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Personal- und Jobsuche in den VAE: Worauf es ankommt

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind als einer der dynamischsten Märkte der Region bekannt. Die geografische Lage des Landes an der Kreuzung zwischen Ost und West begünstigte ihren Aufstieg zum regionalen Drehkreuz.

Expats in Dubai arbeiten gerne für dort ansässige deutsche Unternehmen. Es sind vor allem die gefühlte Verlässlichkeit und Arbeitsplatzsicherheit, die klaren Strukturen, die hohen Produkt- und Dienstleistungsqualität sowie das positive Arbeitsumfeld und die Sozialleistungen, die deutsche Firmen attraktiv machen. Dies ist eines der Ergebnisse des Personalreports Dubai, den die Außenhandelskammer (AHK) und der Personaldienstleister Departer herausgegeben haben.

Personen mit Schlüsselqualifikationen Mangelware

Die Personalverantwortlichen deutscher Firmen in den VAE müssen sich allerdings einigen Herausforderungen stellen. So sei es besonders schwierig, Personen mit Schlüsselqualifikationen anzuwerben – dies oft auch, weil es nicht die geeigneten Fachkräfte gibt. Fast genau so schwierig sei es, qualifizierte Mitarbeiter nach erfolgreicher Anwerbung im Unternehmen zu halten. Der Aufbau von Führungsqualitäten innerhalb der Belegschaft sowie die Erhöhung der Produktivität bei den Mitarbeitern sind weitere, als schwierig empfundene Faktoren.

„Die VAE haben sich seit der Finanzkrise zu einem Arbeitnehmermarkt entwickelt“, erläutert Christopher Wöhler, Niederlassungsleiter von Departer in Dubai. „Zusätzlich führen rechtliche Einschränkungen, beispielsweise, dass ein dauerhafter Aufenthalt im Land nur mit Arbeitsplatz möglich ist, dazu, dass sich praktisch keine Arbeitslosen im Land befinden. Potenzielle Mitarbeiter müssen entweder aus dem Ausland rekrutiert oder bei anderen Firmen abgeworben werden.“

Schwieriger Rekrutierungsprozess

Kommen dazu noch Budget-Einschränkungen, komplizierte Visabestimmungen oder eine unvorhersehbare wirtschaftliche Entwicklung, kann die Rekrutierung sowohl für kleine Markteinsteiger als auch für große Konzerne schnell zum Alptraum werden. Kleine deutsche Unternehmen sind vor allem im Bereich Verkauf tätig und verfügen außer ihren Sales- und Servicemitarbeitern oft nur über eine Geschäftsführung und eine für Verwaltung zuständige Bürokraft, die mit der Rekrutierung von neuem Personal schlichtweg überfordert ist. Wöhler empfiehlt in diesem Fall Unterstützung durch Personaldienstleister wie Departer, da der gesamte Suchprozess in den VAE anders als beispielsweise in Deutschland abläuft. Ausschreibungen erreichen oft nicht die gewünschte Zielgruppe und Vakanzen können nicht einfach wie in Deutschland ans Arbeitsamt weitergegeben werden, das eine Liste geeigneter, arbeitssuchender Kandidaten zurückschickt. Aus diesem Grund versuchen viele Unternehmen, ihre Mitarbeiter aus dem Heimatland mitzubringen, was Vorteile wie auch Nachteile birgt. Einerseits kennen diese Mitarbeiter die Unternehmenskultur und sind mit den Produkten bestens vertraut, andererseits verfügen sie jedoch oft nicht über die nötige Marktkenntnis und sind außerdem in der Regel teurer als lokal Angestellte.

Hohe Mitarbeiterfluktuation

Ein Problem, das von Unternehmen in der Region immer wieder angesprochen wird, ist die hohe Mitarbeiterfluktuation, die es zuweilen schwierig macht, von vielversprechenden Talenten entsprechend zu profitieren. Christopher Wöhler führt dies auf zwei Ursachen zurück: „Die vergleichsweise hohe Fluktuationsrate ist allein schon aufgrund der Bevölkerungsstruktur in der Region geprägt, denn 80 Prozent der Arbeitskräfte sind Expats.“ Daran könne das Unternehmen zwar nichts ändern, muss jedoch umso stärker angemessen auf die Situation reagieren.

Des Weiteren sei der Arbeitsmarkt im Vergleich zu Deutschland verzerrt, weil die Hauptmotivation von Expats, zum Arbeiten ins Ausland zu gehen, darin liegt, dass sie dort mehr Geld verdienen. Also müsse ein entsprechendes Gehalt geboten werden. Dennoch gilt: Es mag der finanzielle Anreiz sein, der viele in die Golfstaaten lockt, er ist jedoch nicht notwendigerweise das, was sie zum Bleiben bewegt. Auch soziale Faktoren der Mitarbeiterbindung wie Wertschätzung, ein angenehmes Arbeitsklima, Teamgeist, Familienfreundlichkeit im Betrieb und gute Sozialleistungen spielen eine von Firmen hierzulande oft gefährlich unterschätzte Rolle. Insbesondere seit der Wirtschaftskrise stehen ausländische Niederlassungen deutscher Unternehmen unter größerer Beobachtung aus der Heimat und somit unter mehr Druck.

