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Weihnachten auf islamisch

Pünktlich zur Adventszeit ist ein besonderes Kinder-Weihnachtsbuch erschienen. Es beschreibt die Jesus-Geburt aus der Perspektive des Korans. zenith hat sich mit der Autorin Leyla Yawari unterhalten und den Band unter die Lupe genommen.

Nein, es ist nicht neu, dass Christentum und Islam mehr Gemeinsamkeiten haben, als in der breiten Masse der deutschen Gesellschaft allgemein bekannt sein dürften. Doch auch wenn die Hamburgerin Leyla Yawari in ihrem Buch »Weihnachten gehört allen!« diese Feststellung in Bezug auf die Geburt Jesu transportiert, geht es in dem 40-seitigen Band um eine ganz andere Aussage: »Wir müssen in unserer Gesellschaft mehr Kenntnis von den anderen um uns herum haben«, wie sie zenith gegenüber erzählt.

Zwar wendet sich das Buch in seiner Gestaltung und Sprache an Grundschüler oder vorlesende Eltern, aber es zeichnet auch ein Bild aus der Mitte deutschen Alltags: alleinerziehende Mütter, stereotype Vorurteile über den Islam, multikulturelle Ehen, Freundschaften über Religionsgrenzen hinweg, Mobbing in der Schule, Isolation von Muslimen.

Zum einen erfährt der Leser, wie im Koran die Weihnachtsgeschichte erzählt wird, zum anderen regt das Buch dazu an, über das Problem von Abgrenzung entlang von Religionsgrenzen in der deutschen Gesellschaft nachzudenken. Yawari entwirft eine rührende Szene, in der sich Mitra, die einen muslimischen Vater hat, um die Rolle der Maria beim alljährlichen Krippenspiel bewirbt. Als ihr von Mitschüler Klaus vorgeworfen wird, sie könne die Rolle nicht übernehmen, da die Geburt Jesu ein christliches Fest sei und sie als Tochter eines Muslims diese nicht feiern dürfe, kullern die Tränen. Als Kontrast zur Kälte des herbstlichen Schneewetters und der Demütigung in der Schule steht die Rolle der Frau Richter, die in behaglicher und warmherziger Atmosphäre von der muslimischen Erzählung der Geburt Jesu berichtet.

Der Islamwissenschaftlerin Yawari ist mit ihrem Erstlingswerk auf verschiedenen Ebenen ein interessantes Projekt gelungen: Sie erzählt auf zwei Ebenen – auf der der Schulszene und als Geschichte in der Geschichte von der Geburt Jesu. Durch die kindergerechte Sprache erleichtert sie den Zugang zum großen Themenfeld des interreligiösen Dialogs. Sie arbeitet insbesondere die Unterschiede zwischen der koranischen und der biblischen Weihnachtsgeschichte heraus. Und sie präsentiert in ihrem Buch interessante Illustrationen der bekannten Soul-Sängerin Nneka, die von der mitteleuropäischen Weihnachtsromantik abweichen und Engel mit dunklem Taint oder an anderer Stelle eine einsame Maria unter einer Dattelpalme statt in einem Stall zeigen.

Mit überschaubaren 24 Textseiten ist die Geschichte straff erzählt und lässt Raum für eigene Gedanken. Weitestgehend gelingt es der Autorin, den sprichwörtlichen, belehrenden Zeigefinger im Hintergrund zu lassen. Sicherlich gibt es Kinderbücher, die in ihrer Sprache ausgereifter sind. Doch das vorliegende Buch besticht darin, eine tiefgründige Thematik zu verfolgen, die in Kinderbüchern sehr selten aufgegriffen wird, und dennoch einen Spannungsbogen zu besitzen, dem Kinder im Grundschulalter leicht folgen können.

Quelle: zenith BusinessReport

Foto: © Stasys Eidiejus – Fotolia.com