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Businessman drawing Global in studio

Investieren in Asien: Welche Trends Unternehmen beachten sollten

In dem aktuellen Trend Report 2010-2030 des Beratungsunternehmen Roland Berger kristallisieren sich sieben fundamentale Trends heraus, die die Welt – insbesondere Asien -, das Verbraucherverhalten von Konsumenten, die Geschäftsgepflogenheiten von Unternehmen maßgeblich beeinflussen werden und auf die sich Unternehmen schon heute strategisch vorbereiten sollten.

Die genannten Trends umfassen:

  1. den demographischen Wandel,
  2. die Globalisierung mit den neu heranwachsenden Märkten,
  3. die Knappheit der Ressourcen Energie und Wasser,
  4. die Herausforderungen durch den Klimawandel,
  5. dynamische Technologien und Innovationen,
  6. die globale Wissensgesellschaft und
  7. das Teilen der globalen Verantwortung und Zusammenarbeit („Sharing“).

Nachfolgend greife ich einige Trends mit Strahlkraft auf Asien heraus; die für deutsche Unternehmen, mit Asien-Fokus relevant sind:

Demographischer Wandel in Asien schreitet voran

Die größte Herausforderung in Asien ist der Bevölkerungsanstieg um 20 Prozent von heute 6,9 Milliarden auf voraussichtlich 8,3 Milliarden Menschen weltweit. Zum Vergleich: In den Industrieländern fällt der Anstieg mit 3,6 Prozent moderat aus. In den sich entwickelnden Ländern (auch Emerging Markets) hingegen wächst die Bevölkerung bis 2030 um das Siebenfache mit über 24 Prozent von 5,7 Milliarden auf geschätzte sieben Milliarden Menschen.

Parallel zur längeren Lebenserwartung wird auch die Überalterung der Bevölkerung zunehmen (im Mittel um plus fünf Jahre auf weltweit durchschnittlich 34 Jahre). Die Bevölkerung in den Industrieländern ist dann durchschnittlich 12 Jahre älter als jene in den sich entwickelnden Ländern. In 20 Jahren werden bereits 29 Prozent der Bevölkerung der Industrieländer älter als 60 Jahre alt sein und die größte Altersgruppe stellen (heute: 22 Prozent).

Experten erwarten, dass diese Altersgruppe stark konsumgetrieben, serviceorientiert und körperlich fit ist und einfach anzuwendende Produkte schätzt. Ihr Verbraucherverhalten wird an der Lebenserwartung ausgerichtet sein („Simplicity, Service, Safety“). Unternehmen im Health Care Sektor und auch Markenartiklern aus anderen Branchen, die diese Bedürfnisse adressieren, bieten sich gute Chancen.

China und Indien im Fokus der Konsumgüter- und Automobilindustrie

China und Indien werden als die jetzigen Emerging Markets zukünftig eine noch höhere Bedeutung haben als dies bereits heute für Unternehmen beispielsweise in der Konsumgüter- oder Automobilindustrie der Fall ist. Insbesondere die Länder, die in den nächsten 20 Jahren einen Bevölkerungsanstieg um 20 Millionen Menschen verzeichnen und damit ein Pro-Kopf-Einkommen von mehr als 10.000 US-Dollar (nach Kaufkraftparität) erreichen werden, entwickeln sich zu attraktiven, aufstrebenden Absatzmärkten. Dies sind neben Indien und China Länder wie Nigeria, Indonesien, Brasilien, Philippinen, Ägypten und Mexiko (in absteigender Reihenfolge nach absolutem Bevölkerungsanstieg sortiert). Allesamt Länder, die bei uns nicht so auf der Agenda sind. Empfinden nur acht Prozent der in einer Studie von Huawei befragten Deutsche ihr Chinawissen für gut, so darf man davon ausgehen, dass die Kenntnisse der weiteren aufstrebenden Länder nicht besser eingeschätzt werden dürften.

Neue Konsumbedürfnisse in den BRIC-Ländern

Die Globalisierung wird sich weiter fortsetzen. Roland Berger geht in seiner Studie von einem Anstieg der weltweiten Exporte von heute 26 auf 33 Prozent aus. Dabei sollen nur 27 Prozent der weltweiten nominalen Exporte auf Industrieländer und 73 Prozent auf die sich entwickelnden Länder entfallen. Der Anteil der BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China) an den globalen Exporten wäre dann mit 23 Prozent fast gleichauf mit dem Europas. China und Indien werden somit die weltweit größten Lieferanten von verarbeiteten Gütern und Dienstleistungen (14 und sechs Prozent Exportanteil), Russland und Brasilien hingegen die größten Rohstofflieferanten sein.