Soft Skills spielen allmählich größere Rolle

„Weiche“ Faktoren, die sowohl intern zur Mitarbeiterbindung als auch extern zu einem positiven Unternehmensimage beitragen und in der westlichen Welt längst zum Standard sind den VAE oft noch unterentwickelt. Erfahrungswerte von Departer und der AHK zeigen jedoch, dass die ernstgenommene Sozialverantwortung eines Unternehmens, die sich etwa in gemeinsamen Aktivitäten oder Zuschuss zu Schulgeldern äußert, zu großen Unterschieden – nicht nur in der wirtschaftlichen Leistung, sondern vor allem auch bei der Mitarbeiterzufriedenheit und daraus resultierender Loyalität – führt.

Im Durchschnitt arbeiten die momentan in deutschen, österreichischen und Schweizer Unternehmen in den VAE Angestellten seit 4,7 Jahren beim selben Arbeitgeber. Ein Viertel von ihnen hat einen Expat-Vertrag, die restlichen drei Viertel sind lokal angestellt. Die befragten Arbeitnehmer leben im Durchschnitt seit fast sechs Jahren in den VAE und planen, für weitere 4,4 Jahre zu bleiben. Zu den Hauptgründen für Angestellte, die VAE zu verlassen, gehören Familienangelegenheiten, berufliche Weiterentwicklung, das Arbeitsvertragsende und Lebenshaltungskosten. Wegen der hohen Fluktuation empfiehlt Departer, innerhalb der Personalplanung der Personalnachfolge einen hohen Stellenwert einzuräumen.

Durchschnittliche Wochenarbeitszeit: 47 Stunden

Im Durchschnitt arbeiten Arbeitnehmer deutschsprachiger Unternehmen mit 47 Wochenstunden verteilt auf fünf Arbeitstage neun Stunden mehr als ihre Kollegen in Deutschland. Das höhere Arbeitspensum in den VAE steht zwar mit dem von Mitarbeitern als vergleichsweise höher empfundenen Stresslevel in Verbindung, beeinflusst jedoch nicht deren allgemeine Zufriedenheit. Die meisten wissen bei ihrer Übersiedlung in die Golfregion wohl, dass sie dort mit einer höheren Arbeitslast konfrontiert werden, für die sie jedoch auch entsprechende Entlohnung erhalten. Relativ weite Spannen – vor allem bei Ingenieursberufen und im Rechtswesen – erklären sich, wie andere Abweichungen auch, hauptsächlich aus den unterschiedlichen Unternehmensgrößen. Der wichtigste Faktor bei der Gehaltseinstufung ist, noch vor der Qualifikation, die Staatsangehörigkeit. Start-ups sowie kleine und mittelständische Unternehmen mögen im Vergleich zu Konzernen niedrigere Gehälter zahlen, dennoch entscheiden sich viele Mitarbeiter für eine Stelle bei einem Mittelständler oder Jungunternehmen, weil sie Faktoren wie höhere Mitspracherechte, weniger Bürokratie und kürzere Entscheidungswege den gefestigten Strukturen und genauen Vorgaben, die andere wiederum an Großunternehmen schätzen, vorziehen.

Trotz des Expat-Marktes investieren Unternehmen zunehmend darin, ihre Mitarbeiter durch soziale Bindung zu halten und orientieren sich damit mehr und mehr an deutschen Standards. Auf diese Weise erhoffen sie sich, bei der Talentsuche im Markt herauszustechen und gute Mitarbeiter länger an sich zu binden. Departer empfiehlt Unternehmen außerdem, sich darauf zu konzentrieren, vorhandene Talente zu erkennen und weiterzubilden. Dabei geht es auch um ausländische, vielleicht zunächst weniger offensichtliche Hoffnungsträger. Gerne sollten Unternehmen dabei auch den umgekehrten Weg gehen und in Erwägung ziehen, besonders wichtige Mitarbeiter von den VAE nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz zu schicken. Die Unternehmen im Heimatland brauchen Mitarbeiter mit Auslandserfahrung in ihren Hauptquartieren, weswegen die Rückführung von Expats einen immer höheren Stellenwert einnimmt.

Arbeitgeber wünschen sich zunehmend Loyalität

Arbeitnehmern hingegen rät Wöhler, sich nicht mehr zu sehr auf die in den wirtschaftlichen Anfangsjahren der VAE geltende Devise zu verlassen, derzufolge jeder Arbeitswillige problemlos eine Anstellung finden kann. Loyalität ist im Lebenslauf gut aus der Anzahl der vergangenen Jobwechsel herauszulesen und die Unternehmen suchen nach beständigen, zuverlässigen Mitarbeitern für die erfolgreiche Umsetzung ihrer Unternehmensziele in einem dynamischen Markt. Arbeitgeber sind auch in dieser Hinsicht anspruchsvoller geworden und nehmen sich für ein Rekrutierungsverfahren im Vergleich zu früheren Jahren in den VAE mehr Zeit.

Im Rekrutierungsprozess von Departer werden üblicherweise schon im ersten Auswahlschritt bis zu 50 Prozent der auf eine Ausschreibung eingehenden Bewerbungen aus dem Grund aussortiert, dass die Beschäftigungsgeschichte des Bewerbers auf einen allzu wechselfreudigen Charakter schließen lässt. Departer setzt deshalb auf die aktive Recherche nach Toptalenten, um seinen Klienten ein hochwertiges Auswahlverfahren ermöglichen zu können.

www.departer.de

www.ahkuae.com

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