Leni Gruber
© Leni Gruber

„Ich habe eigentlich schon immer gesagt, dass ich einmal auswandern will“

Die 24-jährige Leni Gruber kommt eigentlich aus Österreich, ist aber seit über einem Jahr als Anywhere Worker unterwegs und arbeitet flexibel ohne festen Arbeitsplatz. Im Interview erzählt sie von ihren Lieblingsorten, wie der Arbeits-„Alltag“ für sie aussieht und welche besonderen Herausforderungen sie meistern musste.

Expat News: Du hast dein Zuhause in Österreich aufgegeben und beschlossen, die Welt zu deinem Büro und zu deinem Wohnort zu machen. Wie sah deine bisherige Reise aus?

Leni: Ich komme eigentlich aus Österreich, bin jetzt gerade aber auf Bali. Vor einem Jahr etwa habe ich richtig angefangen, als Anywhere Worker zu arbeiten. Etwa einen Monat, nachdem ich mein Studium beendet habe, bin ich aus meiner Wohnung ausgezogen, habe mein Auto und vieles andere verkauft – denn am Ende hat alles in einen Rucksack passen müssen. Dann bin ich los nach Mexiko, zuerst nach Tulum, aber dann eigentlich durch ganz Südamerika.

Mein Geld verdiene ich als Freelancerin im Bereich Social-Media-Marketing und Logo-Design, unter anderem über die Plattform Fiverr. Mittlerweile mache ich aber auch sehr viel Content-Creation für Hotels und Restaurants.

Lenis letzter Tag in ihrer alten Heimat; © Leni Gruber

Expat News: Nachdem du Südamerika erkundet hast, planst also Asien zu erkunden?

Leni: Ich will mir auf jeden Fall für längere Zeit Asien anschauen, aber einen konkreten Plan, den gibt es nicht. Ich bleibe so lange auf Bali, bis ich keine Lust mehr darauf habe und dann geht es einfach weiter. Jetzt ist es mein dritter Monat hier.

„Am Ende habe ich eigentlich nur noch auf den Bachelor-Abschluss gewartet, und einen Monat darauf bin ich schon los.“

 

Expat News: Was gefällt dir an Bali besonders?

Leni: Ich liebe die Auswahl an Restaurants und wie abwechslungsreich die Natur ist! Die Strände sind nicht einmal besonders nice, aber die Reisfelder und Mountain-Ranges sind wunderschön.

 

Haus in der Natur im Tayrona Nationalpark; © Leni Gruber

Expat News: Gab es einen bestimmten Auslöser, durch den du dich entschieden hast, als Anywhere Worker ohne festes Zuhause und festes Büro zu arbeiten?

Leni: Ich habe eigentlich schon immer gesagt, dass ich einmal auswandern will, dass ich mal irgendwohin will, wo es immer warm ist. Das habe ich meiner Mama schon als Kind gesagt. Ich wusste später auch: Nach dem Studium wird mich nichts mehr in Wien halten. Ich hatte mir neben dem Uni-Alltag schon eine Selbstständigkeit und einen Kundenstamm aufgebaut. Am Ende habe ich eigentlich nur noch auf den Bachelor-Abschluss gewartet, und einen Monat darauf bin ich schon los.

Ich wollte einfach schon immer unterwegs sein, Sommer und Sonne genießen – und vor allem nicht an ein Büro gebunden sein. Denn das wurde schnell langweilig. Ich habe einmal in einer Social-Media-Agentur gearbeitet und fand es anfangs auch megaspannend. Aber jeden Tag an denselben Ort zu gehen und jeden Tag dasselbe zu machen: Mir war schnell klar, dass ich das für mich nicht möchte, jedenfalls nicht jetzt. Ich kann mir schon vorstellen, dass ich irgendwann das Bedürfnis nach Routine und einem festen Arbeitsplatz haben werde. Aber aktuell passt das nicht.

„Sollte ich irgendwann mal einen festen Job annehmen wollen, bräuchte ich aber die Garantie: Du kannst Homeoffice machen.“

Sollte ich irgendwann mal einen festen Job annehmen wollen, bräuchte ich aber die Garantie: Du kannst Homeoffice machen. Durch Covid gab es sowieso eine Wende hin zu mehr Flexibilität. Ich hatte schon Gespräche mit Firmen, die mir erzählt haben, dass sie es jetzt zum ersten Mal probieren, mit Remote-Workern zu arbeiten. Ich denke, dass dieser Einfluss durch Covid kam und viele Firmen gemerkt haben: Es funktioniert ja mit dem Homeoffice. Und wenn es mit dem Homeoffice funktioniert, wieso sollte das nicht auch gehen, wenn die Person in einem anderen Land ist?

