden aufzuhalten und dunkle Straßenzüge zu meiden. Die Täter, die oft unter Drogeneinfluss stehen, suchen nach vermeintlich leichten Opfern: Wer betrunken ist, allein unterwegs ist, verloren oder unsicher wirkt, ist besonders gefährdet. Der Sicherheitsexperte von EXOP rät vor allem, keinen Widerstand zu leisten, wenn man überfallen wird und Handy, Kamera oder Geld auszuhändigen.

„Häufig haben die Täter Waffen und zögern nicht, diese auch einzusetzen“, sagt Bechle. Er empfiehlt daher, stets einen kleinen Geldbetrag bei sich zu haben, um diesen bei einem Raubüberfall schnell aushändigen zu können. Ist man als Fußballfan unterwegs, ist es auch ratsam, Wertgegenstände wie Schmuck, Uhren, Smartphones oder Tablet-PCs nicht offen zu tragen, um nicht als lukratives Opfer eines Überfalls zu erscheinen.

Proteste von brasilianischen WM-Gegnern

Neben der Alltagskriminalität müssen Besucher der WM auch mit Protesten rechnen. „Immer mehr Brasilianer stehen der Austragung der WM im eigenen Land skeptisch gegenüber. Viele kritisieren die enormen Ausgaben, die nun in der Bildung, Gesundheitsversorgung und öffentlichen Sicherheit fehlen“, so Bechle weiter. Für Frustration sorgen auch die hohen Eintrittspreise und die gestiegenen Kosten für Hotels und Flüge, weshalb sich viele Brasilianer einen Besuch der Spiele im eigenen Land nicht leisten können. Tatsächlich spitzt sich die Sicherheitslage zu: In Spielorten wie Sao Paolo und Rio de Janeiro kommt es immer wieder zu gewalttätigen Demonstrationen. Häufig werden Busse in Brand gesteckt und der Verkehr lahmgelegt. Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und Bewohnern der Favelas von Rio de Janeiro haben Dutzenden Menschen das Leben gekostet. In Salvador da Bahia, wo das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft am 16. Juni gegen Portugal stattfindet, kam es während eines eskalierten Streiks der Militärpolizei im April zu Plünderungen und fast 40 Menschen starben in 48 Stunden.

Netzwerk von Einheimischen nutzen

Karsten Bechle geht davon aus, dass die Proteste weiter zunehmen, je näher der Anpfiff rückt und je stärker der mediale Fokus damit auf Brasilien liegt. Das bedeute jedoch nicht, dass Fußballfans die betroffenen Städte meiden müssten. „Die Proteste sind meistens lokal begrenzt. Das heißt, man kann sie umgehen oder umfahren, wenn man die Entwicklung der Sicherheitslage vor Ort im Auge behält“, sagt Bechle. Optimal sei ein lokales Netzwerk, also der Kontakt zu vertrauenswürdigen Einheimischen, das gegebenenfalls zusätzliche Informationen oder Hilfestellungen geben könnte. Allgemein sollten WM-Besucher Demonstrationen meiden, um nicht in Straßenkämpfe zwischen Demonstranten und Sicherheitskräfte zu geraten. „Brasilien kämpft mit zahlreichen Herausforderungen. Aber wenn sich Fußballfans der Risiken bewusst sind und entsprechend handeln, haben sie gute Aussichten auf ein ungetrübtes Fußballfest“, sagt Karsten Bechle.

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