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„Tolle Begegnungen mit Menschen aus aller Welt machen für uns das Reisen aus.“

Die „Travelbohos“ Xenia und Stefan reisen für ihr Leben gern. 14 Monate waren sie auf Weltreise und lebten unter anderem in Australien, Neuseeland und Asien. Nun sind sie wieder zurück in Deutschland und planen ihren nächsten Trip nach Südamerika. Was sie auf ihren Reisen bisher erlebt haben und welche Schwierigkeiten und Höhepunkte es gab, erzählen sie im Interview.

Expat-News: Was war für euch am Schönsten und Einprägsamsten auf eurer Weltreise?

Xenia: Das ist wohl die meist gestellte und zugleich am schwierigsten zu beantwortende Frage, da jedes Land für sich so viel Schönes zu bieten hat. Unser Start im Waisenhaus auf Sansibar war sehr lehrreich und eine tolle Erfahrung. Wildtiere in freier Natur zu erleben, auf den Inseln der Philippinen und Cookinseln vor lauter Schönheit aus dem Staunen nicht mehr herauszukommen oder das Gefühl von Freiheit mit dem Campervan in Neuseeland und Australien, sind alles Highlights für uns. Unser persönlicher Höhepunkt war sicherlich unsere Hochzeit zum Abschluss der Weltreise im Oktober am Strand von Santa Barbara.

Was wir in allen Ländern erfahren haben, war eine enorme Gastfreundschaft. Die tollen Begegnungen mit Menschen aus aller Welt machen für uns das Reisen aus.

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Expat-News: Wie kam es überhaupt dazu, dass ihr eure Koffer gepackt habt und losgereist seid?

Stefan: Nach den üblichen zweiwöchigen Urlaubsreisen kam in uns der Wunsch auf, für längere Zeit zu reisen. Wir wollten die Welt mit all ihrer Schönheit, der Kultur und den Menschen entdecken. Eine Auszeit vom Alltag nehmen, das machen, worauf wir Lust haben und uns persönlich weiterentwickeln, war auch ein wichtiges Ziel. Nach einem Städtetrip im Mai 2016 hatten wir uns entschlossen, im Sommer 2017 auf Weltreise zu gehen – egal, was kommt.

Des Weiteren haben uns Vlogger wie Life to go in unserem Vorhaben bestärkt. Denn sie zeigten mit ihren Videos und Postings, wie „einfach“ so eine Weltreise sein kann.

Expat-News: Welche größten Hindernisse oder Probleme hattet ihr bisher auf Reisen?

Xenia: Insgesamt hatten wir sicher Glück, da uns nie etwas Schlimmes passiert ist. Nichtsdestotrotz hatten wir auch das ein oder andere Problem. Beispielsweise hatten wir recht früh auf unserer Reise Schwierigkeiten mit der Kreditkarte. Stefans Karte wurde wegen Verdachts auf Missbrauch gesperrt und ich hatte die Pins für meine Karten vergessen. So standen wir nur noch mit ein paar Namibia-Dollar in der Tasche da, die nicht mal für die Unterkunft am Abend reichten. Nach mehreren Stunden und Telefonaten nach Deutschland hatten wir über Western Union eine Möglichkeit gefunden, an Geld zu kommen. Doch kurz darauf hatten Stefans Eltern, nachdem sie alle Ordner durchwühlt hatten, einen Pin gefunden – es war glücklicherweise der Richtige.

In Südafrika hatte Stefan das Pech, dass er sich am vorletzten Tag den Knöchel verstauchte. Da das nächste geöffnete Krankenhaus zwei Stunden entfernt war, musste ich bei Dunkelheit und Linksverkehr nach Kapstadt fahren (ich fahre nicht gerne Auto und schon gar nicht bei Nacht und Dunkelheit). Stefan bekam eine Schiene und Krücken, so ging es am nächsten Tag mit dem Flugzeug nach Sri Lanka und dort erneut zum Arzt.

