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Kulturschock
© pressmaster - AdobeStock

So verringern Sie den Kulturschock bei Entsendungen ins Ausland

Ein Viertel aller international tätigen Unternehmen entsendet Mitarbeiter für einen befristeten Zeitraum ins Ausland. Expats und ihre Familien sind besonderen neuen Herausforderungen und Belastungen ausgesetzt, die mit der Länge des Auslandseinsatzes signifikant steigen können. Ein Kulturschock droht.Das Einstellen auf eine neue Kultur, eine neue Sprache und ein neues Arbeitsumfeld, und der Erwartungsdruck durch die Firma im Heimatland können vom Expat als äußerst belastend empfunden werden. Besonders in der Startphase des Auslandseinsatzes können bereits einfache Aktivitäten erhebliche Stresssituationen darstellen:

  • die Suche nach einer geeigneten Unterkunft
  • die Unterzeichnung eines Mietvertrags
  • das Einrichten eines privaten Bankkontos oder
  • das Abschließen eines Handyvertrags

Denn Arbeitnehmer und ihre Familienangehörigen müssen nun in einem fremden Land und in einem ungewohnten Umfeld erfolgen sowie in einer Sprache, die der Expat (vielleicht) nicht einmal lesen kann. Viele Abläufe sind komplett anders als Zuhause. Belastbare Personen meistern diese Herausforderungen in der Regel noch ganz gut, für weniger belastbare Personen kann der einhergehende Kulturschock den Gesamtprozess jedoch drastisch beeinträchtigen.

Kulturschock ist ein Stressor

Der Begriff Kulturschock beschreibt ein Gefühl der Angst, Einsamkeit und Verwirrung, das Menschen oftmals empfinden, wenn sie in einem fremden Land ankommen. Dies kann zu Prozessen der Entfremdung, Verwirrung und Überraschung führen, die auftreten, wenn eine Kultur plötzlich mit einer fremden Kultur in Kontakt gebracht wird und das Individuum auf ein ihm unbekanntes Umfeld stößt. Jede drastische Veränderung des Alltags kann sich zu einem enormen Stressfaktor entwickeln und ein jeder Auslandseinsatz kann zu einer Disruption der gewohnten Routine führen und den Betroffenen aus dem Gleichgewicht bringen.

Unabhängig davon, wie positiv der Auslandsaufenthalt schlussendlich sein mag, so besteht kein Zweifel daran, dass der Expat und seine begleitende Familie dort ernsthaften Stressfaktoren ausgesetzt sind und laut wissenschaftlichen Studien sogar ein gewisses Krankheitsrisiko besteht.

Es können hierbei verschiedene einflussnehmende Faktoren ermittelt werden:

  • das Zielland
  • das Alter des Ausreisenden
  • Familienstand des Ausreisenden (Mitausreise von Familie/Partner)

Je größer die kulturellen Unterschiede zwischen Heimatland und Zielland sind, desto signifikanter wirken sich diese auf den Gesundheitszustand des Entsendeten aus. Ältere Expats sind anfälliger für einen Kulturschock, da mit zunehmenden Alter die Herausforderung steigt, sich an eine neue Umgebung anzupassen, da sich gewisse Gewohnheiten bereits verfestigt haben. Die entstehende Stresssituation steigert somit auch die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Beschwerden.

Familienmitglieder müssen mit ins Boot geholt werden

Neben der Betrachtung des Ziellandes sollte vor allem aber auch die Situation der Familienmitglieder berücksichtigt werden, da diese interessanterweise deutlich anfälliger für Erkrankungen sind als der Expat selbst. Viele im Zielland tätige Psychologen und Psychotherapeuten können dies bestätigen. Ein großer Anteil ihrer zu betreuenden Personen stellt die Gruppe der mitgereisten Familienmitglieder der Expats dar. Neben psychischen Auffälligkeiten wie Depressionen, Angstzuständen, Vereinsamung, Isolierung und Burn-Out-Syndrom treten immer häufiger auch physische Krankheiten und Suchtkrankheiten aufgrund des erhöhten Stress-Niveaus während der Entsendung auf.