Leni am Strand von Ipanema in Rio de Janeiro; © Leni Gruber

Expat News: Profitierst du auch jetzt noch von dem Kundenstamm, den du dir in Österreich aufgebaut hast?

Leni: Ja, meine Kunden sind vor allem in Wien und in Berlin – über die Fiverr-Plattform bekomme ich aber Kunden von überall her. Zusätzlich, jetzt auf Bali, melde ich mich aktiv bei Cafés, Restaurants, Hotels, zeige mein Portfolio und frage, ob sie jemanden zum Shooten brauchen, für Content und Social-Media.

Expat News: Mit Fiverr hast du eine Plattform, auf der du deine Dienstleistungen anbieten kannst – mögliche Auftraggeber finden dich dort und können dann deine Dienstleistungen buchen. Wie läuft das genau ab?

Leni: Ich habe einen Account bei Fiverr. Dort biete ich das Erstellen von kreativen Logos an. Dafür brauche ich nur meinen Laptop und Internet. Das ist super-easy von überall aus zu machen. Die Auftragslage schwankt ein bisschen, derzeit gibt es mega-viele Aufträge, aber zwei Monate zuvor waren es weniger. Eine Grundkonstante von Aufträgen gibt es aber immer, und wenn es mal nicht so gut läuft, weiß ich, es wird demnächst wieder besser.

Fiverr ist sehr praktisch, weil automatisch Aufträge reinkommen. Ich selbst muss nicht aktiv auf Auftraggeber zugehen und sie kontaktieren. Stattdessen finden mich immer die Firmen, die meine Dienstleistung aktuell benötigen.

Expat News: Anywhere-Worker sind verbunden durch den gemeinsamen Wunsch, ortsunabhängig zu arbeiten. Ist euch darüber hinaus Vernetzung als Community wichtig?

Leni: Auf jeden Fall ist uns Vernetzung wichtig. Hier auf Bali bin ich im Dojo Coworking – das ist ein Coworking Space, der viele Events veranstaltet. Montags ist zum Beispiel immer ein gemeinsamer Lunch, dienstags finden Vorträge statt, mittwochs geht man zusammen zum Dinner und so lernt man viele Leute kennen, die den gleichen Lifestyle leben.

Das Selina sorgt auch für Vernetzung: Diese Hotel-Brand arbeitet mit Fiverr zusammen und bietet weltweit eine Kombination aus Unterkunft und Co-Working-Space. In den Arbeitsbereichen kommt man mit den anderen Anywhere Workern ins Gespräch und knüpft Freundschaften. Außerdem gibt es im Selina einfach das zuverlässigste Internet, was für die Arbeit einfach wichtig ist. Hier auf Bali gibt es kein Selina, da merke ich den Unterschied schon sehr stark.

„Ich glaube, gemeinsam Reisen geht nur dann gut, wenn auch die anderen arbeiten, und nicht nur rumreisen und feiern.“

Expat News: Könntest du dir vorstellen, zu zweit oder sogar in einer festen Gruppe auf Reisen zu gehen?

Leni: Ja, auf jeden Fall. Anfangs war ich auch alleine unterwegs, aber in Mexiko bin ich mit meinem Freund zusammengekommen und der reist inzwischen mit. Wir sind also zu zweit unterwegs, aber in einer Gruppe zu reisen, das kann ich mir absolut vorstellen! Ich glaube aber, dass das nur dann gut geht, wenn auch die anderen arbeiten, und nicht nur rumreisen und feiern.

Es kommen demnächst auch Freunde aus Wien hierher nach Bali, die dann bei uns leben werden. Die arbeiten auch remote und machen Bali zu ihrem Büro.

Einziger verfügbarer Tisch für Mahlzeiten auf einer Insel in Kolumbien; © Leni Gruber

Expat News: Glaubst du, es ist wichtig, als digitale Nomadin irgendwo einen „Ankerpunkt“ zu haben? Wo wäre deiner?

Leni: Mein Ankerpunkt ist Wien und wird es bestimmt auch immer bleiben. Dort habe ich noch Freunde, die mir sehr wichtig sind, und meine Familie. Ich glaube auch, so ein Lifestyle würde ohne Ankerpunkt nicht funktionieren, ich würde mich ansonsten irgendwann verloren fühlen.

Expat News: Was war von all deinen Arbeitsplätzen dein liebster?

Leni: Mexico und dort Puerto Escondido – dieses kleine Surfer-Dorf war mein Favorit, ganz einfach, weil ich da meinen Freund kennengelernt habe! Es war auch der Start meiner Reise und deswegen besonders faszinierend. Ich will auf jeden Fall nochmal nach Mexiko, aber lieber früher als später, denn manche Location, die ich besucht habe, wird immer beliebter. Irgendwann wird es zu überfüllt sein. In Puerto Escondido war ich in einem Coworking Space direkt am Strand und unter Palmen – wie man es sich als Klischee vorstellen würde.

