Life.to.Go
© Jessica und Daniel Krawczyk

„Wir wollten raus aus der Konsumspirale“

Seit gut drei Jahren bereisen und entdecken Jessica und Daniel Krawczyk den Globus. Wie sehr dieses Leben „on the road“ das junge Ehepaar geprägt hat, wie sich ihre Lebenseinstellung verändert hat und wie sie es schaffen, als Paar 24 Stunden an praktisch jedem Tag der Woche harmonisch miteinander immer neue Abenteuer zu erleben, erzählen die beiden im Interview.

EXPAT NEWS: Ihr bereist bereits seit mehreren Jahren die Welt und berichtet darüber in Video- und Blogbeiträgen. Gab es ein Schlüsselerlebnis, das euch in dieser Entscheidung damals besonders bestärkt habt und wenn ja welches?

Daniel: Am 18.08.2018 war es genau drei Jahre her, dass wir unsere Reise um die Welt gestartet haben, die mittlerweile zur Lebensreise geworden ist. Den Wunsch einmal die Welt zu bereisen, zu sehen und zu entdecken hatten wir schon viele Jahre zuvor, da wir es lieben zu reisen, neue Kulturen zu entdecken und eben auch Unterschiede zwischen all den Ländern und Menschen zu erfahren. Im Februar 2015 bekamen wir das Angebot, die von uns als Mieter bewohnte Wohnung zu kaufen. Erst war es ein super Angebot, wir freuten uns, führten schon Gespräche mit der Bank und sagten mündlich zu.

Dann aber, fühlte sich plötzlich alles „falsch“ an. Hinzu kamen ein paar unschöne Arbeitstage bei Jessi, nach denen wir spazieren gingen und viel redeten. Aus heiterem Himmel fragte ich sie dann, ob wir jetzt abhauen sollen. Einfach die Weltreise starten. Jessi lachte jedoch nur und meinte: „Du spinnst doch!“ Ein Tag später die gleiche Story. Jessi kommt mies gelaunt von der Arbeit, wir gehen spazieren und plötzlich fragt sie: „Hast du das gestern ernst gemeint?“. Ich wusste erst nicht, worauf sie genau hinaus wollte und dann sagte sie „Das mit der Weltreise“. Ich bestätigte dies und dann schauten wir uns an, bekamen feuchte Augen und sagten beide „JA!“.

„Manchmal fühlten wir uns wie im Hamsterrad“

Jessi: Wir hatten beide feste Jobs und das Glück, in Köln arbeiten zu können, dennoch fühlten wir uns irgendwie wie im Hamsterrad. Ich hatte bei einem Kieferorthopäden gearbeitet und Daniel beim Paketzusteller UPS. Man kann auch nicht sagen, dass einer von uns die treibende Kraft für die Lebensreise war. Der „Drang“ war bei uns beiden gleich groß. Wir spürten einfach, dass es da draußen noch etwas anderes gibt – abseits all der Normen, Vorgaben und eben außerhalb vom Hamsterrad. Der Entschluss stand fest und schon am ersten Abend verkauften wir einige Möbel im Netz.

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Es folgten sechs turbulente Monate mit viel Bürokratie, Verkauf von all unserem Hab und Gut und Planung der Reise, der passenden Weltreise Packliste und so weiter. Auf unserem YouTube Kanal kann man dazu die passenden Playlists finden, unter anderem eine zur Weltreise Vorbereitung, aber ebenso alle Weltreise Videos ab Video 1 geordnet nach Ländern. Wer lieber Berichte liest, findet all diese Infos auch auf unserem Life to go Reiseblog.

EXPAT NEWS: Ihr wolltet vor allem vor einem konsumorientierten Leben fliehen – würdet ihr sagen, dass euch dies gelungen ist?

