Wild and Free Family
© June und Kello Schirmacher-Möller

„Man sollte seine Probleme schon vor der Auswanderung angehen, um am neuen Ort glücklich zu werden.“

Als „Wild and Free Family“ sind die Auswanderer June und Kello mit ihren drei Kindern Jamie, Julie und Jessie bekannt. Im Interview erzählen sie, wie schön ihr Alltag auf Fuerteventura ist und wie das Reisen mit Kindern gelingt.

Expat News: Wie ist der Wunsch im Ausland zu leben, bei euch entstanden?

June: Der Gedanke war eigentlich schon länger da, aber 2016 entwickelte er sich dann tatsächlich zu einem Wunsch. Dies war zumindest bei mir so.

Kello: June hat das Bedürfnis, raus zu wollen, die Welt zu bereisen, schon immer begleitet. Mich hätte man damals als systemkonform beschreiben können. Ich war bei einer Bank in der Vermögensverwaltung tätig. Dieses Bedürfnis nach Freiheit hatte ich bis dato noch nie wirklich gespürt.

Doch bei einer Reise 2016 auf diese klitzekleine Insel Gili Meno in der Nähe von Lombok in Indonesien, da lag mir nach ein paar Tagen der Gedanke auf der Seele, dass das Leben noch mehr zu bieten haben muss als zu arbeiten und Geld zu verdienen, ein tolles Auto fahren und eine schöne Wohnung zu haben. Und diese Erkenntnis setzte sich während jener Reise noch immer weiter fort, so dass unterschwellig seitdem immer die Frage im Raum stand, ob Deutschland eigentlich unsere Heimat bleiben soll. Wir hatten das Bedürfnis, hinaus in die Welt zu müssen, Neues kennenzulernen und einfach einen Ort zu finden, wo wir uns noch freier entfalten können. Irgendwie hatten wir das Gefühl, dass Glück etwas anderes ist als das Leben, was wir in Deutschland führten, und dieses Gefühl hat uns auf den nächsten Reisen immer begleitet.

„Wir wollten für unsere Kinder den klassischen Zyklus von Kindergarten – Schule – Berufsausbildung vermeiden.“

Die Entscheidung an sich fiel dann 2017 nach der Geburt von Jessie in Thailand. Dass diese kleine Maus so völlig frei in der Natur geboren wurde, hat uns gewissermaßen das Zeichen gegeben, dass wir viel mehr auf uns selbst vertrauen müssen. Und auf die Natur, auf unsere Entscheidungen, und deshalb stand ab dem Zeitpunkt eigentlich fest, Deutschland wird nicht unsere Heimat bleiben. Wir hatten das Gefühl, dass viel zu viel von außen Einfluss auf unser Leben genommen wird, vor allem auch auf die Familie. Und deshalb ging es ab dem Zeitpunkt los, die Auswanderung zu organisieren, die Zelte abzubrechen und loszulegen. Wir sind dann auch fündig geworden, was unser Traumziel anging und sind dann nach Fuerteventura gegangen.

June hat ein Buch über ihre Geburtserfahrung geschrieben.

June: Es kam noch ein weiterer Grund hinzu, der uns in unseren Absichten bestärkte. Für unseren Sohn Jamie stand die Einschulung bevor und wir wollten vermeiden, dass er in diesen klassischen Zyklus von Kindergarten – Schule – Berufsausbildung in das System reinwächst. Wir wollten ihm einen anderen, weniger systemkonformen Weg bieten.

Expat News: Wie gestaltet sich euer Leben auf der Insel?

Kello: Wir haben keinen vorgegebenen klassischen Tagesablauf, sondern starten meistens entspannt in den Tag. Das heißt, wir frühstücken gemeinsam und gucken, was im Tagesverlauf machbar ist. Ich gehe dann meistens etwas arbeiten. Denn auch im schönsten Paradies braucht man Geld. Während ich arbeite, unternimmt June etwas mit den Kindern.

