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Osterbräuche
© S&B Vonlanthen – Unsplash

Hexen, Wasserschlachten und Paraden: Bunte Osterbräuche aus der ganzen Welt

Was wäre der Frühling ohne Ostern? Das Fest zum Gedenken an die Auferstehung Jesu markiert das Ende der Fastenzeit und zugleich den Beginn des aufblühenden Lebens in der hellen Jahreszeit. In diesem Jahr schränkt das Coronavirus sämtliche Osterfeierlichkeiten stark ein. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die vielen bunten und kuriosen Osterbräuche rund um den Globus.

Niklas Kukat, Geschäftsführer vom Sprachreiseanbieter EF Education (Deutschland) GmbH: „Unsere Sprachschülerinnen und -schüler erzählen gerne von lustigen Traditionen aus ihrem Gastland. Die verschiedenen Rituale können uns dazu inspirieren, frischen Wind in unsere Osterfeier zu bringen – vielleicht nicht in diesem Jahr, aber dann mit umso mehr Elan beim nächsten Osterfest, wenn die Krise überwunden ist.“ Der Sprachreiseanbieter EF Education First hat sieben lustige Osterbräuche zusammengefasst.

Der Eierroll-Wettbewerb

In England werden die Eier nicht nur versteckt, sondern auch gerollt. Bunt angemalt, kullern sie an abschüssigen Straßen oder von einem Hügel hinunter, bis die Schale kaputt ist. Das Ei, das den weitesten Weg zurückgelegt hat, gewinnt. Auch in Schottland ist das Eierrollen eine beliebte Tradition. Hier symbolisieren die Eier das Wegrollen der Steine vor dem Grab Jesu.

Wasserschlacht als Zeichen der Zuneigung

© Jordi Zamora – Unsplash

Wie wäre es an Ostern mit einer ordentlichen Wasserschlacht? So wird nämlich in Polen das Fest der Auferstehung gefeiert. Am Ostermontag, dem so genannten „Śmigus Dyngus“ oder „nassen Montag“, jagen sich die Bewohner Polens mit Eimern, Wasserpistolen und Wasserbomben quer durch die Stadt, bis die Kleidung gänzlich durchnässt ist. Der Brauch reicht bis ins Mittelalter zurück. Damals bewarfen Junggesellen ihre Auserwählte mit Wasser als Zeichen ihrer Zuneigung. Heute treten Frauen und Männer in Polen gleichermaßen zum österlichen Wet-T-Shirt-Contest an.

Essbare Osterbräuche: Das Riesen-Omelett

In Frankreich geht es nicht ganz so wild, dafür aber umso kulinarischer zu. In der südfranzösischen Gemeinde Bessières wird am Ostersonntag ein riesiges Omelett aus mehr als 5.000 Eiern zubereitet und an Einheimische sowie schaulustige Touristen verteilt. Angeblich stammt die Tradition von keinem geringeren als Napoleon, der in Bessières ein so leckeres Omelett verspeiste, dass er daraufhin noch eines für sein ganzes Heer zubereiten ließ. Heute gilt die gigantische Eierspeise als Symbol der Freundschaft und des kulturellen Austauschs.

Die Osterhexen treiben ihr Unwesen

Schon einmal etwas von der Osterhexe Påskkäring gehört? Sie treibt in Schweden ihr Unwesen und fliegt jedes Jahr am Gründonnerstag auf ihren Hexenberg Blåkulla. Aus diesem Grund verkleiden sich an diesem Tag Kinder als Hexen, mit farbenfrohen Kopftüchern und einem Besenstiel. Dann gehen sie mit einer leeren Kanne in der Hand von Tür zu Tür und fragen dort nach Süßigkeiten. Im Gegenzug verschenken sie selbstgebastelte Osterbriefe.

Wenn das Krimi-Fieber packt

© João Silas – Unsplash

In Norwegen ziehen an Ostern die Detektive los und alle sind im Krimi-Fieber. „Påskekrimmen“ ist eine norwegische Tradition, bei der das ganze Land während der Osterferien Kriminalgeschichten und Thriller liest, hört oder anschaut. Verlage sowie Radio- und Fernsehstationen machen mit und veröffentlichen Krimis – selbst auf den Milchpackungen sind Detektivgeschichten abgedruckt.