Viele internationale Unternehmen unterschätzen die sprachlichen und kulturellen Unterschiede. Den Entsandten fehlen oftmals ihre gewohnten Konstanten wie der Freundeskreis, Familienangehörige und generelle soziale Bindungen. Ein erhöhtes Risiko der Desillusionierung kann eintreten und somit den psychischen Druck auf den Entsendeten intensivieren.

Vorbereitung auf Unterschiede verringert Stress und Gesundheitsprobleme

Immer mehr international agierende Unternehmen erkennen jedoch auch zunehmend, wie wichtig es ist, ihre Mitarbeiter sowie deren mitausreisende Familien und Partner auf interkulturelle Unterschiede vorzubereiten, um den zu erwartenden Kulturschock zu dämpfen, Stress und Krankheit zu vermeiden und so die Weichen für einen positiven Auslandsaufenthalt zu stellen. Ein interkulturelles Training für den Expat und die ausreisenden Familienmitglieder hilft dabei, sich auf gastkulturelle Regeln, Normen und Werte der dortigen Bevölkerung einzustellen.

Das Erkennen der eigenen Werte- und Normenstandards ist die Basis für das Verständnis und die Akzeptanz unbekannter oder fremdartiger Kulturbegebenheiten, welche aus der eigenkulturellen Sicht teils bizarr wirken können. Neben dem interkulturellen Training im Heimatland greifen Unternehmen häufiger auf fachkundige Experten im Zielland zurück. Dem Expat und gegebenenfalls dessen Partner und/oder Familie wird dann nach einer fest definierten Eingewöhnungszeit vor Ort ein Expat-Coach an die Seite gestellt. Dieser hilft aktiv, die Gastkultur zu verstehen und die Erkenntnisse des neuen Alltagslebens zu hinterfragen, zu bewerten und den Expat in die neue Umgebung einzuführen. Diese Art der Unterstützung bringt Struktur in den neuen Alltag des Expats und verhindert die Vereinsamung im neuen Gastland. Besonders Familienangehörige und Partner der Expats sind häufig vom Gefühl der Einsamkeit betroffen. Das soziale Wohlbehagen von Expat-Partnern hängt aber häufig von deren Eigenaktivität bei der Kontaktsuche und -aufnahme im Gastland ab.

Expat-Netzwerke bieten Halt

Internationale oder spezifisch deutsche Expat-Gemeinschaften sowie auch internationale Handelskammern bieten zumeist den ersten sozialen Halt und helfen bei der Kontaktaufnahme zur Bildung eines neuen interkulturellen Netzwerks. Die meisten Mitglieder von Expat-Gemeinschaften befinden sich in einer sehr ähnlichen Situation, wobei die Sprache als verbindendes Element fungiert und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit vermittelt. Dennoch sollte der lokalen Gesellschaft und Kultur natürlich nicht dauerhaft aus dem Weg gegangen werden, da nur die aktive Auseinandersetzung mit der Fremdkultur zu einer positiven Integration im Gastland führen kann. Einhergehend mit einer guten Entsendungsvorbereitung und der damit verbundenen kulturellen Assimilation können Kontaktbarrieren und Vorurteile vorab reduziert und die Freude am Entdecken der neuen Kultur nachhaltig gefördert werden.

 

Kulturschock

Abbildung: W-Modell nach Oberg

Ein optimiertes Entsendungs-Management schützt vor Frust, Stress und Krankheit und steigert dabei auch die Leistungsfähigkeit: Die fachgerechte Betreuung des Expats und dessen Familienangehörigen mithilfe eines strukturierten Entsendungs-Managements der Personalabteilung vor, während und nach der Entsendung mildert den Kulturschock signifikant und ermöglicht die frühzeitige Identifikation von Problempotentialen.