June: Ich starte gerne mit einer Meditation in den Tag oder ich mache Sport oder Yoga. Und dann bespreche ich mit den Kindern, was sie sich an Aktivitäten wünschen. Entweder machen wir gemeinsam irgendwas im Haus, planschen im Pool oder gehen zum Strand. Da ist jeder Tag anders.

Kello: Wir richten uns da einfach nach dem Lauf der Zeit. Nachmittags sind wir oft gemeinsam unterwegs. Beispielsweise gehen wir dann einkaufen oder wir verbringen bis zum Abend Zeit am Strand oder wir sind auf der Insel unterwegs. Selbst nach drei Jahren kennen wir noch nicht jeden Winkel von Fuerteventura, so dass es immer etwas zu entdecken gibt.

Abhängen auf Fuerteventura

June und Jessi auf Fuerteventura; © June und Kello Schirmacher-Möller

Expat News: Welche Vorteile bietet euch diese Art, in den Tag hineinzuleben?

June: Es ist schon alles viel, viel stressfreier als etwa in Deutschland. Und wenn dann doch mal Stress aufkommt, fühlt er sich anders an als der, dem wir damals ausgesetzt waren. Und wir treffen auf diese Art auch häufiger Freunde und Bekannte. Es ist schön, mit ihnen gemeinsam zu Abend zu essen und sich auszutauschen, etwas gemeinsam zu unternehmen. Und eine Besonderheit ist noch, dass unsere Kinder zu einem Treffen gehen, wo sie gemeinsam mit anderen Kindern ihrem Freilerner-Dasein nachgehen können und somit auch gut beschäftigt sind.

Kello: Dies war in der Tat unsere Hauptmotivation für die Auswanderung. Die Kinder und die Freiheit. Sie sollen ihren freien selbstbestimmten Lebensweg finden, und das möchten wir gerne flankierend begleiten. Dazu gehört das Reisen in verschiedene Länder, die Möglichkeit, Menschen, Kulturen und Religionen kennenzulernen und alles mit eigenen Augen zu sehen, um sich davon ein eigenes Weltbild zu machen. Und das begleitet uns natürlich auch weiterhin.

Das Freilernen ist ein Teil dieses Wunsches. Wir möchten, dass ihr Kopf wirklich frei bleibt von der Einflussnahme eines Systemdenkens. Sie sollen ihre Gedanken frei fließen lassen können und auch das, was sie interessiert, in der Tiefe zu lernen und zu ergründen. Freilernen bedeutet in diesem Kontext, dass man zu jeder Zeit all das lernen kann, was einen begeistert und was man auch lernen möchte. Darin unterstützen wir unsere Kinder. Sie gehen zu Lerngruppen, in denen sie auf andere Freigeister treffen, um sich dort auszutauschen und gemeinsam zu lernen.

„Es war dieses Gefühl des Ankommens – jetzt sind wir da, jetzt ist unser Traum realisiert, jetzt können wir hier leben!“

Expat News: Wie war es, als euer Traum dann Wirklichkeit wurde?

Kello: Der schönste Moment war natürlich der, als wir alle als Familie vereint wieder auf der Insel waren. Ich war mit Jamie bereits vorgefahren. Nachdem June und unsere Kleinen bei uns waren, sind wir an unseren Strand gefahren und haben gemeinsam den Sonnenuntergang genossen. Das Meer lag vor uns, wir konnten die Freiheit sozusagen fühlen. Es war dieses Gefühl des Ankommens – jetzt sind wir da, jetzt ist unser Traum realisiert, jetzt können wir hier leben! Und das ist natürlich ein Gefühl, das durch den ganzen Körper geht.

Expat News: Wie gut seid ihr vor Ort und mit Familie in der Heimat vernetzt?

June: Die Vernetzung klappt super mit Instagram. Dort schreiben uns auch immer zahlreiche Menschen, dass sie gerade hier auf der Insel sind. Auch schon vor der Auswanderung hatten wir bereits viele Leute kennengelernt, die uns kontaktiert hatten. Somit hatten wir schon Anknüpfungspunkte. Es ist wichtig, sich zu vernetzen, eine Gruppe von Freunden aufzubauen. Das ist uns gut gelungen, und wir haben viele liebe Menschen um uns herum. Auch Freunde kommen uns immer mal wieder besuchen.

