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Was Norweger gerne essen

Norwegens Markt für verpackte Lebensmittel ist 2011 laut dem Marktforschungsunternehmen Euromonitor nur um etwa ein Prozent gewachsen. Am stärksten haben dabei die Grundnahrungsmittel Joghurt und Brot zugelegt. Fleisch stagnierte dagegen. Die Preise für Nahrungsmittel zählen in Norwegen zu den höchsten in Europa. Dies berichtet germany trade & invest (gtai).

Angesichts der steigenden Zahl der Ein-Personen-Haushalte sowie berufstätiger Frauen wird der Konsum von verpackten Lebensmitteln und Getränken in Norwegen voraussichtlich stärker zunehmen. Dies dürfte vor allem dem Fertiggerichte-Segment zu Gute kommen, in dem Pizza laut Umfragen der absolute Spitzenreiter ist.

Daneben konsumieren Norweger viel Käse und Wurst. Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den Lebensmittelkonsum äußern sich bei den Verbrauchern in dem nordischen Land insbesondere in einem deutlichen Rückgang der Zahl der Restaurantbesuche. Für ausländische Lieferanten eröffnen sich hingegen neue Lieferchancen.

Mit NorgesGruppen, Coop Norge Handel, ICA Norge und Rema 1000 Norge vereinigen vier große Unternehmen rund 80 Prozent des Gesamtumsatzes im norwegischen Lebensmitteleinzelhandel. NorgesGruppen, das größte von ihnen, hat über seine Handelsketten einen Marktanteil von knapp 37 Prozent. Importwaren beziehen die Ketten der Großkonzerne oft über eigene Agenturen.

Speed-Dating mit Supermarktketten und Lieferanten

Alljährlich (gewöhnlich im Februar) findet ein Speed-Dating mit den Supermarktketten statt. Die von der Fachzeitschrift Handelsbladet FK organisierte Veranstaltung soll kleineren Lieferanten helfen, die ersten Markteintrittshürden zu überwinden. Jeder Lieferant hat dabei sieben Minuten Zeit, sein Unternehmen vorzustellen, wobei die Präsentation maximal fünf Minuten beanspruchen sollte, um danach noch Zeit für eventuelle Fragen zu haben. Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass der betreffende Lieferant mindestens ein Produkt anbietet, das sich unmittelbar in Ladengeschäften vertreiben lässt und dass er noch keinen Distributionsvertrag mit einer der teilnehmenden Ketten hat.

Die norwegischen Lebensmittelimporteure erwarten allerdings, dass ausländische Lieferanten Kenntnisse über den Zielmarkt und dortige Wettbewerber mitbringen. Unter den Produzenten dominieren die beiden einheimischen Konzerne Tine und Orkla. Tine ist der führende norwegische Hersteller von Molkereierzeugnissen, wohingegen Orkla durch eine Reihe von Tochtergesellschaften, darunter Nidar, Sætre, Bakers, Stabburet und Axellus, bei verpackten Lebensmitteln breiter aufgestellt ist.  Mit Gilde und Stabburet gibt es in Norwegen noch zwei weitere größere Nahrungsmittelverarbeiter sowie mit der zur Carlsberg Group gehörenden Ringnes eine große Brauerei.

Mehr als die Hälfte des Lebensmittelkonsums entfällt auf Importwaren. Aus dem Ausland bezieht das Königreich vor allem Obst, Gemüse, Getreide, Erzeugnisse daraus sowie Zucker und Wein, wobei die Hauptlieferländer in der EU liegen. In kleineren Mengen wird auch frischer Fisch zur Weiterverarbeitung im eigenen Land importiert.

Einfuhrquoten und Zölle erschweren Marktzutritt

Den Marktzugang durch ausländische Anbieter erschweren Einfuhrkontingente, vor allem auf saisonale Erzeugnisse wie Obst und Gemüse, sowie hohe Zölle, unter anderem auf Käse- und Fleischwaren, mitunter erheblich. Hohe Abgaben fallen auch beim Import von Alkoholika an; außerdem können Getränke mit einem Alkoholgehalt von mindestens 4,7 Prozent nur über das Staatsunternehmen Vinmonopolet („Weinmonopol“) verkauft werden.

Wie bereits gegen Ende des letzten Jahres, hat Norwegens Landwirtschaftsbehörde (SLF) den Zollsatz für Buttereinfuhren seit dem 1.9.2012 vorübergehend für sechs Wochen gesenkt, da erneut eine Butterknappheit drohte. Die normalerweise hohen Zollsätze für Molkereierzeugnisse können norwegische Importeure sonst nur dadurch umgehen, indem sie Einfuhrkontingente zu einem deutlich niedrigeren als dem üblichen Zollsatz ersteigern. Eine Liste der Unternehmen, die Importquoten erworben haben, veröffentlicht SLF im Internet unter http://auksjon2.slf.dep.no.

Zum Schutz der heimischen Landwirtschaft erwägt Norwegen, ab 2013 höhere Einfuhrzölle auf wichtige Lebensmittel wie Hartkäse sowie Lamm- und Schweinefleisch zu erheben. Bestimmte Käsesorten könnten sich dadurch um bis zu 250 Prozent verteuern, konstatieren Beobachter. Die Preise für Nahrungsmittel zählen in Norwegen schon jetzt zu den höchsten in Europa.

Quelle: gtai

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