Kostümparaden in den USA

Wer hat den schönsten Hut? Diese Frage kursiert bei den vielen Osterparaden in den USA, wie beispielsweise der Easter Parade auf der 5th Avenue in New York. Hier ziehen die Menschen in bunten Kostümen und blumengeschmückten Hüten ausgelassen durch die Straßen und feiern so das Fest der Auferstehung. Begleitet wird das bunte Treiben von Blaskapellen und farbenfrohen Osterwagen – so erinnern die Paraden ein wenig an die Karnevalsumzüge in Düsseldorf, Köln oder Mainz.

Andächtige Osterbräuche: Prozessionen

© Vidar Nordli-Mathisen – Unsplash

Etwas andächtiger wird es in Italien, Spanien oder auch Guatemala: In Guatemala werden bei den feierlichen Prozessionen große Jesus-Skulpturen durch die Stadt getragen. Die Spanier wiederum marschieren in Umhängen mit spitzen Kapuzen durch die Straßen und tragen dabei Heiligenfiguren mit sich. Besonders religiös geht es in Italien zu: Hier ziehen an Karfreitag viele mit einem Kreuz auf dem Rücken durch die Stadt und erinnern dabei stillschweigend an den Leidensweg Jesu.

Wer Ostern im nächsten Jahr gerne einmal an einem anderen Ort auf der Welt verbringen und dort österliche Bräuche entdecken möchte, findet hier weitere Informationen.

So feiern Kinder in aller Welt Ostern

Wegen der weltweiten Corona-Pandemie wird Ostern dieses Jahr zwar meist nur in der Familie gefeiert, aber alle Kinder freuen sich trotzdem auf das Fest: ob in Armenien, Mexiko oder Weißrussland. Die Hilfsorganisation „SOS-Kinderdörfer weltweit“ hat herumgefragt, wie Kinder in anderen Ländern die Feiertage erleben und Erstaunliches herausgefunden. Die Osterbräuche sind sehr unterschiedlich: In Sierra Leone lässt man Drachen steigen und in Weißrussland schlägt man Eier gegeneinander. Und in einigen Ländern feiern nicht nur Christen, sondern auch andere Religionen kräftig mit.

Osterbräuche in Weißrussland: schön bemalte Holzeier

Anna (9) lebt im SOS-Kinderdorf in der Stadt Mogilev in Weißrussland. Sie erzählt:

Osterbräuche

Anna in Weißrussland – SOS-Kinderdörfer

„Wir haben alle keine Eltern, die sich um uns kümmern können. Deshalb feiern wir Ostern zusammen mit meiner SOS-Kinderdorfmama. Sie backt mit mir und meinen SOS-Geschwistern einen typischen Osterkuchen. Die meisten von uns sind russisch-orthodoxe Christen – und einer der Osterbräuche ist deshalb auch der Besuch eines Gottesdienstes, der ganz spät in der Nacht stattfindet, nur dieses Jahr nicht.

Das ganze Jahr freue ich mich aber auf einen anderen Brauch: Das Ostereierbemalen. Punkt für Punkt tupfen wir das Muster auf. Bemalte Ostereier haben in Weißrussland eine lange Tradition. Der russische Zar ließ sich seine Ostereier mit Gold und Edelsteinen verzieren. Bei uns sind die Eier natürlich aus Holz und wir verwenden normale Farben. Die kleinen Kinder müssen die Tupftechnik erst einmal auf dem Papier üben, denn sonst verschmieren sie die schönen Eier. Man darf echt nicht zittern. Unsere Eier verkaufen wir auf dem Kirchenbasar im Kloster. Mit dem Geld können wir armen Leuten helfen. Sonst feiern im SOS-Kinderdorf immer alle Familien gemeinsam. Das finde ich sehr schön. Aber dieses Jahr werden wir wohl nur in der Familie feiern.“

Ostern in Armenien: frisches Gras wachsen lassen

Arsine (10) erzählt, wie die Kinder im Kaukasus Ostern feiern:

Osterbräuche

Arsine in Armenien – SOS-Kinderdörfer

„Ostern oder Zatik – wie wir auf Armenisch sagen – ist ein ganz beliebter Feiertag in Armenien. Etwa einen Monat vor Ostersonntag pflanzen wir Linsen und andere Körner in Teller, die mit feuchter Baumwolle gefüllt sind. Dann wachsen kleine Pflanzen, die wie frisches Gras aussehen. Auch wenn es draußen noch kalt ist, zeigt uns das Gras, dass die Natur erwacht. Auf das Gras legen wir rote Ostereier, sie sind Symbol für Fruchtbarkeit, Erlösung und Glück.