Neben der Vorbereitung des Expats und seiner Familie auf die neue Kultur, dient vor allem auch die professionelle Betreuung im Zielland als wichtige Stütze. Zu diesem Zeitpunkt ist die Aufnahmefähigkeit des Expats und dessen Familie für den Umgang mit dem Kulturschock am höchsten, da sich dann konkrete Probleme und Fragen einstellen, die oft nur von Beratern und Trainern direkt vor Ort und zeitnah beantwortet werden können. Dies erstreckt sich von einfachen Themen im Alltag, über steuerliche und rechtliche Themen, bis hin zu komplexen unternehmerischen Herausforderungen in der neuen Arbeits- und Lebensumgebung. Gezielte professionelle Informationsgespräche für Expats erhöhen den betriebswirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens und verringern die Gefahr von Fehleinschätzungen und -entscheidungen deutlich, was sich für den Expat, die gegebenenfalls mitreisende Familie, und nicht zuletzt auch für das Unternehmen, positiv auswirkt.

Tipps zur Kulturschock-Vermeidung und Handlungsempfehlungen:

Ein optimales Entsendungs-Management in allen Phasen der Entsendung berücksichtigt nicht nur kulturelle Belange, sondern auch Compliance-Risiken sowie die Gestaltung der Reintegration des Expats, die neben der Wiedereingliederung des Mitarbeiters und seiner Familie auch die erfolgreiche Nutzung des neuerworbenen Wissens- und Erfahrungsschatzes im Heimatland definiert.

Die Vorbereitung des zu Entsendenden mittels interkultureller Trainer und Seminare ist unbedingt empfehlenswert. Derartige Services werden etwa von entsprechenden Wirtschaftsverbänden und Kammern im Heimatland angeboten.

Der Kontakt zu Beratern und interkulturellen Trainern im Zielland erleichtert die Integration in die lokale Kultur erheblich. Gute Berater und Trainer kennen die gewöhnlichen wie auch außergewöhnlichen Herausforderungen sowohl des heimatlichen als auch des lokalen Marktes aus eigener, langjähriger Erfahrung. Mit ihrem Know-how fungieren sie als wertvolle Schnittstelle zwischen den beiden Welten.

Das Erlernen der Landessprache oder das Verbessern dieser Sprachkenntnisse spielt nicht nur eine essentielle Rolle für die erfolgreiche Integration, sondern steigert auch den Wohlfühlfaktor des Expats.

Das Netzwerken mit Expats und der lokalen Bevölkerung wirkt einer möglichen Isolation entgegen.

Je intensiver sich der Expat und seine Familie vorab mit der neuen Kultur auseinandergesetzt haben, desto leichter fällt es später, Vorurteile zu überwinden und kulturelle Unterschiede als Chance zu sehen.

Reisetätigkeiten im Gastland unterstützen die Integration und präsentieren Land, Leute und Kultur in unterschiedlichen Facetten. Das Leben in einer koreanischen Großstadt kann sich mitunter erheblich vom gewohnten Alltagsleben des Expats unterscheiden, vor allem bezüglich Expats aus ländlichen Regionen.

Und noch ein Tipp: Nach dem Kulturschock ist vor dem Kulturschock. Nach dem Auslandsaufenthalt ereilt viele Heimkehrer der sogenannte Eigenkulturschock. Das Einstellen auf die Veränderungen während der langjährigen Abwesenheit fällt vielen Expats schwer – sie finden sich oft unerwarteterweise erneut in einer Außenseiterrolle. Geschäftsabläufe und Firmenstrukturen haben sich mittlerweile verändert und nicht nur aus diesem Grund sollte der Prozess der Wiedereingliederung aktiv vom Unternehmen geleitet werden. Aufgrund ungenügender Repatriierungsmaßnahmen bleibt vielen Unternehmen das volle Potenzial ihrer Entsendung verschlossen, da nicht alle Nutzen ausgeschöpft werden können.