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Eine Hessin in Indien

Anna Kalisch wusste schon als Schülerin: Ich will mich später im Ausland engagieren. Die gebürtige Wiesbadenerin, die in Kronberg im Taunus aufgewachsen ist, unterstützt heute Bauern in Indien, ihre Ernte trotz Klimawandels zu sichern.

Das riesige Land spielt politisch und wirtschaftlich eine immer wichtigere Rolle. Doch Millionen hungern oder sind unterernährt. In etlichen Regionen leidet der Anbau von Reis und anderen Produkten unter dem Klimawandel, der auch unerwartet Regenfälle und Überflutungen bringt. „Viele Familien wissen noch nicht, welche Möglichkeiten der Anpassung es gibt“, sagt die 29-Jährige. Sie arbeitet für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in Neu Delhi und den Bundesstaaten Madhya Pradesh, Rajasthan, Westbengalen und Tamil Nadu.

Anpassung an den Klimawandel in ländlichen Gebieten heißt das Projekt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die Bevölkerung ist aktiv beteiligt. So werden an der Küste schützende Mangrovenhaine aufgeforstet und etliche Dörfer erproben salzverträgliche Reispflanzen. In Tamil Nadu entstehen kleine Wasserreservoirs mit Dämmen, die bei starkem Regen das Wasser stauen, das für Feld und Vieh verwendet wird. In der Trockenzeit sickert es ins Grundwasser und stockt so langsam die Reservoirs wieder auf.

Jute ist eines der wichtigsten Agrarprodukte in Indien

Haushoch stehen die geernteten Jutebinsen, zwischen denen die spielenden Kinder wie Zwerge wirken. Jute ist mit Reis und Weizen wichtiges Agrarprodukt hier nördlich von Kalkutta. Viele Felder werden von schützenden Erddämmen umsäumt, die auch als Straße dienen. Bauern hacken Gräben aus, pflanzen auch Obstbäume mit starken Wurzeln. Wasserbüffel helfen bei der Arbeit. Das sind Eindrücke einer Fahrt durch Dörfer in Westbengalen.

Kalisch-IndienFür Anna Kalisch ist Indien der erste mehrjährige Auslandsjob. Nun erzählt sie von früher: Schon als Kind machte sie gerne Rucksack-Urlaube mit den Eltern, mochte Karl May-Hörspiele und liebte es, mit den Großeltern Stadt-Land-Fluss zu spielen. „In der Schule war ich in Erdkunde, Englisch und Kunst am besten“, erzählt die Hessin. Schon damals hatte sie häufig Blickkontakt auf die Zentrale ihres heutigen Arbeitgebers. Nach wie vor fährt die S-Bahn auf der Strecke von Kronberg nach Frankfurt direkt an der GIZ vorbei.

Nach dem Abitur im nahen Königstein studierte Kalisch Geografie in Frankfurt und Venezuela und machte an der Goethe-Universität am Main ihr Diplom. Schon damals arbeitete sie als Werkstudentin für die GIZ. Für die Landwirtschaftsabteilung ging es dann auch für einige Monate nach Indien. Seit Juni 2011 ist sie feste Projektmitarbeiterin in Neu Delhi. Kalisch: „Der Job ist spannend und abwechslungsreich. Gut arbeiten wir auch mit nichtstaatlichen Organisationen zusammen, die die Sorgen in den Dörfern kennen.“

Das hört Bhawana Luthra aus Neu Delhi gern. Die 36-Jährige trainiert für das deutsch-indische Projekt Bauern und Beamte. „Erst sind manche bei den Kursen etwas zweifelnd, doch bald macht es ‚klick‘ und fast alle ziehen gut mit.“ Viele Dorfbewohner haben vom Klimawandel nur vage Vorstellungen. Bauer Yusuf Ali (43) weiß schon lange: „Wir haben häufiger Wetterkatastrophen und Angst, dass es schlimmer wird.“ Doch das Bewusstsein wächst, dass alle gemeinsam etwas bewirken können.

Erste Erfolge bereits sichtbar

Das Projekt läuft von 2009 bis 2014. „Erfolge sind sichtbar“, sagt Kalisch. Einige Beispiele: Aktuell werden sieben lokale Initiativen unterstützt. So lernen etwa 700 Bauernfamilien, auch bei extremem Wetter ihre Ernte zu gewährleisten In Rajasthan werden in zwei Dörfern mit 100 Familien Wasserreservoirs errichtet, die auch die Futterproduktion für Kühe und Ziegen in Trockenphasen sichern.

Zwei indische Regierungsprogramme für ländliche Regionen kamen unter die Klimalupe der GIZ. Der Klimawandel kann regional sehr verschiedene Auswirkungen haben. Es wurde geprüft, ob staatliche Fonds für das Management von Wassereinzugsgebieten sowie von Waldregionen unter den veränderten Witterungsbedingungen fit sind und Fischer und Bauern ihre Erträge bewahren können. Das Projekt unterstützt auch 16 indische Bundesstaaten bei abgestimmten Klimaaktionsplänen sowie Versicherungen für Kleinbauern.

Die Hessin wohnt in Neu Delhi, kann am Wochenende beim Reiten in einem Vorort Lärm und Verkehrsstaus entfliehen. Der Reitstall bei einem Farmhaus liegt unweit von Feldern und einem Trockenlager aus Kuhfladen. Ihren Sattel hat die Pferdeliebhaberin im Flugzeug mitgebracht. „Der ist ein Stückchen Heimat für mich“, sagt Kalisch und streicht ihrem Fliegenschimmel „Silver Treasure“ über den Hals.

Autor: Michael Meyer (Quelle: giz)

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