Daniel: Ganz klar JEIN! Ziel war, dass uns Medien nicht mehr sagen, was wir zu kaufen haben. Wir wollten raus aus der Konsumspirale. Das hat auch mehr als gut geklappt. Schuhe werden nicht mehr ersetzt, nur weil es neue Modelle gibt. Das neue Handy wird nicht gekauft, nur weil alle im Freundeskreis das neueste Smartphone besitzen, um nur zwei plakative Beispiele zu nennen. Hier sind wir nun eher praktisch orientiert und leiten uns selbst, anstatt von der Werbung geleitet zu werden. Da wir für unsere Arbeit jedoch gute und qualitativ hochwertige Geräte brauchen, beispielsweise MacBooks und Kameras, ist uns hier immer wichtig, dass wir auf aktuellem Stand bleiben und somit immer hohe Qualität bieten können. An unserem „Besitz“ kann man jedoch gut erkennen, dass wir nicht sehr konsumorientiert leben, denn all unser Hab und Gut steckt in zwei großen Rucksäcken und zwei kleinen (Kamera-) Rucksäcken. Ich denke, egal was man besitzt, wenn all das Zeug in diese Rucksäcke passt, kann man einfach nicht von einer konsumorientierten Lebensweise sprechen.

EXPAT NEWS: Glaubt ihr, dass euer Lifestyle etwas Generationentypisches ist? Sind die „digitalen Nomaden“ aus eurer Sicht eine stark wachsende Gemeinschaft und irgendwann etwas total Alltägliches?

Jessi: Definitiv ändert sich was. Die heutige Generation hat einen ganz anderen „Drive“. Man hinterfragt mehr, traut sich mehr und riskiert auch mehr. Von Generation zu Generation wurde weitergegeben, dass Sicherheit das A und O ist. Heute wünscht man sich natürlich nach wie vor ein gewisses Maß an Sicherheit, aber um dieses zu erlangen, wird eben auch oftmals etwas riskiert. Die heutige Generation hat Zugriff auf Möglichkeiten, Daten, Infos und auch Berufswege, die es so vor ein paar Jahren nicht gegeben hat. „Digitale Nomaden“ gibt es schon länger, doch ist der Begriff nun ein kleiner „Trend“ geworden. Die Community der Digitalen Nomaden, wenn man sie so nennen kann, wächst immer mehr, immer weiter und ebenso immer schneller.

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Jedoch ist das digitale Nomadentum auch nicht für Jedermann geeignet. Oftmals, nicht immer, ist damit eine eigene Selbständigkeit verbunden und diese Freiheit sein eigener Chef zu sein, überfordert einige Menschen auch, die eher Anweisungen benötigen, anstatt diese geben zu können. Unserer Meinung nach werden „ortsunabhängige und digitale Jobs“ immer alltäglicher, aber natürlich bleiben auch etliche Jobs für immer bestehen, denn es kann nicht nur ausschließlich die eine oder andere Seite geben.

EXPAT NEWS: Inwieweit hat eure Lebensreise euch bislang verändert? Welche Lebensweisheiten habt ihr bisher für euch mitgenommen?

Daniel: Es haben tatsächlich grundlegende Änderungen stattgefunden. Wir dachten eigentlich, dass wir schon immer zu schätzen wussten, was wir in Deutschland alles haben: Gute Krankenversicherungen, allgemeine Absicherungen, keine echte Armut wie in vielen Ländern der Welt und noch so vieles mehr. Doch heute können wir sagen, dass wir erst jetzt wirklich wissen, wie gut es uns in Deutschland und all den Industrienationen geht. Wir können unser Leitungswasser trinken, haben generell einfach fließend Wasser im Haus, Strom, sichere Unterkünfte, viele von uns besitzen Autos, (saubere) Kleidung und davon sogar eine große Auswahl und und und.