Denn bei uns erzählt man sich, dass die Jungfrau Maria Eier und Brot mit zur Kreuzigungsstätte von Jesus nahm. Dann tropfte Christi Blut auf die Eier und färbte sie rot. Seitdem werden die Eier zur Osterfeier rot gefärbt. Auf dem Ostertisch stehen aber auch Reis mit Rosinen, Fisch und Wein. Wir Kinder dürfen die Eier färben – und sie anschließend „titschen“. Das geht so: Zwei Kinder nehmen je ein Ei in die Hand und stoßen beide gegeneinander. Wessen Ei zerbricht, der hat verloren und muss sein Ei an den Sieger abgeben.“

Ostern in Mexiko: eine (fast) echte Kreuzigung

Edwin (9) lebt im SOS-Kinderdorf in Mexiko-Stadt in Mexiko. Er erzählt:

Osterbräuche

Edwin in Mexiko – SOS-Kinderdörfer

„Eigentlich wollen meine vier Geschwister und ich an Ostern länger schlafen, aber Karfreitag ist ein ganz besonderer Tag. Wenn es dämmert, müssen wir raus aus den Federn. Wir suchen aber keine Eier – für Schokolade ist es einfach zu warm. Süßigkeiten bekommen wir aber. Und wir haben keine Schule. So haben wir Zeit für Familie und Gott. Normalerweise gehen alle Menschen in die Kirchen und machen Ausflüge mit der Familie. Am Karfreitag gibt sonst immer es eine Prozession, bei der Heiligenstandbilder durch die Straßen getragen werden.

Entlang der Strecke schmücken die Anwohner ihre Häuser. Die Kreuzigung wird dabei richtig spektakulär nachgespielt – alles ist echt: das schwere Kreuz, die Schläge, der Dornenkranz. Erst am Tag von Jesus Auferstehung wird wieder gefeiert – alle zusammen. Das wird dieses Jahr leider nicht so sein. Ich hatte mich schon darauf gefreut. Dafür wird unsere SOS-Mutter wie immer richtig viel Leckeres kochen. Zum Beispiel panierter Fisch mit Salat und Spaghetti.“

Osterbräuche in Sierra Leone: Drachen steigen lassen

Ostern wird in vielen afrikanischen Ländern eher bescheiden begangen. Lamia aus dem SOS-Kinderdorf in Freetown erzählt, wie das Fest bei ihnen gefeiert wird:

Osterbräuche

Lamia in Sierra Leone – SOS-Kinderdörfer

„Hier in Sierra Leone ist die Religion den Menschen sehr wichtig. Daher verbringen wir sonst immer den halben Ostersonntag in der Kirche. Wir tragen dabei alle so bunte Kleider wie nur möglich. Diesmal können wir wegen dem blöden Coronavirus nicht in die Kirche gehen. Also feiern wir mit der Familie. Wir tragen ganz tolle, unterschiedliche Masken. Normalerweise lassen wir an Ostern Drachen steigen. Die schönsten Drachen bekommen sogar einen Preis. Ich bin sehr traurig, dass das dieses Jahr nicht geht. Ich habe einen schönen Drachen gebastelt.“

Die 7-jährige Lingtan lebt im SOS-Kinderdorf in Jakarta und freut sich riesig auf Ostern:

Ein „Kleidchen“ für das Osterei ist in Indonesien ein fester und beliebter Brauch.

„An Ostern muss ich nicht in die Schule gehen. Wir suchen in unserem Garten nach Ostereiern. Ecco, mein allerbester Freund, darf mitsuchen – und das obwohl er Moslem ist. Aber bei uns dürfen alle Kinder suchen, egal welche Religion sie haben. Auch Buddhisten oder Hindus. Die gefundenen Eier bemalen wir und kleben Goldfolie darauf. Mittags fahren wir dann zum Ostergottesdienst.

Ich freue mich sehr darauf, weil ich dann mein schönstes Kleid anziehen darf. Aber dieses Jahr können wir nicht in die Kirche gehen. Das macht mich traurig. Denn wir Kinder dürfen an Ostern in der Kirche ganz vorne sitzen. Am Ende bekommen wir dann noch ganz leckere Süßigkeiten geschenkt.“  wie auch die Kinder in Deutschland.

Info: „SOS-Kinderdörfer weltweit“ ist eine Organisation, die Kindern hilft. Wenn Kinder keine Eltern mehr haben oder sie nicht mehr bei ihren Eltern leben können, dürfen sie im SOS-
Kinderdorf leben. Dort haben sie eine SOS-Mama und Geschwister. Weltweit gibt es über 500 solche Kinderdörfer in 137 verschiedenen Ländern. Außerdem hilft die Organisation armen Familien.