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Kleine internationale Kulturgeschichte der Sportwetten

Sportwetten sind in etwa so alt wie die menschliche Zivilisation und waren schon immer Teil der Kulturgeschichte vieler Nationen. So sind etwa im asiatischen Raum Glücksspiele bereits seit mehr als 2.000 Jahren belegt.

Die alten Griechen gelten als Erfinder der Pferdewetten. Datiert wird deren Einführung auf das Jahr 676 vor Christus bei den Olympischen Spielen. Und auch die Bewohner des antiken Roms frönten der Wettleidenschaft. So wurden beispielsweise im Circus Maximus vor bis zu 250.000 Zuschauern Wagenrennen ausgetragen, auf deren Gespanne die Sportbegeisterten Wetten abgeben konnten. Die noch heute in Teilen erhaltene Arena in Rom hatte eine Gesamtlänge von 600 Metern und war 140 Meter breit. Im nicht minder berühmten Kolosseum fanden Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen statt, auf die Geld gesetzt werden konnte. Dort wurden insbesondere auf Sportarten wie Rennen, Wrestling, Boxen und Fünfkampf Wetten gehandelt. Die Gladiatoren und Athleten profitierten wiederum von Preisgeldern, die auf sie ausgesetzt wurden.

Aus Wetten wurden Lebensversicherungen

Im Mittelalter gerieten Sportwetten weitgehend in Vergessenheit; Glücksspiel galt als gotteslästerlich und wurde verboten. Allerdings wetteten die Menschen auf das Leben (zum Beispiel das Wetten auf Geschlechter bei Geburten adliger Kinder) und Sterben von Menschen. Die Weiterentwicklung solcher Wetteinsätze finden sich heute in der (Risiko-)Lebensversicherung wieder.

Im Jahr 1865 entstand in Paris ein modernes Wettverfahren („Totalisator“, daher auch der Begriff „Toto“ als Bezeichnung für Sportwetten), bei dem die Teilnehmer untereinander statt mit einem so genannten Buchmacher wetteten. Der Erfinder ist vermutlich Rennbahnbesitzer und Moulin-Rouge-Gründer Joseph Oller. Die Totalisatorwette schwappte wenig später auch nach Deutschland, wo sie jedoch 1882 als Glücksspiel deklariert und somit verboten wurde. Erst 1922 wurden Buchmacher-Lizenzen für Pferderennen in Deutschland erlaubt.

Heimat der Sportwetten ist England

Als Heimatland der modernen Sportwetten gilt England. Dort wurden bereits Anfang des 19. Jahrhunderts Pferdewetten abgeschlossen – ursprünglich dienten die Rennen dem Vergleich der Leistung von zu verkaufenden Rennpferden. Die Wetteinsätze sollten zunächst nur das Rennspektakel finanzieren.

Die Popularität von Pferdewetten wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von der Fußballwette überrundet, die ihren Ursprung im Erfinderland des Fußballs, nämlich England, hat. Englische Bergarbeiter sollen 1921 erstmals auf Fußballergebnisse gewettet haben. In Deutschland wurde die erste organisierte Fußballwette 1948, also erst nach dem Zweiten Weltkrieg, eingeführt und hatte mehr als 40 Jahre ein staatliches Monopol. 2010 entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass auch in Deutschland private Anbieter von Sportwetten zulässig sind. Gut ein Jahr später einigten sich die Ministerpräsidenten der einzelnen Bundesländer darauf, entsprechende Lizenzen zu vergeben. Im Vergleich zu Ländern wie Italien, wo die Wettkultur fest in der Bevölkerung verankert ist, hat Deutschland relativ spät nachgezogen.

Die meisten privaten Offerten sind im Internet zu finden. Das Wachstumspotenzial ist groß: Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums haben private Anbieter von Sportwetten im Jahr 2013 in Deutschland rund vier Milliarden Euro Umsatz gemacht.

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