BRIC-Länder in 20 Jahren neue Wirtschaftsmächte

Die Studie stellt die These auf, dass die heute einflussreichen aufstrebenden BRIC-Länder sich in 20 Jahren zu den neuen Wirtschaftsmächten und Kraftfeldern der Zukunft entwickeln werden. Ihr Anteil am weltweiten BIP soll sich auf 36 Prozent verdoppeln. China wächst mit neun Prozent pro Jahr unter den BRIC-Märkten am stärksten – gefolgt von Indien mit 8,4 Prozent – und löst die USA als weltgrößte Wirtschaftsmacht im Jahr 2026 ab. Bis 2014 wird erwartet, dass Indien die meisten Direktinvestitionen anziehen wird mit rund 70 Prozent des Zuflusses der chinesischen Direktinvestitionen. Indien wächst bis 2030 auf ein Viertel des chinesischen BIP, dies ist ein Anteil von sechs Prozent am weltweiten BIP.

Zudem vertreten die Studienverfasser die These, dass Brasilien Japan bis 2030 überholen wird. In den BRIC-Ländern soll die Mittelschicht bis dahin um 150 Prozent auf zwei Milliarden Menschen wachsen (heute: 0,8 Millionen) und in Folge die Konsummärkte und die Konsumentenbedürfnisse grundlegend verändern. Zugrunde gelegt wurde die Definition der Mittelschicht von Goldman Sachs mit

einem jährlichen Einkommen von 6.000 bis 30.000 US-Dollar (Kaufkraftparität). Die Mittelschicht in China wird von heute 40 auf 75 Prozent der Bevölkerung in 2025 wachsen, eine Verdoppelung auf 1,1 Milliarden Menschen. Demgegenüber wird der Anteil der Mittelschicht in Indien auf 57 Prozent der Bevölkerung und 850 Millionen Menschen geschätzt.

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen eindrucksvoll, dass deutsche Unternehmen mit Wachstumsabsichten, frühzeitig und dabei überlegt handeln sollten, um in Asien Fuß zu fassen. Überhaupt gilt es, diese neuen Märkte, Käuferschichten und Trends verstärkt zu beobachten und zu verstehen. Trendmanifestation für die Branche und Konsumenten sollten abgeleitet und ein fundiertes Wissen und Netzwerke sukzessive aufgebaut werden. Ein umfassendes Know-how über die Markteintrittsbedingungen sollte unter keinen Umständen fehlen und von erfahrenen Profis vermittelt werden.

Interkulturelle Kompetenz stärken

Neben den harten Fakten, die für den Markteintritt in Asien eine Rolle spielen, gilt es vor allem, die interkulturelle Kompetenz der nach Asien entsandten Manager zu stärken. Die Zusammensetzung der Teams vor Ort und eine erfolgreiche interkulturelle Zusammenarbeit mit Schnittstellenbereichen im Mutterhaus sind entscheidende Faktoren, um zukünftig von den neuen Käuferschichten nachgefragte Produkte zu entwickeln. Schon heute sind die Neureichen in Asien im Schnitt rund zehn Jahre jünger als im Westen und unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Markenpräferenzen und Lebenswelten. Wie die potenziellen Käuferschichten der „Generation Y“ (zwischen 1981 und 2000 Geborene) und „Post Generation Y“ bis 2030 ticken, über welche Kanäle und Touchpoints sie angesprochen werden möchten, welche Werte und Sehnsüchte für sie bestimmend sein werden und wie sich diese lokal und kulturell vom globalen gesellschaftlichen Wandel unterscheiden ist ein spannendes Feld der Trend- und Innovationsberatung. Für diese Generation an Mitarbeitern bedarf es auch eines rechtzeitigen Um- und Vordenkens von Rollen, Strukturen und Kommunikationsformen zwischen Tochtergesellschaft und Headquarter. Ist unser Führungsverständnis kompatibel und angepasst an diese neuen ökonomischen Kraftfelder als auch an die Prinzipien der Netzwerkökonomie?

Die Autorin:

Isabelle Hansen ist Inhaberin des Beratungsunternehmens Europe Asia Business Services, das Unternehmen beim Markteintritt in Asien (speziell China) vorbereitet und begleitet. Als interkulturelle Trainerin und Coach vermittelt sie China- und Asienkompetenz für den erfolgreichen Umgang mit Geschäftspartnern und Mitarbeitern, bei der Kommunikation, Team- und Verhandlungsführung.

Tel.: +49-40-71 66 24-99

E-Mail: info@europeasiaservices.com

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Zur Studie: http://www.rolandberger.com/expertise/trend_compendium_2030/

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