In Indien kamen wir das ein oder andere Mal in eine schwierige Situation. Wir wurden am ersten Tag gleich von einem Taxifahrer betrogen. Wie wir später erfuhren, war es die typische Masche: Die Straße zum Hotel ist gesperrt, er bringt uns dann in ein Touristenbüro, wo uns geholfen werden soll. Als wir dort in ein Hinterzimmer mit blutverschmierten Wänden geführt wurden, war uns sofort klar, was da los ist… Wir sind rausgerannt und haben in einem Geschäft nebenan Hilfe bekommen.

„Wir versuchen bewusster zu leben, gerade was die Vermeidung von Plastik angeht.“

Expat-News: Habt ihr euch durch die Reisen verändert? Gibt es Lebensweisheiten, die ihr für euch mitgenommen habt?

Stefan: Definitiv ja. Nicht, dass wir vorher andere Menschen oder unzufrieden waren, aber wir haben durch das Reisen enorm viel mitgenommen, was uns als Menschen reifen ließ. Ebenso hat sich die Einstellung etwas geändert und wir hinterfragen viel mehr Dinge. Müssen wir der „Konsumgesellschaft“ folgen? Benötigen wir immer noch mehr und immer das Beste? Warum finden wir in den Straßen Asiens oder in den Weltmeeren tonnenweise Plastikmüll und was können wir dagegen tun? Es gibt einfach sehr viele Fragen, die alle etwas angehen. Jedenfalls versuchen wir bewusster zu leben, gerade was die Vermeidung von Plastik angeht.

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Oder zum Thema Konsumgesellschaft: Auf Reisen kommen wir mit wenig Kleidung aus, während zu Hause der Kleiderschrank voll hängt und wir trotzdem nichts zum Anziehen finden. Die Kinder im Waisenhaus in Tansania hatten kaum Spielsachen, doch gespielt und gelacht haben sie trotzdem. Sie entwickeln andere Spielmöglichkeiten, weniger mit materiellen Dingen, sondern miteinander. Ganz egal, ob einfach hintereinander herrennen, tanzen singen oder kochen.

Wir haben für uns folgende Lebensweisheit mitgenommen: Positiv durch das Leben gehen, sich selbst vertrauen und vor allem seine Träume leben.

Expat-News: Als Paar länger gemeinsam auf Reisen zu sein, ist manchmal bestimmt nicht einfach, man verbringt viel Zeit miteinander und es gibt Konfliktpotenzial. Wie geht ihr damit um?

Xenia: Obwohl wir auf Reisen 24 Stunden zusammen sind, streiten wir uns selten. Wir glauben, es liegt daran, dass wir nicht im stressigen deutschen Arbeitsalltag sind, wo es gewisse Zwänge gibt, die sich auf die Beziehung auswirken können. Natürlich gibt es diese Stresssituationen auch auf Reisen, nichtsdestotrotz ist man freier und geht entspannter mit diesen Situationen um. Wenn es dann doch mal zum Konflikt kommt, können wir uns nicht lange böse sein. Nach ein paar Stunden haben wir uns immer wieder vertragen. Im Endeffekt hat man auch keine andere Möglichkeit, es kann ja keiner sagen, ich gehe heute zu einem Freund oder einer Freundin oder verbringe den Tag irgendwo anders. Vielleicht ist gerade das der Schlüssel.

Die Reise hat nicht nur uns selbst als Person weiterentwickelt, sondern auch als Paar gestärkt und gefestigt. Wir haben somit erfahren, dass uns nichts trennen kann und wir uns immer aufeinander verlassen können. Auch wenn wir 24 Stunden am Tag beieinander sind, wollen wir nicht mehr ohne einander. Da wir diese „Beziehungsprobe“ bestanden haben, war für uns klar, im anderen den Partner fürs Leben gefunden zu haben und so kamen wir als Ehepaar zurück nach Deutschland. Das Zitat von Albert Schweitzer „Glück ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.“, trifft es ganz gut.

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Expat-News: Wie bereitet ihr euch auf die Reisen vor?

