»3.000 Whiskeyflaschen beim Umzug in die USA«

Umzüge sind stets herausfordernd. Geht es jedoch in ein anderes Land, womöglich nach Übersee, scheinen die Hürden fast unüberwindbar. Rolf Schäfer, Vertriebsleiter beim Spediteur Donath International, verrät im Interview, wie der Umzug mit Hab und Gut gelingen kann.

EXPAT NEWS: Inwieweit müssen Auswanderer und Expatriates ihren Umzug ins Ausland anders planen als innerhalb Deutschlands?

Schäfer: Mehrere Punkte unterscheiden den innerdeutschen vom internationalen Umzug. Ein wichtiges Thema ist der Zoll, denn diesbezüglich müssen die Vorbereitungen früh starten, damit die für die Zollabfertigung erforderlichen Dokumente rechtzeitig vorliegen. So können Verzögerungen und dadurch verbundene Zusatzkosten vermieden werden. Einige Länder wie Russland und Brasilien fordern auch eine Exportzollabfertigung. Wir beraten den Umziehenden und/oder dessen Personalabteilung bereits beim ersten Kontakt und sagen, welche Dokumente für die Zollabfertigung vorgelegt werden müssen. Ein extremes Beispiel ist Algerien: Dort müssen für die Einfuhr von Umzugsgut mehr als 20, teilweise beglaubigte, Dokumente vorgelegt werden.

Auch die Verpackung des Hausrats ist beim internationalen Umzug aufwändiger als beim nationalen. Weil Möbel beispielsweise bei Seefrachtversand in einen Container verladen werden, können Sie diese nicht »einfach so« einpacken, sondern sie müssen in spezielles Material embailliert werden. Eine gute Zeitplanung ist bei internationalen Umzügen schon die halbe Miete. Zwischen Verpackung und Zustellung des Umzugsguts liegen oft mehrere Wochen oder sogar Monate, so dass wir als Umzugsspediteur mit den Kunden vorab besprechen, welche Zeitplanung für seine persönliche Situation am besten ist.

EXPAT NEWS: Gibt es bestimmte Expatriate-Regionen, in denen ein Umzug besonders herausfordernd ist?

Schäfer: Spontan fallen mir kommunistische Länder ein und Staaten, in denen die Korruption noch stark ausgeprägt ist. Die offiziellen Regeln für die Zollabfertigung werden oft willkürlich ausgelegt, was manchmal leider zum Leidwesen für den Umziehenden Verzögerungen und/oder zusätzlichen Aufwand bedeutet. Der Möbelspediteur versucht natürlich durch seine Erfahrung, solche Risiken bereits im Vorwege zu erkennen und zu minimieren. Leider ist das nicht immer möglich. Länder mit schlechter Infrastruktur verlangen eine gute Kenntnis der lokalen Gegebenheiten. Dort müssen im Vorfeld oft Entscheidungen abgewogen werden, ob der Umzug per Seefracht, auf dem Landweg oder vielleicht sogar über ein Drittland abgewickelt wird.

Durch die besondere Größe des Landes sind Umzüge nach und in Russland besonders knifflig. Nicht in jeder Stadt gibt es Möbelspediteure und die Möbelpacker müssen oft von mehreren Stunden entfernten Städten eingeflogen werden, damit der Umziehende auch beispielsweise in Krasnojarsk seinen gewohnten Service erhält. Bedingt durch häufige Streiks der Zöllner und der Hafenarbeiter kann die Zollabfertigung in Brasilien bis zu zehn Wochen dauern.

EXPAT NEWS: Welche typischen Fehler begehen Expatriates regelmäßig vor dem Umzug?

Schäfer: Der Hauptfehler ist, dass sich der Expatriate zu spät beim Möbelspediteur meldet. Sobald der erste Kontakt besteht, liegt es am Möbelspediteur dafür zu sorgen, dass Fehler vermieden werden. Oftmals finden Entsendungen jedoch recht kurzfristig statt und der Expatriate erfährt erst kurz vor dem Umzug, dass er schon bald an einem neuen Einsatzort tätig sein wird. Ein zu langer Zeitraum wiederum, also etwa neun bis 12 Monate zwischen Erstkontakt und Umzug, kann jedoch leider auch zur Folge haben, dass sich in der Zwischenzeit See- und Luftfrachten oder Zollbestimmungen ändern. Eine optimale Vorbereitung des Umzuges kann für gewöhnlich dann garantiert werden, wenn das erste Gespräch circa zwei Monate vor Umzugsbeginn stattfindet.

EXPAT NEWS: Was kann noch schief gehen?