„Wir möchten auf unserer Weltreise eine Familie gründen“

Unser Denken hat sich fundamental geändert! Wir sind heute noch viel dankbarer als früher, wissen kleine Dinge zu schätzen und wissen ebenso, dass man so gut wie nichts für normal und selbstverständlich ansehen sollten. Ebenso leben wir im JETZT, versuchen immer positiv zu denken, und bemühen uns, auch in Dingen, die mal schief laufen, etwas Gutes zu entdecken. Ganz wichtig ist auch noch die Erkenntnis: Wir leben nur dieses eine Mal. Somit sollten wir versuchen, dieses eine Leben in vollen Zügen zu genießen. Passt der Job nicht, sind wir unglücklich, gibt es Dinge, die uns bedrücken – wir sollten immer versuchen das Bestmögliche aus unsere Leben heraus zu holen. Deswegen sagen wir immer: Ein Leben! Lebt es!

EXPAT NEWS: Ihr kommuniziert offen euren Kinderwunsch. Wenn ihr Nachwuchs habt, wie wird es dann weitergehen? Plant ihr, „sesshaft“ zu werden?

Jessi: Ja, wir möchten auf jeden Fall eine Familie gründen. Im Kinderwunsch auf Weltreise Video waren wir darauf auch erneut eingegangen. Für uns ist klar, dass wir uns in Asien eine Homebase aufbauen wollen. Der Fokus liegt dort aktuell auf Thailand, auch wenn es hier bezüglich Visum und co. einige Hürden zu bewältigen gibt. Dort möchten wir leben, eine Familie gründen und natürlich auch von Thailand aus weiterhin reisen.

EXPAT NEWS: Das heißt, ein Leben nach der Reise, echte Sesshaftigkeit in Deutschland, kommt eher nicht mehr infrage für euch?

Jessi: Fest sesshaft ohne weitere Reisen können wir uns nicht vorstellen. Eine Homebase durchaus, ein geregelteres Leben an einem Ort ebenfalls, aber mit dabei sollen immer weitere Reisen sein. Wir lieben die Welt, die Natur, kleine und große Abenteuer, Begegnungen mit Mensch, Tier und neuen Kulturen. Wie sagt man so schön: Die Welt ist wie ein Buch und die Menschen, die nicht reisen, lesen nur eine oder wenige Seiten. Da ist auf jeden Fall was dran.

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EXPAT NEWS: Ihr verbringt sehr viel Zeit gemeinsam als Ehepaar – wahrscheinlich mehr als durchschnittliche Paare, die in der westlichen Welt leben und ihren Jobs als Angestellte nachgehen. Wie schafft ihr es, euch nicht zu sehr auf die Nerven zu gehen bzw. wie verhindert ihr Konflikte, die auf starker Zweisamkeit basieren?

Daniel: Oh, das ist eine sehr oft gestellte Frage. Eigentlich ist das „Geheimnis“, dass man geben und nehmen können muss. Nicht nur fordern, sondern gleichermaßen für den anderen da sein. Reden und ebenfalls zuhören. Fragen, was der andere sich wünscht, anstatt nur selbst Wünsche zu äußern und immer einen gemeinsamen Weg zu gehen. Seit drei Jahren sind wir wirklich so gut wie 24 Stunden am Tag beieinander. Es klappt wundervoll und natürlich gibt es auch bei uns Diskussionen, aber eben auf einem anderen Level. Wir klären Dinge und Themen, anstatt durch die jeweiligen Meinungen entzweit oder geteilt zu werden. Zu all diesen Themen hatten wir auf unserer Reise auch verschiedene Videos gemacht, die vermutlich einen besseren und direkteren Eindruck bieten als dies hier ausführlich zu beschreiben.

EXPAT NEWS: Abgesehen von der Familie – was fehlt euch am meisten unterwegs?