Xenia: Momentan bereiten wir uns schon voller Vorfreude, nach zwei Monaten Heimaturlaub, auf die Lateinamerika-Reise vor. Zuerst haben wir uns um das Equipment gekümmert. Nachdem wir bei unserer ersten Reise noch mit riesigen Backpacks, die 75 beziehungsweise 85 Liter schwer waren, gereist sind, starten wir dieses Mal nur noch mit jeweils 50 Litern. Es braucht einfach nicht viel zum Reisen, vor allem was Klamotten angeht.

Da wir nun in Länder reisen, in denen nicht immer Englisch gesprochen wird, lernen wir gerade eifrig Spanisch. Es ist von großem Vorteil, zumindest die Basics, in der Landessprache zu beherrschen.

Wir informieren uns zu jedem Land meist über Vlogs und passende Blogbeiträge über Sicherheit, schöne Orte, Aktivitäten und so weiter. Jedoch wollen wir nicht vorab alles durchplanen, sondern flexibel bleiben. Daher haben wir gewisse Sachen im Kopf, die wir im jeweiligen Land machen wollen, aber keine Liste, die wir „abarbeiten“. Wir haben die Erfahrung gemacht, durch den Kontakt mit Einheimischen oftmals wertvolle Tipps zu bekommen, für die wir immer dankbar sind. Die Unterkünfte buchen wir in der Regel nur für die ersten Tage, um spontan vor Ort die weitere Reiseroute entscheiden zu können.

Expat-News: Was in Deutschland vermisst ihr am meisten, wenn ihr auf Reisen seid?

Stefan: Fast nichts! Natürlich fehlen uns die Familie und der Freundeskreis. Doch dank des Smartphones sind wir gut vernetzt und können regelmäßig telefonieren. Heimweh kam bei uns noch nie auf. Was wir aber definitiv vermissen, sind die deutschen Backwaren.

„Wenn etwas schiefläuft (und das wird es auf jeden Fall), wartet die Lösung oder eine helfende Hand bereits an der nächsten Ecke.“

Expat-News: Welche Tipps könnt ihr anderen Reisenden geben?

Stefan: Man sollte neugierig, spontan, flexibel sein und auf das Bauchgefühl hören und ruhig und positiv bleiben, wenn etwas schiefläuft (und das wird es auf jeden Fall), denn die Lösung oder eine helfende Hand wartet bereits an der nächsten Ecke.

Die Uhren ticken in einigen Ländern etwas anders als in Deutschland. Wer die deutsche Pünktlichkeit gewohnt ist, wird sich vielleicht ärgern, wenn das Tuk Tuk in Kambodscha 20 Minuten oder der Zug in Indien Stunden später kommt. Das Zeitempfinden ist dort eben etwas langsamer und genauso sollte man es auch handhaben, einfach entspannt damit umgehen. Es kann durchaus schön sein, ohne diesen Termindruck zu leben.

Wir möchten unsere Erlebnisse, egal ob positiv oder negativ, nicht missen. Es ist in gewisser Weise auch ein Spiegelbild des Reisens. Es läuft nicht immer wie erhofft oder geplant, doch am Ende bist du genau um diese Erfahrungen reicher. Wir können Reisenden nur raten: Zieh den Backpack auf, geh raus in die große weite Welt und sauge jede Erfahrung ein, ob positiv oder negativ. Am Ende wirst du an die vielen positiven Momente zurückdenken, doch die negativen lassen dich als Mensch reifen.

Expat-News: Wohin geht eure Reise als nächstes?

Xenia: Wir starten unser nächstes großes Abenteuer Anfang Januar in Panama. Dorthin begleiten uns für zwei Wochen Freunde aus der Heimat. Wir sind schon ganz gespannt auf das Land und seine Menschen. Anschließend sind noch Costa Rica, Peru, Chile und Bolivien geplant.

Über Travelbohos

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Seit 2013 sind Xenia und Stefan gemeinsam auf Reisen. 2017 entschlossen sie sich, auf Weltreise zu gehen. Als Travel Blogger möchten sie über Vorbereitung, Ausrüstung und besuchte Länder informieren, Empfehlungen und Tipps geben und Interessierte an ihrer Reise teilhaben lassen.

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