Wie E-Mails Auswanderer-Ströme messen können

Bislang erfassen Statistiken nur sehr schlecht, wohin Menschen auswandern. Ein Forscher vom Max-Planck-Institut für demografische Entwicklung und ein Mitarbeiter von Yahoo Research in Spanien haben nun anhand von E-Mail-Daten untersucht, wohin es Menschen weltweit zieht. Wie Zeit Online berichtet, funktioniert diese Methode schneller und genauer als herkömmliche Systeme.

Die Forscher werteten fast eine Milliarde E-Mails im Zeitraum von September 2009 bis Juni 2011 von 43 Millionen Accounts aus. Die Hälfte der Postfächer gehörte Bewohnern aus den USA; für viele andere Länder wie Deutschland oder Brasilien bestand die Datenbasis aber immerhin noch aus einer halben Million bis zwei Millionen Nutzern pro Land.

Eine wichtige Erkenntnis nach der Auswertung: Dass die Menschen international mobiler werden, ist nicht nur Theorie, so Zeit Online. Die Statistiker vom Institut und Yahoo fanden beispielsweise klare Indizien dafür, dass der Anteil auswanderungswilliger Frauen steigt. Hinsichtlich der bestehenden Erhebungen bezweifeln sie, dass diese aktuell und valide sind. Vom Staat erfasste Daten seien problematisch, denn Auswanderer tendierten nicht dazu, sich nach einem Umzug amtlich oder später neu anzumelden. Hinzu kommt, dass es zwischen den einzelnen Staaten keine Übereinkunft gibt, wann jemand überhaupt als Auswanderer definiert wird. Viele Länder registrieren solche Daten auch gar nicht.

Facebook und Co. besser geeignet, um Auswanderer zu lokalisieren

Digitale Informationen etwa aus Twitter, Facebook und co. seien wesentlich schneller verfügbar und zudem genauer. Vor allem kurzfristige Effekte, beispielsweise hervorgerufen durch Umweltkatastrophen oder Unfälle wie in Fukushima können dank der Technik besser beobachtet werden. Damit könnten Fragen geklärt werden, wie beispielsweise die nach der Anzahl der Menschen, die eine Gegend nach einer Katastrophe verlassen, wohin sie gehen und wie viele wann zurückkommen. Bei traditionellen Methoden wie Befragungen würden Monate oder Jahre verstreichen.

Die Untersuchung digitaler Vorgänge sei außerdem dazu geeignet, Migration hervorzusagen. Schreibt jemand beispielsweise viele E-Mails nach Deutschland, sei es wahrscheinlich, dass dieser dort viele Freunde hat und möglicherweise in ein paar Jahren dorthin auswandert.

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