Jessi: Ganz klar Brötchen! Nein, Scherz. Allerdings antworte ich auf diese Frage oftmals wirklich genauso, da es weltweit scheinbar wirklich keine so guten Brötchen gibt wie hier in Deutschland. Neben der Familie fehlen eben auch Freunde. Oftmals ist es die Sauberkeit in anderen Ländern, da zum Beispiel in Asien einfach kein Bewusstsein für Umweltschutz und Nachhaltigkeit besteht wie bei uns vor der eigenen Haustür. Zu sehen, wie unachtsam und unbedacht oftmals mit Abfällen umgegangen wird, ist schon hart. Ebenso ist eben das Gesundheitssystem in Deutschland wirklich erstklassig. Liegt man mal richtig krank in Indonesien im Krankenhaus, welches eher wie ein Nebenzimmer vom Schlachter ausschaut – überspritzt gesagt – weiß man einfach, was einem in diesem Moment fehlt.

Trotzdem muss man sagen, dass die Versorgung unterwegs fast immer ausgezeichnet ist. Egal, ob etwa bislang in Thailand, Malaysia oder Namibia. Generell gesagt fehlt uns aber nicht so viel. Vielleicht fehlt manchmal noch eine starke Wifi-Leitung *lach*. Allgemein versuchen wir immer drauf zu schauen, was es an positiven Dingen gibt und was man eben hat beziehungsweise was einen umgibt, anstatt zu schauen, was uns fehlt. Für den einen ist das Wasserglas eben immer halb leer und für den anderen halb voll. Bei uns ist es Letzteres.

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EXPAT NEWS: Habt ihr ein bestimmtes Land, deren Kultur bzw. Lebensart euch besonders zusagt und umgekehrt?

Jessi: Generell gefällt uns wie schon erwähnt Thailand sehr gut. Dort können wir nur wenig Schlechtes berichten. Sehr gut gefallen hatte uns aber auch Japan, da wir nie zuvor so freundliche Menschen erlebt haben. Dort waren wir von der Freundlichkeit geradezu positiv erschlagen.

EXPAT NEWS: Ihr habt euch bewusst für den BDAE als Auslandskrankenversicherer entschieden. Was waren die ausschlaggebenden Gründe?

Daniel: Das Gesamtpaket passt einfach, denn für uns persönlich war es schwierig, eine zu unserem Lebensstil wirklich passende Auslandskrankenversicherung zu finden. Allein das Thema Geburt auf Reisen und im Ausland ist eine Sache für sich. Vergleicht man hier etwa die einzelnen Leistungen, Preise, Absicherung und vieles mehr, dann schlackern einem da oftmals die Ohren, um es auf „gut Deutsch“ zu sagen. Durch unsere Versicherung beim BDAE haben wir nun aber alles genau und passend abgesichert. Selbst wenn wir Nachwuchs erwarten, ist die Geburt so abgesichert, dass wir im Gegensatz zu einer Versicherung und einem Aufenthalt in Deutschland keine Abstriche machen müssen. Dazu kommen eine freie Wahl von Ärzten und Krankenhäusern, eine schnelle Abwicklung von Anfragen oder eingesendeten Rechnungen und was auch sehr genial ist, ist die Tatsache, dass alles auf Deutsch abgewickelt wird. Zusammengefasst: für uns eben die Versicherung, die uns alles bietet, nach dem wir gesucht haben!

ÜBER LIFE TO GO

life.to.goAnfangs 2015 kündigten Jessica und Daniel Krawczyk ihre Jobs und sind seither als Travel Blogger, Travel Vlogger, Content Producer, Fimemacher und Digitale Nomaden weltweit unterwegs. Mit ihren Berichten möchten sie ihrer Community und allen Interessierten die Welt ein wenig näher bringen und fundierte Tipps für das Abenteuer Ausland geben.

Blog: Weltreise Blog / Länder und Berichte Übersicht / Auslandskrankenversicherung

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Videos über das Thema „Als Paar auf Weltreise“:

Beziehung auf Weltreise, wie ist es wirklich?

8 Jahre Beziehung – Unser Geheimnis

2 Jahre 24h Beziehung auf Weltreise

Kinderwunsch auf Weltreise