Expat News: Gibt es ein Erlebnis aus deiner Zeit im Ausland, an das du dich noch dein Leben lang erinnern wirst?

Leni: In Kolumbien waren mein Freund und ich auf einer einsamen Insel – ein Highlight, an das ich mich immer erinnern werde. Wir wollten eigentlich nur eine Nacht bleiben – am Ende waren es dann fünf Nächte. Die Insel war fast unbewohnt, und wir waren mit unserem Zelt am Strand ganz für uns allein. Wir hatten komplette Ruhe, kein Internet und kein Stress von der Außenwelt. Das war ein schöner Reset für den Kopf!

Expat News: Das mobile Arbeiten im Ausland kommt nicht ohne Bürokratie aus – je nach Lage gibt es auch ganz eigene Formalia, die man beachten muss. Wie kommst du damit klar, und was sollten gerade Anywhere Worker beachten?

Leni: Auf jeden Fall waren die Abmeldung und die weiteren formalen Schritte, die es da so gibt, schon eine Herausforderung. Kompliziert ist es auch mit den Steuern und Abgaben – was muss ich wo leisten, was muss wie angemeldet werden? Das alles ist sehr umfangreich, und ich musste mich bei diesem Thema erst einmal zurechtfinden. Zum Glück kannte ich die Basics schon aus meinem Studium – und bei den Details konnte und kann ich mich auf meinen Steuerberater verlassen, der für mich immer eine maßgeschneiderte Lösung findet.

Leni genießt eine frische Kokusnuss in Tayrona Nationalpark Kolumbien; © Leni Gruber

Expat News: Wenn die Welt dein Büro ist, ist der richtige Versicherungsschutz bestimmt auch eine Herausforderung. Was ist dir in Sachen gesundheitlicher Absicherung wichtig?

Leni: Wichtig war für mich ein sehr umfassender Schutz, denn je nach Land gibt es ganz unterschiedliche Anforderungen. Umso mehr habe ich darauf geachtet, dass möglichst viele Leistungen abgedeckt sind. Gleichzeitig durfte mein Selbstbehalt nicht allzu hoch sein.

„Ihr braucht vielleicht etwas mehr Selbstdisziplin, als ihr euch am Anfang vorstellen könnt.“

Expat News: Was möchtest du denen, die sich vielleicht selbst als Anywhere Worker versuchen wollen, mitgeben?

Leni: Ihr braucht vielleicht etwas mehr Selbstdisziplin, als ihr euch am Anfang vorstellen könnt. Reisen und Arbeiten zu verbinden, sorgt dafür, dass ihr immer neue Orte entdecken, Events besuchen oder euch mit neuen Leuten treffen könnt. Nur: Darunter darf eure Arbeit nicht leiden. Manchmal ist die Versuchung auch bei mir groß, einfach rauszugehen und meine Zeit im Ausland zu genießen. Aber am Ende des Tages weiß ich ja: Wenn ich meine Arbeit nicht gut machen würde, dann wäre dieses Leben im Ausland von vornherein gar nicht möglich!

Leni in Floripa, Brasilien; © Leni Gruber

Ich habe auch Mut gebraucht, mein Zuhause dauerhaft zu verlassen – ich bin ja direkt nach dem Studium ins Ausland gegangen. Es war schon ein großer Schritt, als ich den Mietvertrag gekündigt habe, um dann direkt nach Mexiko zu gehen! Aber zum Glück haben mir alle in meinem Umfeld Mut gemacht. Meine Familie und Freunde waren eigentlich begeistert. Auch meine Mutter hat mich ermuntert, es einfach zu versuchen – wenn das Leben im Ausland nichts für mich gewesen wäre, dann hätte ich einfach wieder zurückkommen können. Aber ich liebe dieses Leben und es gibt noch so viel zu entdecken!

Über Leni Gruber

Leni arbeitet selbstständig im Bereich Graphic-Design, Content-Creation und Social-Media-Management. Als Anywhere Worker kann sie ortsunabhängig von überall auf der Welt arbeiten, derzeit ist sie auf Bali zu Hause. Ihre Arbeit bietet sie auf der Plattform Fiverr an, die Unternehmer*innen Zugang zu freiberuflichen Talenten ermöglicht, sodass sie ihr Business, ihre Marke und ihre Projekte vorantreiben können.

Lenis Website

Leni auf Instagram

Leni auf Fiverr

 

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