Wild and Free Family

June und Kello mit ihren drei Kindern sind auch als „Wild and Free Family“ bekannt. Hier sieht man sie am Strand von Malibu. © June und Kello Schirmacher-Möller

Expat News: Wie ist es, mit Kindern – insbesondere mit kleinen Kindern – zu reisen?

Kello: Es ist schon etwas Besonderes und kann auch herausfordernd sein. Natürlich gehört ein gewisses Maß an Organisation bereits vor der Reise dazu. Man benötigt Proviant, Spielzeug und viele andere Dinge des alltäglichen Bedarfs. Wir empfehlen, auch mit kleinen Kindern früh weit zu reisen, weil sie in jungem Alter noch sehr anpassungsfähig sind und sich schnell daran gewöhnen. Unsere Kinder sind schon als kleine Babys mit dem Flugzeug geflogen. Bei Jessies erster Flugreise nach Vietnam war sie gerade einmal fünf Wochen alt. Kinder gewöhnen sich daran und lernen dann auch, an verschiedenen Orten zu schlafen. Wichtig ist, sich immer ausreichend Zeit beim Reisen zu nehmen und Ruhe auszustrahlen.

Wir empfehlen, sich möglichst in einer Region aufzuhalten, in der auch Einheimische leben, weil man auf diese Weise ein Land wirklich erleben kann und auch die Kinder das reale Leben sehen. Wenn man nur von Hotel zu Hotel, von Anlage zur Anlage hüpft, dann hat man eigentlich kaum etwas vom Land erfahren, und lediglich die Sehenswürdigkeiten gesehen.

„Will man wirklich Land und Leute kennenlernen, dann reicht es nicht, in einem Resort mal für eine Woche einzuchecken.“

am Strand von Fuerteventura

June am Strand von Fuerteventura; © June und Kello Schirmacher-Möller

Expat News: Plant ihr eigentlich, dauerhaft auf Fuerteventura zu bleiben?

June: Ja, die Zelte hier abzubrechen, haben wir erstmal nicht im Sinn. Uns gefällt es hier super gut, wir fühlen uns sehr wohl, denn wir haben alles, was wir brauchen. Weiterziehen werden wir auf jeden Fall, und zwar immer mal von hier aus in die Welt hinaus. Hier soll unsere Basis bleiben. Ob wir dann unser Haus vermieten oder eine andere Lösung finden, ist eine organisatorische Frage. Reisen ja, wegziehen nein.

Kello: Die wichtigste Voraussetzung für das Reisen oder Auswandern ist, dass man in seinem Mindset, in seinen Gedanken ganz klar mit dem Vorhaben ist und es auch wirklich will. Und es muss die gesamte Familie auch wollen, dass wirklich alle zusammen sagen „Hey, wir wollen nochmal losziehen, wir wollen entweder auf eine lange Reise in die Welt gehen oder wir wollen wirklich auch auswandern“. Und dann stellt sich die Frage, wo es hingehen soll, was man sich ansehen möchte. Will man wirklich Land und Leute kennenlernen, dann reicht es nicht, in einem Resort mal für eine Woche einzuchecken, sondern man sollte wirklich dort hinreisen, um das Land zu erleben, das Umfeld zu spüren, die Menschen zu sehen, bevor man sich entscheidet, für eine lange Zeit oder tatsächlich für eine Auswanderung dorthin zu ziehen.