UmzugskartonSchäfer: Manchmal beschäftigen sich die Expatriates vor der Entsendung nicht genug mit ihrem neuen Zuhause. Andere Länder – andere Sitten, das hat auch Einfluss auf den Umzug beziehungsweise auf die Gegenstände, die zusammen mit dem Umzugsgut eingeführt werden dürfen. Lebensmittel und Alkohol unterliegen in fast allen Ländern besonderen Bestimmungen oder dürfen überhaupt nicht eingeführt werden. Neumöbel sollten mindestens ein Jahr in Gebrauch sein, bevor sie ins Entsendungsland eingeführt werden dürfen. Sie werden sonst als Handelsware deklariert, für die Steuern und Zölle fällig werden. Viele Kunden entscheiden sich erst kurzfristig vor dem Umzug, dass sie noch das eine oder andere neue Möbelstück mitnehmen möchten.

EXPAT NEWS: Haben Sie bei der Planung und Umsetzung eines Umzugs ins Ausland besonders »skurrile« Fälle gehabt?

Schäfer: Auf jeden Fall. In meiner über 20-jährigen Tätigkeit in der Umzugsbranche dachte ich ab und zu, es gibt nichts, was noch nicht vorkam, aber dennoch erlebt man immer wieder Überraschungen. Leider sind wegen der Zoll- und Einfuhrbestimmungen nicht immer alle Sonderwünsche erfüllbar. So wollte ein Kunde beispielsweise mal 3.000 Flaschen Whiskey und ein anderer seinen Weinkeller mit 5.000 Flaschen in die USA verschifft haben. Und das Meerschweinchen einer Familie musste unbedingt mit nach China. Schwierig war es auch, empfindliche exotische Pflanzen nach Kiel zu importieren oder Windelvorräte für drei Jahre nach Moskau mitzunehmen. Das war ähnlich herausfordernd wie gefrorene Muttermilch von Berlin nach Hamburg zu schicken, ohne dass diese auftaut.

EXPAT NEWS: Worauf sollten Entsandte und Auswanderer bei der Wahl des Spediteurs achten?

Schäfer: Ein gutes, internationales Umzugsunternehmen nimmt den Kunden ab dem ersten Kontakt »an die Hand« und führt ihn und seine Familie durch den gesamten Umzugsprozess. Bei der Besichtigung des Umzugsgutes in der Wohnung oder im Haus des Entsandten werden neben der Dokumentation des Umzugsgutes auch der Zeitplan, die Zollangelegenheiten und der technische Ablauf des Umzuges besprochen. Dafür sollte man mindestens eine Stunde einplanen.

Das Angebot sollte dann ausführlich beschreiben, welche Leistungen im Preis enthalten sind, denn leider tauchen allzu oft »schwarze Schafe« auf, die einen niedrigen Preis anbieten, jedoch viele andere Kosten in den »exclusions« verstecken. Typisch sind etwa Hafenkosten (Terminal Handling Charges), Haltezonen für den Container, Kosten für die Zollabfertigung, Zuschläge für hohe Etagen oder einen langen Laufweg und vieles mehr.

EXPAT NEWS: Was ist noch wichtig?

Schäfer: Das internationale Umzugsunternehmen sollte seine Partner im Entsendeland gut kennen, denn auch dort gibt es »schwarze Schafe«. Auf Tagungen oder bei Geschäftsreisen in fremden Ländern lernt man seine Partner »am anderen Ende der Welt« kennen, baut eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung auf und kann auch mal außerhalb der Öffnungszeiten anrufen und um Hilfe oder Unterstützung bitten. Fragen Sie einfach Ihren Umzugsberater, mit wem sein Unternehmen im Entsendestaat arbeitet. Sie sollten nur mit Unternehmen arbeiten, die FIDI FAIM zertifiziert sind; diese Zertifizierung ist das höchste, weltweit anerkannte Qualitätssiegel für Umzugsunternehmen und wird bei fast allen Rahmenverträgen für Umzugsdienstleitungen vorausgesetzt.

Über Donath International:

•           Gründung: 1904 in Görlitz

•           Sitz: Frankfurt/Main (weitere Niederlassung in München)

•           Leistungen: nationale und internationale Umzüge für Unternehmen und Privatpersonen

•           Koordination von Gruppenumzügen, Relocation Service, Kurz- und Langzeitlagerung

•           Mitglied bei FIDI (internationale Vereinigung der Möbelspediteure (www.fidi-faim.com)

•           Tel.: +49-6174-92 93-22

•           E-Mail: rolf.schaefer@donath.de

•           Web: www.donath.de

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 Fotos: Donath Inbernationl; Viktor Mildenberger- pixelio.de