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Leben in den Niederlanden: Kleine Distanz, große Unterschiede

Sie sind unsere Nachbarn, die mit ihren Wohnwagen unsere Autobahnen blockieren, liberal und fortschrittlich sind und Käse lieben: Die Rede ist von den Niederländern. Obwohl diese Klischees genauso sehr zutreffen wie Bayern-Klischees auf Deutschland, haben die Niederländer doch ihre kulturelle Eigenheiten – und diese sind überraschen groß, wenn man die geringe geographische Distanz betrachtet. Dennoch sind es nicht die Dinge, die einem sofort ins Auge springen, sondern vielmehr die kleinen feinen Unterschiede, die Menschen erst auffallen, wenn sie einige Zeit vor Ort leben.

Immer schön freundlich

In den Niederlanden muss alles “gezellig” sein. Das bedeutet soviel wie das Deutsche gesellig, wird aber auf alle sozialen Gegebenheiten angewendet. Dementsprechend ist auch der Umgangston sehr freundlich und locker, auch auf der Arbeit. Das man sich duzt ist selbstverständlich, dass manche Deutsche, die bereits seit Jahren zusammenarbeiten, sich noch immer Siezen, ist für niederländische Verhältnisse unvorstellbar. Dementsprechend sind auch die Hierarchien am Arbeitsplatz kleiner – aber Vorsicht ist geboten: Nur weil man mit seinem Boss oder Kollegen locker über private Dinge plaudert, bedeutet dies nicht automatisch, dass man befreundet ist.

Alles ist lecker, außer dem Essen

Niederländer gehen mit dem Wort “lekker” genauso inflationär um, wie mit dem Wort “gezellig”. “Lekker” bedeutet so etwas wie “prima” und trifft auf vieles zu, aber nicht auf das niederländische Essen. Obwohl offiziell Kohl mit Kartoffelpüree (Stamppot), roher Hering und Gouda als Nationalgericht gelten, sind es inoffiziell die überall beliebten Snacks, die diese Bezeichnung verdienen. Dabei handelt es sich um frittierten Käse, frittierten Hackfleischbällchen und frittierten Fleischfrikadellen, serviert mit Zahnstochern und Senf. Gereicht werden diese Snacks meist in Bars und Cafés beim Biertrinken oder man kann sie sich aus Essensautomaten holen, die sich tatsächlich großer Beliebtheit erfreuen.

Der Bonus

Wahrscheinlich sind es die Wurzeln einer Handelsnation, die die Niederländer so verrückt nach Sonderangeboten machen, aber sobald etwas “im Bonus” ist, wird es gekauft. Ob man wirklich dabei ein Schnäppchen macht, oder das Produkt wirklich haben wollte wird zur Nebensache- Hauptsache etwas gespart!

Es sind gerade diese kleinen Unterschiede, die eine Kultur ausmachen und dazu anregen, sie zu entdecken. Und seien wir ehrlich: Mit etwas frittiertem Käse in einer freundlichen, geselligen Umgebung ist ja nun wirklich nichts verkehrt.

Die Autorin:

Eva Mattern ist Redakteur beim Weiterbildungsanbieter Springtest (www.springest.de)

Foto: © michaklootwijk – Fotolia.com

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