June: Das erleben wir auch immer mal wieder, dass jemand hier aufschlägt und denkt „Oh, jetzt bin ich ausgewandert und jetzt organisiert mal“. Es ist dann schon die Frage „Bin ich wirklich am richtigen Ort? Kann ich hier glücklich werden? Bin ich auch wirklich im Gedanken so gefestigt oder bin ich nur vor etwas geflüchtet und habe meine Probleme und Gedanken dafür im Gepäck?“ Die sind dann nämlich auch nicht weg. Man sollte seine Probleme schon vor der Auswanderung angehen oder spätestens am neuen Ziel, um auch wirklich dort glücklich leben zu können. Das ist schon eine Grundvoraussetzung. Alles andere sind eher pragmatische Fragen. Gibt es alles, was ich für mein Leben brauche dort vor Ort? Wie ist die Einkaufssituation, die medizinische Situation, wie viel Geld brauche ich am Ende des Tages und wie verdiene ich den Unterhalt vor Ort? Solche Eckdaten sollte jeder im Vorfeld prüfen und dann entsprechend auch vorbereiten, damit man nicht in Stress gerät, wenn man vor Ort ist. Denn manchmal ist es nicht so einfach, diese Themen vor Ort zu lösen.

Surfen auf Fuerteventura

Die Familie liebt es, Zeit im Wasser und am Strand zu verbringen. © June und Kello Schirmacher-Möller

Expat News: Wie ist die Gesundheitsversorgung auf der Insel?

June: Wir fühlen uns hier auf der Insel super versorgt. Wir haben ganz tolle Ärztinnen und Ärzte, auch deutschsprachige. Beispielsweise haben wir eine super liebe Kinderärztin, auf die haben wir uns immer verlassen können, auch am Sonntag bei Notfällen war sie schon für uns da und kam sogar zu uns nach Hause.

Die Versorgung insgesamt ist wirklich gut. Es gibt ein modernes Krankenhaus, und für wirklich schwere Fälle gibt es eine erstklassige medizinische Betreuung auf Gran Canaria. Dort sind alle Spezialisten, alle Fachgebiete vertreten. Auch deshalb sind wir hier so glücklich.

Kello: Ein wichtiger Aspekt ist natürlich auch die Absicherung, wenn man so unterwegs ist wie wir. Da verlassen wir uns auf die Fachleute vom BDAE, weil – wir kennen das aus eigener Erfahrung – ganz schnell doch mal eine Erkrankung auftritt, eine Verletzung, die sich entzündet und dann sprengt dies schnell die Reisekosten. Und deshalb ist es essenziell, versichert zu sein.

Das Gute beim BDAE ist, dass man den Experten ganz genau seine Situation schildern kann, so dass alle relevanten Informationen vorliegen und diese einem helfen, den individuell passenden Tarif rauszusuchen. Das kann auch schon sinnvoll sein, wenn man für die Auswanderung kein Startdatum hat. Es gibt da diese Anwartschaftsversicherung, mit der man sich die Sicherheit kauft, beim BDAE versichert zu werden – auch wenn im Laufe der Zeit Erkrankungen oder chronische Leistungen hinzukommen. Man zahlt zwar einen kleinen Obolus dafür, aber die Versicherung für die Auswanderung oder Langzeitreise ist gesichert und man braucht nicht erst anfangen, wenn es akut ist. Somit läuft man auch nicht Gefahr, vielleicht gar nicht mehr versicherbar zu sein. Denn das wäre ein Supergau: Man hat alles organisiert und nichts passt mehr. Deswegen empfiehlt es sich frühzeitig mit der Frage der Absicherung auseinanderzusetzen.

Über Wild and Free Family

Wild and Free FamilyJune und Kello Schirmacher-Möller haben ihr altes Leben hinter sich gelassen und sind 2018 nach Fuerteventura ausgewandert. Ihre Kinder Jamie, Julie und Jessie sollen als Freilerner erzogen werden. Das heißt, sie sollen nicht in die Schule gehen, sondern praktisch aus dem Leben lernen. Ziel ihrer Reisen ist es, ihren Kindern die Welt zu zeigen, wie sie ist. Sie sollen mit eigenen Augen die Wunder der Natur erleben, die Vielfalt der Kulturen kennenlernen und mit vielen verschiedenen Menschen zusammentreffen.

Einem breiteren Publikum sind sie durch die Fernsehsendung „Goodbye Deutschland“ bekannt geworden. In den sozialen Medien findet man sie als „Wild and Free Family„.

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zu Junes Buch „In Freiheit geboren“